Wasser ist auf den Kanarischen Inseln ein kostbares Gut, und der Tourismussektor steht besonders in der Verantwortung. Auf Teneriffa geht der Hotelverband Ashotel jetzt einen entscheidenden Schritt: Mit dem Pilotprojekt „Agua en Positivo“ wird der Wasserverbrauch in teilnehmenden Hotels erstmals lückenlos und in Echtzeit durchleuchtet. Das Ziel ist klar: Jeden Tropfen verstehen, Verschwendung aufspüren und ein Modell schaffen, das später auf die ganze Branche übertragbar ist.
Die Initiative ist Teil von Ashotels umfassender Nachhaltigkeitsstrategie „Huella Positiva“. Darin ist das intelligente Wassermanagement ein zentraler Baustein. Bisher wusste man in vielen Häusern zwar ungefähr, wie viel Wasser insgesamt verbraucht wird – aber nicht, wo genau es bleibt. Dieses Rätsel soll die neue Technologie nun lösen.
So funktioniert die smarte Wasserüberwachung
Das Herzstück des Projekts ist eine Kombination aus Hardware vor Ort und einer leistungsstarken digitalen Plattform. In den Hotels werden spezielle Sensoren und vernetzte Wasserzähler installiert. Diese kleinen, unauffälligen Geräte messen kontinuierlich den Durchfluss und senden die Daten in Echtzeit an die zentrale Analyseplattform.
Bei dieser Plattform handelt es sich um „Live Water Footprint“, eine Entwicklung der Technologiepartner ACCIONA und Agrow Analytics. Sie sammelt nicht nur die Verbrauchsdaten, sondern berechnet daraus auch den sogenannten Wasserfußabdruck jedes einzelnen Hauses. So wird auf einen Blick sichtbar, wie viel Wasser in welchem Bereich verbraucht wird – und ob dieser Verbrauch im Verhältnis zur Auslastung und den angebotenen Services angemessen ist.
Jeder Winkel wird unter die Lupe genommen
Das Besondere an „Agua en Positivo“ ist der ganzheitliche Ansatz. Die Analyse beschränkt sich nicht auf einen einzelnen Bereich, sondern deckt das gesamte Hotel ab. Das System erfasst detailliert, wie, wo und mit welcher Intensität Wasser genutzt wird: in den Gästezimmern und Badezimmern, in der Wäscherei, in den Küchen, bei der Bewässerung der Gärten, in den Schwimmbädern und in allen weiteren Gemeinschaftsbereichen und Betriebsabläufen.
Diese granulare Betrachtung ist der Schlüssel. Denn nur wenn man weiß, dass beispielsweise die Bewässerungsanlage nachts unnötig läuft oder in einem bestimmten Zimmertrakt ein defekter Spülkasten unbemerkt vor sich hin läuft, kann man gezielt eingreifen. Die Technologie macht aus einem blinden Fleck eine glasklare Landkarte des Verbrauchs.
Von der Diagnose zur maßgeschneiderten Lösung
Das Projekt läuft in drei klar definierten Phasen ab. In der ersten Phase geht es um eine gründliche Systemanalyse. Die Experten schauen sich an, wie die „Wasser-Inputs und -Outputs“ in jedem einzelnen Betrieb aussehen. Wo kommt das Wasser her? Wo fließt es hin? Dieser initiale Check-up schafft die Basis für alles Weitere.
In der zweiten Phase folgt dann die eigentliche Installation der Sensoren und Zähler sowie die Anbindung an die Live Water Footprint Plattform. Ab diesem Moment fließen die Echtzeitdaten. Die Hotelbetreiber können auf einem Dashboard live mitverfolgen, was in ihrem Haus passiert. Die dritte und vielleicht wichtigste Phase ist die Entwicklung einer maßgeschneiderten Roadmap. Auf Basis der gesammelten Daten erarbeitet das Projektteam für jedes Hotel einen konkreten Verbesserungsplan mit Optimierungsmaßnahmen und einer Abschätzung der möglichen Einsparungen.
Ein Modell mit großen Ambitionen für die Zukunft
Ashotel versteht sich bei diesem Projekt nicht nur als Initiator, sondern als aktiver Koordinator zwischen den Hotels und den Technologiepartnern. Der Verband organisiert die technischen Besuche, treibt die Datenerhebung voran und sorgt dafür, dass ein gemeinsames Modell entsteht. Dieses Modell soll kein exklusives Experiment bleiben, sondern später auf den gesamten Beherbergungssektor der Insel und vielleicht darüber hinaus ausgeweitet werden.
Die Ambitionen sind dabei nicht aus der Luft gegriffen. In seiner übergreifenden Strategie hat Ashotel klare sektorale Ziele formuliert: eine Reduktion des Wasserverbrauchs um 10 Prozent bis zum Jahr 2025 und um 20 Prozent bis 2030. Das Pilotprojekt „Agua en Positivo“ ist das Werkzeug, um diesen Weg konkret zu beschreiten und die Basis für messbare Erfolge zu legen. Auch wenn das Projekt selbst noch keine konkreten Einsparungen in Kubikmetern beziffert, ist die Richtung eindeutig: Es geht um einen grundlegenden Wandel hin zu einem effizienten und bewussten Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser.
Häufige Fragen
- Was genau ist das Projekt „Agua en Positivo“?
- Es ist ein Pilotprojekt des Hotelverbands Ashotel, das mit Sensoren und einer digitalen Plattform den Wasserverbrauch in Teneriffas Hotels in Echtzeit überwacht, um Einsparpotenziale zu finden.
- Welche Technologie kommt dabei zum Einsatz?
- In den Hotels werden vernetzte Wasserzähler und Sensoren installiert. Die Daten werden von der Plattform „Live Water Footprint“ analysiert, die von ACCIONA und Agrow Analytics entwickelt wurde.
- Welche Bereiche eines Hotels werden überwacht?
- Das System erfasst den Verbrauch in Zimmern, Wäschereien, Küchen, Gärten, Schwimmbädern, Gemeinschaftsbereichen und anderen betrieblichen Abläufen.
- Wer leitet und koordiniert das Projekt?
- Die Leitung liegt bei Ashotel. Der Verband koordiniert die Zusammenarbeit zwischen den teilnehmenden Hotels und den Technologiepartnern ACCIONA und Agrow Analytics.
- Welche konkreten Sparziele verfolgt Ashotel?
- In seiner Nachhaltigkeitsstrategie strebt Ashotel eine Reduktion des Wasserverbrauchs der Branche um 10 Prozent bis 2025 und um 20 Prozent bis 2030 an.
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Stand der Informationen: August 2026. Dieser Artikel basiert auf den öffentlich zugänglichen Projektinformationen von Ashotel und der Berichterstattung von Canarias Ahora.
