Zwei Zahlen, zwei Ranglisten

Die rohe Rate teilt alle Todesfälle eines Jahres durch die Einwohnerzahl. So gerechnet stehen die Kanaren mit 780,8 auf dem viertniedrigsten Platz der 17 autonomen Gemeinschaften; niedriger sind nur Madrid mit 701,0, die Balearen mit 725,0 und Murcia mit 742,5. Zählt man Ceuta und Melilla mit, sind es 19 Territorien, und die Inseln rutschen auf Platz sechs von unten. Altersstandardisiert kehrt sich die Reihenfolge um: Mit 823,2 stehen die Kanaren unter denselben 19 Territorien an vierter Stelle von oben; darüber liegen nur Ceuta mit 909,9, Andalusien mit 840,8 und Extremadura mit 825,3. Die Balearen, roh ähnlich gut dastehend, liegen standardisiert mit 805,3 darunter, Madrid mit 647,5 am niedrigsten.

Was Altersstandardisierung bedeutet

Sterben ist vor allem eine Frage des Alters: Eine Region mit vielen Achtzigjährigen hat mehr Todesfälle je Einwohner als eine mit vielen Dreissigjährigen, ganz gleich, wie gesund beide sind. Die Standardisierung entfernt diesen Effekt: Man nimmt die Sterberate jeder einzelnen Altersgruppe und rechnet aus, wie viele Menschen stürben, wenn alle Regionen denselben Altersaufbau hätten. Es ist der Unterschied zwischen Tankinhalt und Verbrauch auf hundert Kilometern — nur das Zweite vergleicht Autos.

Diese Rate ist unsere eigene Berechnung; das INE veröffentlicht weder sie noch diese Rangfolge. Wir haben direkt auf die Europäische Standardbevölkerung 2013 standardisiert, in 13 gemeinsamen Altersbändern, weil die beiden Tabellen verschiedene Altersgruppen verwenden; Nenner ist die Bevölkerung je Band am 1. Juli 2024. Die absolute Höhe hängt von Standardbevölkerung und Bändern ab — sie ist unsere Zahl, die Rangfolge dagegen robust.

Woher der Überschuss kommt

Zwischen kanarischer und spanischer Rate liegen 54 Punkte je 100.000, und nach Kapiteln der Krankheitsklassifikation verteilen sie sich sehr ungleich. Der grösste Posten sind Atemwegserkrankungen: 118,3 gegen 86,3 je 100.000, ein Plus von 37 Prozent und allein 32 der 54 Punkte. Unter 19 Territorien ist das der zweithöchste Wert, unter den 17 Gemeinschaften der höchste. Es folgen Kreislauferkrankungen mit 206,7 gegen 196,4 (4.377 Fälle) und Tumore mit 222,1 gegen 213,7 (4.863 Fälle) — beide über dem Landeswert, obwohl die Bevölkerung jung ist.

Das Klischee, das die Daten nicht stützen

Die naheliegende Erklärung wäre Diabetes; die Kanaren gelten als Diabetes-Hochburg Spaniens. Für die gemessene Übersterblichkeit taugt sie nicht. Das Kapitel der endokrinen, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten, in dem Diabetes den grössten Teil ausmacht, kommt standardisiert auf 27,0 je 100.000 gegen 26,2 spanienweit — Rang zwölf unter 19 Territorien. Am rohen Anteil aller Sterbefälle liegen die Inseln mit 3,22 Prozent sogar unter dem Landeswert von 3,46 Prozent. Eine Einschränkung: Auf Kapitelebene wird der Tod eines Diabetikers oft einer Kreislaufursache zugeschrieben — die Zahlen sagen also auch etwas über die Praxis der Todesbescheinigung aus.

Was sich als Erklärung hält — und was die Landesregierung tut

Von den geläufigen Risikofaktoren übersteht nur einer die Prüfung. In der Gesundheitsbefragung des INE für 2023, veröffentlicht am 27. Mai 2025, haben die Kanaren mit 20,6 Prozent adipöser Erwachsener den höchsten Wert der 19 Territorien, gegen 15,2 Prozent im Landesmittel. Beim Tabak kippt die Erklärung: 16,1 Prozent der Kanarier ab 15 rauchen täglich, weniger als die 16,6 Prozent im Landesmittel. Beim Rauschtrinken liegen die Inseln mit 4,6 gegen 7,8 Prozent auf dem drittniedrigsten Platz. Dass die Atemwegssterblichkeit die Rauchgewohnheiten vergangener Jahrzehnte abbildet, bleibt möglich, ist aus diesen Daten aber nicht belegbar. Ein weiterer Kandidat ist die Luft: Eine vom IDAEA-CSIC geführte Studie, im Juli 2026 in Nature erschienen, beziffert die Tage mit Saharastaub auf rund 40 Prozent des Jahres — wie viel davon in der Sterblichkeit ankommt, hat keine amtliche Stelle berechnet. Die Consejería de Sanidad legte am 1. Dezember 2025 die Estrategia Autonómica de Promoción de la Salud y el Bienestar en Canarias 2025-2032 vor; sie setzt bei Ernährung, Bewegung und Tabakentwöhnung an, ist aber nicht um die altersstandardisierte Sterblichkeit herum gebaut. Eine ausdrückliche Antwort auf diesen Befund liegt uns nicht vor.