Kanaren: OP-Warteliste wächst um 7,8 Prozent, Wartezeit sinkt
Auf den Kanaren warten wieder mehr Menschen auf eine Operation. Zum Stichtag 30. Juni 2026 standen nach Angaben des Servicio Canario de la Salud (SCS) 34.382 Patientinnen und Patienten auf der chirurgischen Warteliste, 7,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Eingriff lag bei 107 Tagen.
Foto: Pub. by The Lovell General Hospital, Post Exchange, Fort Dev, Public domain (Symbolbild).
Die kanarische Gesundheitsministerin Esther Monzón führt den Anstieg vor allem auf die Streiktage der Ärztinnen und Ärzte zurück. Zugleich betont die Regierung, über die gesamte Legislaturperiode betrachtet seien die Wartezeiten deutlich gesunken. Beide Lesarten stützen sich auf dieselbe Statistik. Die Halbjahresbilanz wurde am 1. September 2026 unter anderem von RTVE Canarias, der Agentur EFE, La Provincia, Canarias7 und eldiario.es Canarias Ahora verbreitet.
Die Zahlen zum Stichtag 30. Juni
Laut der offiziellen Mitteilung der kanarischen Regierung standen Ende Juni 2026 genau 34.382 Menschen auf der Warteliste für einen chirurgischen Eingriff. Das sind 7,8 Prozent mehr als zum selben Stichtag 2025. Canarias7 nannte in seiner Meldung die geringfügig abweichende Zahl 34.383, der Unterschied liegt im Bereich einer Rundung oder eines Übertragungsfehlers.
Bemerkenswert ist die Gegenbewegung der beiden Kennzahlen: Während mehr Menschen warten, sank die durchschnittliche Wartezeit nach Regierungsangaben um zwei Tage auf 107 Tage. Im Juni 2025 lag sie demnach bei rund 109 Tagen. Zwischen Juni 2025 und Juni 2026 wurden nach Angaben des SCS insgesamt 147.811 chirurgische Eingriffe durchgeführt.
Die Erklärung der Regierung: der Ärztestreik
Monzón erklärte, der Berichtszeitraum sei "von den Streiktagen der Fachärzte geprägt" gewesen; das habe die Zu- und Abgänge auf den Wartelisten beeinflusst, weil die Aktivität zurückging. Konkret nennt die Consejería für den Zeitraum Januar bis Juni 2026 einen Rückgang der chirurgischen Aktivität mit eigenen Mitteln um drei Prozent. La Provincia berichtete von 34 Mobilisierungstagen der Beschäftigten im Gesundheitswesen.
Hintergrund des Konflikts ist das neue Estatuto Marco, das Rahmenstatut für das Gesundheitspersonal. Die Ärztegewerkschaften, darunter die CESM, lehnen den Entwurf ab und fordern ein eigenes Statut für Ärztinnen und Ärzte. Ende August 2026 gab es einen fünftägigen landesweiten Streik vom 24. bis 28. August; der Ministerrat verabschiedete den Entwurf am 1. September trotz des Widerstands. Über weitere Streiks im Herbst wurde in spanischen Medien berichtet, eine gesicherte Terminliste für die Kanaren lag zum Redaktionsschluss nicht vor.
Die andere Seite der Bilanz: Sprechstunden und Diagnostik
Die chirurgische Liste ist nur ein Teil der Bilanz. Bei den fachärztlichen Sprechstunden warteten Ende Juni 2026 nach Regierungsangaben 158.358 Menschen auf einen Termin, ein Jahr zuvor waren es 150.975. Der Direktor des SCS, Adasat Goya, hob dabei als "sehr positiven Wert" hervor, dass die Zugangszeit zu einer Facharztsprechstunde um 18 Tage gesunken sei.
Bei den diagnostischen Untersuchungen fiel die Entwicklung nach denselben Angaben am deutlichsten aus: 22.006 Menschen warteten Ende Juni auf eine Untersuchung, 3.627 weniger als im Vorjahr, was einem Rückgang von 14 Prozent entspricht. Goya bezeichnete diesen Bereich als denjenigen mit dem stärksten Rückgang der vergangenen drei Jahre.
Die Lesart der Legislaturperiode und die Kritik daran
Die Regierung ordnet das Halbjahr in einen längeren Zeitraum ein. Monzón erklärte laut der offiziellen Mitteilung: "Die Kanaren haben es geschafft, bei der chirurgischen Wartezeit das Schlusslicht zu verlassen, denn 2023 waren wir die Region mit der längsten Wartezeit von 153 Tagen, und heute liegen wir bei 107, unter dem nationalen Durchschnitt von 121 Tagen nach den zuletzt vom Gesundheitsministerium veröffentlichten Daten." Das entspricht einer Verkürzung um 46 Tage seit Juni 2023.
Widerspruch kommt von gewerkschaftlicher Seite. Die Federación de Salud der Intersindical Canaria bezeichnet die offiziellen Daten als geschönt, verweist auf mehr als 200.000 Menschen auf sämtlichen Wartelisten des kanarischen Gesundheitswesens und kritisiert wachsende Überweisungen an private Anbieter als verdeckte Privatisierung; diese Angaben wurden von canarias-semanal.org verbreitet und decken sich nicht mit der amtlichen Statistik. Detaillierte Reaktionen einzelner Oppositionsparteien auf genau diese Halbjahresbilanz waren in der ausgewerteten Berichterstattung nicht auffindbar.
Was das für Patientinnen und Patienten bedeutet
107 Tage sind ein Durchschnitt über alle Fachrichtungen und Krankenhäuser hinweg. Die tatsächliche Wartezeit hängt stark vom Eingriff, von der Dringlichkeitsstufe und vom Zentrum ab. La Provincia nannte Traumatologie, Rehabilitation, Augenheilkunde und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde als die Bereiche mit der höchsten Nachfrage.
Wer auf einer Liste steht, sollte die eigenen Kontaktdaten im Krankenhaus aktuell halten, damit kurzfristig frei werdende Termine tatsächlich vergeben werden können. Auskunft über Aufnahmedatum und Stand geben die Patientenbetreuungsstellen (Servicio de Atención al Paciente) der Zentren. Sollten die Ärztegewerkschaften im Herbst erneut streiken, sind weitere Verschiebungen möglich.
Das Aufnahmedatum und den aktuellen Stand können Sie beim Servicio de Atención al Paciente Ihres Krankenhauses erfragen.
Wichtige Zahlen
- 34.382 Menschen auf der chirurgischen Warteliste zum 30. Juni 2026, plus 7,8 Prozent gegenüber Juni 2025 (SCS)
- Durchschnittliche Wartezeit auf eine Operation: 107 Tage, zwei Tage weniger als im Juni 2025 (SCS)
- Juni 2023: 153 Tage, daraus ergibt sich eine Verkürzung um 46 Tage in der Legislaturperiode (Gobierno de Canarias)
- Nationaler Durchschnitt laut Monzón unter Berufung auf das Gesundheitsministerium: 121 Tage
- Chirurgische Aktivität mit eigenen Mitteln Januar bis Juni 2026: minus drei Prozent; 147.811 Eingriffe zwischen Juni 2025 und Juni 2026 (SCS)
- Fachärztliche Sprechstunden: 158.358 Wartende (Vorjahr 150.975); Diagnostik: 22.006 Wartende, minus 14 Prozent (SCS)
FAQ
- Wie viele Menschen warten auf den Kanaren auf eine Operation?
- Zum 30. Juni 2026 waren es nach Angaben des Servicio Canario de la Salud 34.382 Patientinnen und Patienten, 7,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
- Wie lange dauert das Warten im Schnitt?
- Die Regierung nennt 107 Tage, zwei Tage weniger als im Juni 2025. Es handelt sich um einen Durchschnitt über alle Fachrichtungen und Krankenhäuser.
- Warum ist die Liste gewachsen, obwohl die Wartezeit sank?
- Nach Darstellung der Consejería ging die chirurgische Aktivität mit eigenen Mitteln von Januar bis Juni um drei Prozent zurück, was sie auf die Streiktage der Fachärzte zurückführt. Es kamen also mehr Menschen auf die Liste, als abgearbeitet wurden.
- Stimmt es, dass die Wartelisten in der Legislaturperiode kürzer wurden?
- Die Regierung verweist auf einen Rückgang der durchschnittlichen Wartezeit von 153 Tagen im Juni 2023 auf 107 Tage im Juni 2026. Gewerkschaftliche Kritiker halten die offizielle Zählweise für geschönt. Eine unabhängige Prüfung dieser Gegendarstellung liegt nicht vor.
- Kann ich meinen Platz auf der Liste erfahren?
- Auskunft über Aufnahmedatum und Stand erteilt der Servicio de Atención al Paciente des behandelnden Krankenhauses.
Weiterlesen
- Kanaren am 17. Oktober: Feste, Konzerte und PartysKanaren · 17. Oktober
- Wochenendwetter: Nur vereinzelte Regenfälle auf einigen InselnKanaren · 17. Oktober
- 17,9 Prozent mehr Hypothekengeld, 0,3 Prozent mehr Kredite: Auf den Kanaren wächst die Kredithöhe, nicht die KäuferzahlKanaren · 28. September
- 87.472 Passagiere weniger: Warum die Kanaren-Flughäfen stagnieren, während Spanien 4,1 Prozent wächstKanaren · 28. September
- Kanaren 16.–18. Oktober: Feste, Konzerte, PartysKanaren · 16. Oktober
- Alle Events auf den Kanaren →