Es ist ein Wort, das Eltern aufhorchen lässt: Asbest. An rund 30 Bildungszentren auf den Kanaren ist das Material noch verbaut, meist in Dachplatten, Fallrohren oder Leitungen. Das hat die Bildungsverwaltung dieser Tage im Regionalparlament bestätigt. Die gute Nachricht vorweg: Es sind deutlich weniger als die rund 60 Schulen, die 2021 noch betroffen waren — und die Behörden haben einen Zeitplan. Die weniger gute: Ausgerechnet jetzt, wo das Tempo anziehen müsste, fehlt den Inseln ein Ort, an dem sie das Gift überhaupt entsorgen können.

Wie gefährlich ist Asbest in einer Schule?

Diese Frage zuerst, denn sie entscheidet über alles Weitere. Die fachliche Antwort ist eindeutig und beruhigend zugleich: Asbest ist nicht gefährlich, solange er unangetastet bleibt. Das Risiko entsteht erst, wenn das Material manipuliert, beschädigt oder gebrochen wird — dann lösen sich mikroskopisch kleine Fasern, die eingeatmet schwere Atemwegserkrankungen und Krebs auslösen können, darunter das gefürchtete Mesotheliom. Solange die Platten also intakt und unberührt verbaut sind, geht von ihnen keine akute Gefahr für Schülerinnen und Schüler aus.

Genau darauf verweisen auch die Verantwortlichen. Iván González, Generaldirektor für Bildungsinfrastruktur, betont, in keiner der betroffenen Schulen bestehe «eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen» — und bei jedem Risiko werde «sofort gehandelt». Asbest war in Spanien bis zum Verbot zum 1. Januar 2002 ein gängiger Baustoff; betroffen sind vor allem Gebäude aus den 1970er- bis 1990er-Jahren.

Wo das Problem konzentriert ist

Nicht alle Inseln sind gleich betroffen. Das Gros der Fälle liegt in der Provinz Santa Cruz de Tenerife, weil dort die ältesten Schulgebäude des Archipels stehen. Auf Fuerteventura und Lanzarote gibt es laut Verwaltung derzeit keine einzige betroffene Schule — schlicht, weil dort neuer gebaut wurde. Für die Provinz Las Palmas sowie La Gomera und El Hierro will die Regierung das Problem in dieser Legislaturperiode «praktisch auf null» bringen. Der Schwerpunkt bleibt damit Teneriffa.

Von den 30 Schulen wird laut González bereits an zwölf gearbeitet (Maßnahmen 2025 und 2026), 18 stehen noch aus. Komplett asbestfrei sollen die kanarischen Schulen bis 2027 sein. Das Budget dafür wurde dieses Jahr auf 2 Millionen Euro verdoppelt.

Das zweite Problem: Wohin mit dem Gift?

Hier wird es kompliziert — und das betrifft längst nicht nur Schulen. Bisher verschiffte man asbesthaltigen Müll von den Kanaren auf eine Deponie in Andalusien. Doch Andalusien hat dichtgemacht: Gestützt auf das spanische Abfallgesetz von 2022, das jeder Region erlaubt, Sondermüll aus anderen Gebieten abzulehnen, nimmt es keinen fremden Asbest mehr an. Katalonien handhabt es ähnlich. Das Ziel des Gesetzes ist, zu verhindern, dass eine einzelne Region zur Endstation für den Asbest aus ganz Europa wird.

Das Problem: Die Kanaren verfügen über keine eigene zugelassene Asbest-Deponie. Und der Müllberg wächst rasant — die Menge an entferntem Asbest hat sich in nur zwei Jahren vervierfacht, von rund 1.000 Tonnen (2022) auf über 4.100 Tonnen (2024). Grund ist die Frist im selben Gesetz: Bis Ende 2028 muss Asbest aus den riskantesten öffentlichen Gebäuden verschwunden sein, was die Abrissarbeiten überall beschleunigt.

Aktuell behilft man sich mit Zwischenlagerung: Sechs Monate sind erlaubt, plus sechs weitere — macht etwa ein Jahr Puffer. Danach droht ein Stau, der weit über Schulen hinausreicht: Auch bei Klempner- und Photovoltaik-Arbeiten kann Asbest auftauchen. Der Wirtschaftsverband der Metall- und Technologiebetriebe warnt bereits, ohne Lösung drohe eine Blockade für das Bau- und Sanierungsgewerbe; mehr als 1.000 Mitgliedsbetriebe könnten ihre gesetzlichen Pflichten nicht mehr erfüllen.

Die Lösung, an der es hakt

Die Regionalregierung arbeitet nach eigenen Angaben seit rund zwei Jahren an einem Ausweg: eigene Deponien auf Teneriffa und Gran Canaria. Eine Idee ist, die «tausenden Hohlräume» zu nutzen, die durch den Abbau von Gestein entstanden sind. Ángel Montañés, Generaldirektor für Umweltqualität, wirbt um Gelassenheit: Asbest werde versiegelt und «inertisiert» gelagert, sende keine Strahlung aus und sei einmal korrekt eingeschlossen «kein Problem für Menschen oder Umwelt». Doch der Plan stockt: Der Cabildo von Gran Canaria hat ein erstes Projekt bereits abgelehnt. Damit bleibt den Inseln nur etwa ein Jahr, um eine tragfähige Lösung zu finden.

💡 Für Eltern: Was du wissen solltest Akute Panik ist nicht angebracht. Solange Asbest unbeschädigt verbaut ist, besteht keine unmittelbare Gefahr, und die Behörden sind verpflichtet, bei Schäden sofort einzugreifen. Wer wissen will, ob die eigene Schule betroffen ist, wendet sich an die Schulleitung oder die Bildungsverwaltung. Eine vollständige öffentliche Liste der betroffenen Schulen wurde bislang nicht veröffentlicht — was Kritiker bemängeln.

Was das für Familien bedeutet

Für Eltern lautet die wichtigste Botschaft: Akute Panik ist nicht angebracht. Solange Asbest unbeschädigt verbaut ist, besteht keine unmittelbare Gefahr, und die Behörden sind verpflichtet, bei Schäden sofort einzugreifen. Die eigentliche Bewährungsprobe ist nicht das einzelne Dach, sondern das System dahinter: Die Kanaren müssen ihr Gift loswerden, haben aber noch keinen Ort dafür.

Wie sie diese Klemme lösen, wird darüber entscheiden, ob der Zeitplan bis 2027 für die Schulen — und bis 2028 für alle öffentlichen Gebäude — zu halten ist. Bis dahin gilt für Asbest, was Fachleute seit jeher sagen: Das eigentliche Risiko entsteht nicht beim Stehenlassen, sondern beim unsachgemäßen Entfernen. Genau deshalb ist es so wichtig, dass am Ende nicht das Tempo über die Sorgfalt siegt.

Häufige Fragen

Ist mein Kind in einer betroffenen Schule in Gefahr?
Solange der Asbest unbeschädigt und unberührt verbaut ist, besteht keine akute Gefahr. Risiko entsteht erst, wenn das Material gebrochen oder bearbeitet wird und Fasern frei werden. Die Behörden müssen bei Schäden sofort eingreifen.
Welche Schulen sind betroffen?
Rund 30, vor allem in der Provinz Santa Cruz de Tenerife. Auf Fuerteventura und Lanzarote gibt es laut Verwaltung keine betroffenen Schulen. Eine vollständige öffentliche Liste wurde bislang nicht veröffentlicht.
Bis wann soll der Asbest weg sein?
Die Schulen sollen bis 2027 asbestfrei sein. Für alle öffentlichen Risiko-Gebäude gilt nach dem Abfallgesetz von 2022 die Frist Ende 2028.
Warum ist die Entsorgung gerade ein Problem?
Andalusien, bisher das Ziel für den kanarischen Asbest-Müll, nimmt keinen Fremd-Sondermüll mehr an. Die Kanaren haben keine eigene zugelassene Deponie, und die Müllmenge hat sich seit 2022 vervierfacht. Es bleibt etwa ein Jahr Puffer durch Zwischenlagerung.
Was plant die Regierung?
Eigene Deponien auf Teneriffa und Gran Canaria, etwa in alten Abbau-Gruben. Der Cabildo von Gran Canaria hat ein erstes Projekt aber bereits abgelehnt.

Stand 08.06.2026. Quellen u. a. Bildungsverwaltung der Kanaren (Aussagen von Iván González und Minister Poli Suárez), Generaldirektion Umweltqualität (Ángel Montañés), Diario de Avisos, Canarias7, eldiario.es, RTVC sowie der Wirtschaftsverband CREM/Femete/Femepa. Das Verbot von Asbest im Bau gilt in Spanien seit dem 1. Januar 2002. Angaben können sich mit dem Fortgang der Arbeiten ändern.