Was bedeutet der Ärztestreik jetzt für Patienten?
Wer auf Gran Canaria einen Arzttermin hat, muss nach den Zahlen vom 4. November nicht mit breiten Ausfällen rechnen. Die Gesundheitsbehörde der Kanaren meldete kanarenweit 4,8 Prozent Beteiligung und einen Tag ohne nennenswerte Zwischenfälle.
Mindestdienste sichern laut Behörde die Versorgung, am Vormittag standen 1.383 Fachkräfte im Dienst. Verschobene Termine sind trotzdem möglich, für den aktuellen Streik liegt aber keine Zahl dazu vor.
Hinweise der Behörden zu Terminabsagen oder eine eigene Anlaufstelle für Patienten wurden bisher nicht veröffentlicht. Wer einen Termin im Krankenhaus oder Gesundheitszentrum hat, fragt am besten vorab dort nach, ob er stattfindet.
Was geschah am Hospital Insular?
Rund 80 Ärzte versammelten sich am Mittwoch, 4. November, ab etwa 7.40 Uhr vor dem Hospital Insular de Gran Canaria. Kurz nach 8.00 Uhr war die Kundgebung vorbei.
Die Teilnehmer überquerten wiederholt den Fussgängerübergang am Haupteingang und riefen ihre Parolen. Cristina Escott vom Vorstand des Ärzteverbands CESM sagte, der Ort sei «strategisch» für die Sichtbarkeit.
Zeitweise kam es am Kreisverkehr an der Klinikzufahrt zu Verkehrsunterbrüchen. Die Ein- und Ausfahrt der Krankenwagen blieb frei, zwei Mannschaftswagen der Policía Nacional standen bereit.
Ausser «einem kleinen Gerangel», so Escott, gab es keine Zwischenfälle. Die Kundgebung ist Teil des unbefristeten Streiks, den mehrere Ärztegewerkschaften am 16. Oktober begonnen haben.
Wie hoch ist die Beteiligung auf den Inseln?
Auf Gran Canaria legten am 4. November 155 von 1.553 betroffenen Fachkräften die Arbeit nieder, das sind 9,98 Prozent. Die Gesundheitsbehörde der Kanaren nennt damit für Gran Canaria den höchsten Wert in absoluten Zahlen.
Auf Teneriffa streikten 37 von 2.061 Betroffenen, also 1,8 Prozent. Auf Lanzarote waren es vier (1,69 Prozent), auf Fuerteventura eine Person (0,33 Prozent) und auf La Palma drei (1,86 Prozent).
Auf La Gomera und El Hierro legte laut Behörde niemand die Arbeit nieder. Der Streikaufruf richtet sich nach Angaben der Behörde an 4.164 Fachkräfte, von insgesamt 7.281 Beschäftigten, die teilnehmen könnten.
Die Gewerkschaften nennen bei früheren Streiktagen regelmässig deutlich höhere Zahlen als der SCS. Für den 4. November liegen nur die Angaben der Behörde vor, eine Gegenrechnung der Gewerkschaften nicht.
Was fordern die Ärzte, und was bietet die Regierung?
Die Gewerkschaften CESM Canarias und SEMCA stellen drei Forderungen: mehr Vertretung der Ärzte an den Verhandlungstischen, bessere Arbeits- und Ruhezeiten sowie höhere Gehälter. Ziel ist, den kanarischen Gesundheitsdienst attraktiver zu machen.
Ein zentrales Anliegen ist laut RTVC, die 24-Stunden-Dienste durch 12-Stunden-Dienste zu ersetzen. Bei der Demonstration am 27. Oktober sagte Dr. Sara Moreno vom Hospital Insular, ein Dienst samt Folgeschicht dauere heute etwa 30 Stunden.
Die Gewerkschaften verlangen laut RTVC rund 150 Millionen Euro, der SCS bot rund 50 Millionen Euro an. Gesundheitsministerin Esther Monzón sagte, die Bereitschaftsdienste seien um etwa 47 Prozent angehoben worden.
Im Juni hatte der SCS laut RTVC noch angeboten, die schlechter bezahlten Bereitschaftsstunden um 20 Prozent anzuheben, von 23,90 Euro auf rund 27 bis 28 Euro. Ob die 47 Prozent ein späteres Angebot sind, ist nicht bestätigt.
Warum streiten Gewerkschaften und Regierung?
Seit dem 24. Oktober hat es nach Angaben der Gewerkschaften keinen Kontakt mit dem SCS mehr gegeben. Escott sagte, die öffentlichen Aussagen von SCS-Direktor Adasat Goya und Ministerin Monzón hätten den Ton verschlechtert.
Beide hatten laut Atlántico Hoy erklärt, die Forderungen «würden das System ruinieren». Monzón nannte sie laut RTVC zudem «unerfüllbar».
Die Gewerkschaften halten Goya nicht für den richtigen Gesprächspartner und wollen direkt mit Regionalpräsident Fernando Clavijo verhandeln. Sie sind nach eigenen Angaben jederzeit gesprächsbereit, auch an Wochenenden.
Das Ministerium wollte laut RTVC erst nach einer Aussetzung des Streiks weiterverhandeln, die Gewerkschaft lehnte das am 27. Oktober ab. Ein bestätigter Verhandlungstermin besteht nicht.
Wie geht es weiter?
Ein Enddatum für den unbefristeten Streik gibt es nicht. Nach der Demonstration am 27. Oktober sollte ein Koordinierungstreffen der Gewerkschaften über das weitere Vorgehen entscheiden, das Ergebnis liegt nicht vor.
Der regionale Streik läuft unabhängig vom nationalen Konflikt um das Estatuto Marco, den Rahmenstatus für das Personal des staatlichen Gesundheitssystems. Dieser wird vom Gesundheitsministerium in Madrid verhandelt, Gehälter und Dienstzeiten in den Inselkliniken regelt dagegen die Regionalregierung über den SCS.
Wie viele Termine im aktuellen Streik ausfallen, ist unbekannt.