Es ist eine Geschichte, die der Logik widerspricht. Die Kanaren beklagen sich seit Jahren über zu wenig Geld von Madrid und der EU. Und dann das: Die Inselregierung muss 22,4 Millionen Euro EU-Fördergeld zurückzahlen, weil sie es nicht ausgeben konnte.
Es geht um Mittel aus dem Next-Generation-Programm der EU — dem grossen Wiederaufbau-Paket nach der Pandemie, das Forschung, Digitalisierung und Innovation ankurbeln soll. Die Consejería für Universitäten, Wissenschaft und Innovation (Migdalia Machín, Coalición Canaria) hatte daraus 73,5 Millionen Euro zugewiesen bekommen. Davon gehen jetzt 22,4 Millionen — 30,5 % — zurück nach Brüssel.
Mit Zinsen zurückgezahlt
Der bittere Teil: 5,8 Millionen Euro wurden bereits 2025 zurücküberwiesen — mit Zinsen. Die kanarischen Steuerzahler zahlen also nicht nur Forschungsgeld zurück, sie zahlen sogar drauf. Weitere 16,6 Millionen sind für 2026 vorgesehen. Schafft es die Verwaltung nicht, bis zum 31. August 2026 alles abzurechnen, wird es noch mehr.
Ans Licht kam die Sache durch eine Anfrage der Abgeordneten Carmen Hernández (Nueva Canarias) im Regionalparlament. Für die Opposition ist es «ein Skandal»: Geld, das die wirtschaftliche Diversifizierung der Inseln vorantreiben sollte — weg von der Monokultur Tourismus —, bleibt ungenutzt.
Nicht nur die Innovations-Consejería
Die 22,4 Millionen sind nur ein Ausschnitt. Den Kanaren wurden insgesamt 1,727 Milliarden Euro Next-Generation-Mittel zugewiesen. Bis Ende 2025 war erst gut die Hälfte ausgegeben, 53,8 Millionen schon zurückgezahlt. Je nach Berechnung drohen am Ende zwischen 378 und 528 Millionen Euro ungenutzt zurückzugehen — 22 bis 30 % der gesamten Zuweisung. Die Finanz-Consejera Matilde Asián (PP) gibt sich optimistischer, räumt aber eine voraussichtliche Ausführungsquote von nur rund 67 % ein.
Warum klappt es nicht?
Die unbequeme Antwort hat nichts mit zu wenig Geld zu tun. Im Gegenteil: Pro Kopf bekamen die Kanaren 802 Euro Innovations-Förderung — mehr als der spanische Schnitt (590 €). Das Problem ist die Umsetzung. Next-Generation-Gelder sind an strenge Bedingungen geknüpft: Ausschreibungen, Fristen, Abrechnungen. Wer die Bürokratie nicht in Gang bekommt, verliert das Geld. Und genau hier hakt es: schwache Verwaltungs-Kapazität und zu wenig forschungsintensive Unternehmen, die grosse Innovationsprojekte stemmen können.
Die politische Dimension
Hier wird es heikel. Die Inselregierung argumentiert seit Jahren, Madrid versorge die Kanaren zu schlecht. Wenn eine Region das behauptet — und gleichzeitig fast ein Drittel des Geldes zurückgibt, das sie schon hat —, gerät die Glaubwürdigkeit ins Wanken. Bezeichnend: Die Kanaren-Regierung bittet Madrid jetzt um eine Fristverlängerung — also genau bei der Zentralregierung, die man sonst kritisiert.
Was es für Residenten bedeutet
Im Alltag keine unmittelbaren Folgen — keine Steuer steigt, keine Leistung wird gestrichen. Aber es ist eine verpasste Chance: Diese Millionen sollten die kanarische Wirtschaft breiter aufstellen, weg vom Tourismus. Das Geld war da. Es ging zurück. Und im Fall der bereits zurückgeführten 5,8 Millionen zahlen die Steuerzahler sogar Zinsen dafür, es nicht genutzt zu haben.
Häufige Fragen
- Worum geht es?
- Die kanarische Innovations-Consejería zahlt 22,4 Mio. € EU-Fördergeld zurück, weil sie es nicht rechtzeitig in Projekte umsetzte — 30,5 % der zugewiesenen 73,5 Mio. €.
- Was sind Next-Generation-Mittel?
- Ein EU-Wiederaufbauprogramm nach der Pandemie (750 Mrd. € für die EU). Ziel: Digitalisierung, Forschung, ökologischer Umbau. Frist: 31. August 2026.
- Stimmt es mit den Zinsen?
- Ja. 5,8 Mio. € wurden bereits 2025 zurücküberwiesen — inklusive Zinsen.
- Wie viel verliert die Kanaren-Regierung insgesamt?
- Von 1,727 Milliarden. € zugewiesen drohen 378–528 Mio. € ungenutzt zurückzugehen, je nachdem, wie viel bis August 2026 noch abgerechnet wird.
- Haben die Kanaren zu wenig bekommen?
- Nein. Pro Kopf erhielten sie mit 802 € mehr als der spanische Schnitt (590 €). Das Problem ist nicht die Höhe, sondern die Unfähigkeit, es auszugeben.
- Was hätte mit dem Geld passieren sollen?
- Forschung, Wissenschaft, Innovation — Projekte, die die kanarische Wirtschaft unabhängiger vom Tourismus machen.
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