Was ist im Hospital Insular passiert?
Die Patientin war wegen drückender Brustschmerzen und auffälliger EKG-Befunde im Hospital Insular aufgenommen worden. Während des Aufenthalts dokumentierte die Krankengeschichte Herzrhythmusstörungen, wie Canarias7 berichtet.
Eine Blutuntersuchung ergab einen stark erniedrigten Kaliumwert. Trotz dieses alarmierend niedrigen Wertes wurde die Frau entlassen. Etwa 30 Minuten später erlitt sie im Eingangsbereich ihres Wohnhauses zwei Herzstillstände mit ventrikulärer Tachykardie.
Sie wurde reanimiert und auf die Intensivstation des Hospital Insular zurückgebracht. Nach der Wiederaufnahme lag das Kalium weiterhin stark erniedrigt. Ein erster Schädel-CT zeigte Anzeichen einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns.
Wie begründet das Gericht sein Urteil?
Das Gericht bewertete die medizinische Versorgung als «unangemessen und überstürzt». Nach seiner Einschätzung hätte die Patientin weiter stationär behandelt und Kalium intravenös erhalten müssen, statt nach Hause geschickt zu werden.
Ein Kardiologe des Complejo Hospitalario Universitario Insular-Materno Infantil (CHUIMI), der die Frau nach der Wiederaufnahme behandelte, erklärte laut Canarias7, ein stark erniedrigter Kaliumwert stehe mit einem erhöhten Arrhythmierisiko in Verbindung und müsse dringend intravenös behandelt werden.
Der Leiter der zuständigen Abteilung stufte die Hypokaliämie als schwer ein. Das Gericht stellte zugleich fest, dass ein weiterer Krankenhausaufenthalt den Herzstillstand nicht sicher verhindert hätte. Er hätte das Risiko aber gesenkt und der Patientin «eine Chance» gegeben.
Wie hoch ist die Entschädigung?
Die Angehörigen hatten eine höhere Summe gefordert. Das Gericht sprach ihnen teilweise 300.000 Euro zu, zuzüglich gesetzlicher Zinsen ab dem Datum der behördlichen Reklamation bis zur vollständigen Zahlung.
Das Gericht bezeichnete die Summe als «umsichtig und vernünftig».
Das Gericht verhängte keine Kosten, weil keine der Forderungen vollständig anerkannt wurde. Die Zahlung trägt der Servicio Canario de la Salud, also der öffentliche Gesundheitsdienst der Kanaren, aus öffentlichen Mitteln.
Wie argumentierte der Gesundheitsdienst?
Der SCS hatte sich gegen die Klage gewehrt. Er beantragte die Abweisung, weil die Klage verjährt sei und kein Kausalzusammenhang zwischen dem Handeln der Ärzte und den geltend gemachten Schäden bestehe.
Ein Bericht des Inspektionsdienstes des SCS verteidigte die Entlassung als korrekt. Die behandelnde Kardiologin gab an, die Patientin sei stabil gewesen, sie habe Kalium oral verordnet und ein stark erniedrigter Wert erfordere keine stationäre Aufnahme, sondern ambulante Behandlung.
Das Gericht folgte dieser Darstellung nicht. Die in der Verhandlung erhobenen Beweise deuteten in eine andere Richtung, wie Canarias7 berichtet.
Was bedeutet das Urteil für Einwohner und Besucher?
Das Urteil ändert nach den vorliegenden Angaben keine allgemeinen Regeln, Preise, Fristen oder Zugangsbedingungen für Einwohner, Ausländer oder Besucher der Kanaren. Es betrifft einen konkreten Haftungsfall des SCS.
Eine neue landesweite Gesundheitsregelung oder ein verpflichtendes Verfahren wurde nicht genannt. Wer auf Gran Canaria medizinische Leistungen des SCS in Anspruch nimmt, hat weiterhin dieselben Rechte und Pflichten wie zuvor.
Für Patienten mit auffälligen Laborwerten kann das Urteil jedoch als Orientierung dienen. Es zeigt, dass Gerichte eine Entlassung trotz stark erniedrigtem Kaliumwert als fehlerhaft einstufen können.
Wie geht es jetzt weiter?
Gegen das Urteil kann Berufung beim Tribunal Superior de Justicia de Canarias (TSJC), dem Obersten Gericht der Kanaren, eingelegt werden. Ob der SCS diesen Schritt geht, ist laut Canarias7 nicht bekannt.
Offen bleibt auch, wann die Zahlung erfolgt und wie hoch die gesetzlichen Zinsen letztlich ausfallen.
Das Gericht erkannte an, dass Ehemann und Kinder als direkt Geschädigte legitimiert waren, den erlittenen moralischen Schaden einzufordern.