Am 15. Juli hat das spanische Statistikamt INE die endgültigen Juni-Zahlen veröffentlicht. Für ganz Spanien blieb die jährliche Teuerung bei 3,2 % — den dritten Monat in Folge auf diesem Niveau. Auf den Kanaren fiel sie mit 3,4 % einen Hauch höher aus, gleichauf mit den Balearen und damit leicht über dem nationalen Durchschnitt. Spitzenreiter war Madrid mit 3,8 %, am günstigsten kam Extremadura mit 2,4 % davon.
Für Residenten, digitale Nomaden und Auswanderer ist die spannende Frage nicht die Nachkommastelle, sondern: Was heißt das fürs Portemonnaie? Die kurze Antwort — kein Grund zur Panik, aber auch kein Grund, es wegzuwischen. Wir gehen die Zahl Schritt für Schritt durch.
Was 3,4 % im Alltag heißt
Die Jahresteuerung sagt, wie viel mehr ein typischer Warenkorb heute kostet als vor zwölf Monaten. Grob gerechnet: Wer vor einem Jahr auf den Inseln rund 1.000 Euro im Monat für denselben Einkauf ausgab, zahlt heute etwa 34 Euro mehr — Monat für Monat. Über ein ganzes Jahr summiert sich das.
Wichtig ist die Einordnung. Ein Wert von 3,4 % liegt deutlich unter den Ausschlägen von 2022 und 2023, ist aber auch nicht die ruhige Zwei-Prozent-Welt, die sich die Notenbanken wünschen. Und der Durchschnitt verdeckt große Unterschiede: Wer viel Strom verbraucht oder in einer angespannten Wohngegend zur Miete wohnt, spürt mehr als jemand, der vor allem lokal auf dem Markt einkauft.
Was die Preise nach oben treibt
Der Hauptmotor im Juni war die Energie im Haushalt: Strom und, in geringerem Maße, Gas verteuerten sich stärker als ein Jahr zuvor — auch weil die zeitweise gesenkte Mehrwertsteuer auf Strom wieder auf den normalen Satz zurückgekehrt ist. Die Gruppe „Wohnen“ zog dadurch spürbar an.
Gegen den Trend wirkte der Verkehr: Nach der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA entspannten sich die Rohölpreise, was an den Tankstellen ankam — Kraftstoff war günstiger als im Vorjahresmonat. Auch die Lebensmittel legten langsamer zu als zuletzt und erreichten die niedrigste Jahresrate seit Anfang 2025. Unterm Strich hoben sich diese Effekte teilweise auf, weshalb die Gesamtzahl stabil blieb.
Kanaren und Festland: der ehrliche Vergleich
Dass die Inseln mit 3,4 % knapp über dem spanischen Schnitt von 3,2 % liegen, ist nur die halbe Geschichte. Die Teuerung misst die Veränderung, nicht das Niveau. Und beim Preisniveau haben die Kanaren einen eigenen Trumpf: das IGIC, die kanarische Verbrauchssteuer, liegt mit einem allgemeinen Satz von 7 % deutlich unter der Festland-Mehrwertsteuer von 21 %. Viele Waren und Dienstleistungen sind dadurch von Haus aus etwas günstiger.
Dem stehen die typischen Insel-Faktoren gegenüber: Vieles muss importiert werden, Transport kostet, und in beliebten Wohnlagen wie Las Palmas drückt die Nachfrage auf die Mieten. So erklärt sich, warum die Inseln bei der Teuerung mal knapp über, mal knapp unter dem Festland liegen — je nachdem, was gerade Energie und Lebensmittel machen.
Einordnung ohne Alarm
Ein Blick auf den Verlauf beruhigt: Die Kanaren schlossen 2025 mit rund 2,8 % ab und sind seither langsam auf 3,4 % geklettert — ein moderater Anstieg, kein Sprung. Ermutigend ist die Kerninflation (ohne die schwankungsanfälligen Posten Energie und frische Lebensmittel): Sie sank leicht auf 2,9 %, ein Zeichen, dass der Preisdruck im Kern nachlässt. Vieles hängt jetzt an der Energie — bleibt Rohöl entspannt, dürfte sich auch die Gesamtzahl beruhigen.
Für den Alltag heißt das: kein Grund, Pläne über den Haufen zu werfen, aber ein guter Anlass, den Stromvertrag zu prüfen und beim Wocheneinkauf saisonal und lokal zu denken.
Häufige Fragen
- Wie hoch war die Inflation im Juni 2026 auf den Kanaren?
- Die jährliche Teuerung lag bei 3,4 %, gleichauf mit den Balearen und leicht über dem spanischen Durchschnitt.
- Und in ganz Spanien?
- Landesweit blieb sie bei 3,2 %, den dritten Monat in Folge. Im Monatsvergleich stiegen die Preise um 0,6 %.
- Warum liegen die Kanaren über dem Schnitt?
- Nur knapp. Ausschlaggebend waren im Juni vor allem Energiepreise; die Inseln pendeln je nach Monat leicht über oder unter dem Festland.
- Was hat die Preise getrieben?
- Vor allem Strom und Gas. Gegenläufig wirkten billigerer Kraftstoff und langsamer steigende Lebensmittel.
- Wird es bald günstiger?
- Die Kerninflation sank leicht auf 2,9 %, was für nachlassenden Druck spricht. Sicher vorhersagen lässt sich das aber nicht — vieles hängt an den Energiepreisen.
Weiterlesen
- Kanaren am 14. Oktober: Feste, Oper und ClubnächteKanaren · 14. Oktober
- Kanaren: Kein Kaufverbot für Ausländer beschlossenKanaren · 14. Oktober
- 2,47 Prozent: Diese Zahl begrenzt Ihre Mieterhöhung — nicht die Inflation von 4,3 ProzentKanaren · 16. September
- Kanaren: Inflation im Juli bei 3,4 Prozent — Löhne bleiben zurückKanaren · 29. August
- Kanaren am 13. Oktober: Feste, Oper und ErzählfestivalKanaren · 13. Oktober
- Alle Events auf den Kanaren →
Angaben nach Zahlen des INE (Instituto Nacional de Estadística), Stand 15. Juli 2026. Endgültige und regionale Werte können nachträglich leicht revidiert werden.