Was bedeutet der Streik für Einwohner und Urlauber auf Gran Canaria?
Wer auf Gran Canaria einen Termin im öffentlichen System hat, fragt am besten vorab im Gesundheitszentrum nach, ob er stattfindet. Der Ärztestreik trifft die Insel stärker als jede andere, der Aufruf läuft nach der Verlängerung vom 27. Oktober bis zum 10. November.
Für den Süden der Insel mit seinen Ferienorten liegen keine eigenen Zahlen vor. Auch eine offizielle Liste der Mindestdienste, eine Hotline oder Regeln zur Neubuchung von Terminen haben wir nicht gefunden.
Frühere Streikphasen bis Juni 2026 liessen nach Berichten über 57.000 Termine ausfallen und knapp 1.500 Operationen aussetzen. Für den aktuellen Streik gibt es solche Zahlen nicht.
Wie viele Ärzte streiken auf Gran Canaria?
Kanarenweit streikten am Montag, 19. Oktober, 9,34 Prozent der betroffenen Ärzte, so die Zahlen des Gesundheitsdienstes. Das waren 363 von 3.888 Ärzten, aufgerufen waren 7.330.
Die Gewerkschaften nennen eine Beteiligung von rund 58 Prozent und halten die Mindestdienste für missbräuchlich. Diese Gewerkschaftszahl liess sich nicht prüfen.
Gran Canaria liegt vorn: Dort legten 270 von 1.481 betroffenen Ärzten die Arbeit nieder, das sind 18,23 Prozent. Dahinter folgen Teneriffa mit 4,65 Prozent und Lanzarote mit 3,6 Prozent.
La Palma kam auf 2,41 Prozent, Fuerteventura auf 0,67 Prozent. Auf La Gomera und El Hierro streikte niemand.
Für den 23. Oktober nennen veröffentlichte Zahlen 8,17 Prozent kanarenweit, also 318 von 3.892 Ärzten. Auf Gran Canaria waren es 229 von 1.538 (14,89 Prozent), und 1.239 Ärzte der Plantilla (Stammbelegschaft) von 7.279 arbeiteten im Mindestdienst.
Was fordern die Ärzte?
Im Mittelpunkt steht ein Strategieplan mit 18 Massnahmen, den der Sindicato Médico Canario (CESM) und der Sindicato de Empleados Médicos de Canarias (SEMCA) vorgelegt haben. Er umfasst Bezahlung, Ruhezeiten und die Vertretung der Ärzte gegenüber der Verwaltung.
Die Gewerkschaften wollen kürzere Bereitschaftsdienste von zwölf statt 24 Stunden. Zudem verlangen sie freie Tage nach Nachtdiensten und Dienststunden, die für die Rente zählen.
Junge Assistenzärzte leisten nach Gewerkschaftsangaben bis zu sieben 24-Stunden-Dienste im Monat. Die Gewerkschaften sagen, sie sprächen für bis zu 8.000 Ärzte im Gesundheitsdienst.
Ihre Forderung beziffern die Gewerkschaften auf 150 Millionen Euro. Der Gesundheitsdienst bot 50 Millionen Euro an, darunter einen Plan mit 14 Punkten und einer Erhöhung der Bereitschaftsvergütung um rund 47 Prozent.
Nach eigener Darstellung kann der Gesundheitsdienst nicht alles in einem Haushaltsjahr bezahlen und schlägt einen Dreijahresplan für 2027, 2028 und 2029 vor. Die Gewerkschaften räumen Fortschritte ein, sprechen aber noch nicht von einer Grundsatzeinigung, sondern von einer Reihe von Vorschlägen.
Wie kam es zu dem Konflikt?
Nach Angaben der Gewerkschaften zieht sich der Streit schon über rund 18 Monate mit Teilstreiks hin. Formelle Gespräche begannen im Juli 2026 und liefen durch August und September.
Der kanarische Streik ist ein eigener Konflikt, getrennt vom staatlichen Streit um den Estatuto Marco (Rahmenstatut für das Gesundheitspersonal). Das neue Statut soll jenes von 2003 ersetzen, betrifft fast eine Million Beschäftigte und liegt im Parlament in Madrid.
Die staatlichen Ärztegewerkschaften verlangen ein eigenes Ärztestatut mit einer Höchstarbeitszeit von 35 Stunden und Diensten von 17 statt 24 Stunden. Das Gesundheitsministerium unter Mónica García hält ein eigenes Statut nur auf Basis eines gemeinsamen Statuts für möglich.
Über Gehälter und den Strategieplan entscheidet dagegen die Regierung der Kanaren über die Consejería de Sanidad (Gesundheitsministerium der Kanaren) und den SCS. Dieser Streit wird also auf den Inseln gelöst, nicht in Madrid.
Schon 2023 rief der CESM zu einem unbefristeten Streik ab dem 19. Mai auf. Damals beteiligten sich sieben Prozent, 406 von etwa 5.500 Ärzten, und der Streik wurde ausgesetzt.
Wie geht es weiter?
Rund 300 Ärzte und Angehörige zogen am 27. Oktober in Las Palmas de Gran Canaria über die Avenida Mesa y López. Éric Álvarez, Präsident des CESM Canarias, sprach von «absolutem Schweigen» der Consejería.
Koordinatoren und Streikkomitees wollten sich am 30. Oktober treffen. Das Ergebnis dieses Treffens ist nicht bekannt.
Der Gesundheitsdienst habe keine Gespräche angesetzt, sagte SEMCA-Präsident Javier Luño am 27. Oktober. Die Gewerkschaften lehnen Adasat Goya als Gegenüber ab und bitten Regierungspräsident Fernando Clavijo, einzugreifen.
Die Gewerkschaften schliessen nicht aus, die Streiktage auszusetzen, falls es eine Einigung gibt. Was im jüngsten Angebot steht, was die Forderungen kosten und wer sie zahlt, hat bisher niemand veröffentlicht.
Verlässlich ist derzeit nur der Streikaufruf bis zum 10. November. Neue Beteiligungszahlen und ein Verhandlungstermin zeigen als Nächstes, ob sich die Lage für Patienten ändert.