Ein Abend, der nicht geplant war

Manche der besten Abende stehen nicht im Kalender. Dieser hier war so einer. Ich war im Süden unterwegs, in Meloneras, und eigentlich hatte ich nichts weiter vor, als ein bisschen die Gegend zu spüren. Dass an diesem Samstag im Chester ein ganzes Rockfestival steigen würde, wusste ich vorher nicht — und das Schöne ist: Auch der Laden selbst wusste es vermutlich erst kurzfristig. Das Event war ursprünglich woanders geplant und kurzerhand hierher verlegt worden. Genau so funktioniert dieser Ort: Veranstalter buchen das Chester für ihre Sache, mal ist es eine Diskothek, mal ein Konzert, mal eine VIP-Nacht.

An meinem Abend hiess die Sache «Back to Rock», die Türen öffneten um halb sechs, und auf der Bühne standen Tribute-Bands — Hommagen an System of a Down, an Green Day und an die Foo Fighters. Keine Originale, aber Coverbands, die ihr Handwerk verstehen. Drei Gitarrenwände an einem Abend, an dem ich nebenan eher das leise Klacken von Roulettekugeln vermutet hätte.

Casino links, Rockvolk rechts

Und damit sind wir beim eigentlichen Grund, warum mich dieser Abend nicht mehr losliess. Man muss Meloneras kennen, um zu verstehen, was hier passiert. Das ist der gepflegte, etwas vornehmere Süden — grosse Hotels, ein Casino, Leute mit penibel sitzendem Outfit und gemessenem Schritt. Und mitten in diese Kulisse aus Geld und gehobenem Ambiente rollt an diesem Samstag das Rockvolk ein. Schwarze Shirts, Lederwesten, eine ganz andere Tonart als die Promenade ringsum.

Was mich wirklich fasziniert hat, war nicht der Kontrast an sich — sondern dass er so reibungslos funktionierte. Da standen sie nebeneinander, die einen auf dem Weg ins Casino, die anderen auf dem Weg zur Bühne, und niemand störte sich am anderen. Diese kleine Harmonie zwischen zwei Welten, die sich sonst kaum begegnen, fand ich erstaunlich und schön. Meloneras heisst die Rockleute willkommen, ohne sein eigenes Gesicht zu verlieren. Genau dieser Spagat ist es, der den Abend für mich besonders gemacht hat.

Die Bühne im Untergeschoss

Das Chester hat einen Aufbau, der sich erst beim Hineingehen erschliesst. Oben empfängt einen ein Terrassenbereich, und dann geht es die Treppen hinunter — denn die eigentliche Bühne liegt im Untergeschoss. Unten dann: die Stage, die Livemusik, und ringsherum alles, was ein guter Konzertabend braucht. Wunderbar klimatisiert, was bei einer kanarischen Sommernacht keine Kleinigkeit ist. Drei Bars stehen unten an der Bühne, zwei weitere oben auf der Terrasse — man wartet also nicht lange auf sein Getränk, und die Preise bewegen sich im normalen Rahmen. Bezahlt wird per Karte.

Was mir als Detail gefiel, weil es so viel über einen Ort verrät: die Toiletten. Sie liegen ein halbes Stockwerk über der Bühne, sind sauber, ausreichend vorhanden und nicht überlaufen. Die Security wiederum sorgte unaufdringlich dafür, dass niemand auf den Treppen sass und die Notausgänge frei blieben. Alles lief geschmeidig, ohne dass man das Gefühl hatte, ständig kontrolliert zu werden.

Rock mit Meloneras-Stil

Und damit zum Punkt, der mich am meisten überrascht hat. Ein Rockkonzert hat ja oft etwas Raues, manchmal Abgewetztes — das gehört für viele zum Charme dazu. Das Chester ist anders. Hier spiegelt sich auch beim lautesten Gitarrenriff noch das Ambiente von Meloneras wider: ein bisschen Luxus, ein bisschen gehobene Klasse, sauber und mit Stil. Es ist eben kein verruchter Keller, sondern eine Location, die auch Rockfans das Gefühl gibt, an einem schönen Ort zu sein.

Braucht man Hilfe, ist immer jemand da — Ordner und Personal sind ansprechbar und nett. Man steht hier nicht am Rand eines anonymen Grosskonzerts, sondern mittendrin in einer Atmosphäre, die angenehm bleibt. Für mich war das die eigentliche Entdeckung des Abends: dass Rock'n'Roll und Stil sich nicht ausschliessen müssen.

Für wen sich der Abend lohnt

Ganz ehrlich: Das Chester lohnt sich für alle, die mit ein bisschen Stil und Ambiente weggehen wollen, ohne auf Lebendigkeit zu verzichten. Livekonzerte, Dancefloor, eine angenehme Atmosphäre direkt neben dem Casino — und ein Programm, das sich Woche für Woche neu erfindet. Wer Rock mag, war an meinem Abend goldrichtig; wer lieber tanzt, kommt an einem anderen Tag, wenn die Diskothek mit Latin und Reggae läuft.

Zwei Dinge sollte man mitnehmen. Erstens: vorher online schauen, was gerade läuft — das Programm wechselt ständig, mal mit Eintritt, mal ohne. Zweitens, der einzige echte Wermutstropfen: Barrierefrei ist das Chester nicht; die Bühne im Untergeschoss ist nur über Treppen erreichbar. Für mich war es am Ende genau das, wofür ich diesen Job mache: ein Abend, der nicht geplant war, an einem Ort, der mich überrascht hat.