Die Nacht in der Calle Faro
Anwohner meldeten in der Nacht zum Donnerstag, dem 10. September 2026, ein Reptil auf der Straße. „Das Reptil konnte ohne Schäden gerettet werden", heißt es in der Mitteilung der Policía Local, die Europa Press am selben Tag verbreitete. Alles Weitere ist offen: Die Art wurde nicht öffentlich bestimmt, ein Zielort nicht genannt, und ob das Tier entkam oder ausgesetzt wurde, klären die Ermittlungen. Ein möglicher Halter ist nicht identifiziert. Fest steht die Größenordnung — ein Meter Kaiman wiegt mehr als zwei Kilogramm.
Kein Einzelfall — aber nicht alles aus diesem Monat
Diario de Avisos stellte am 12. September 2026 eine Chronik kanarischer Exotenfälle zusammen, die Jahre mischt. Nach ihrem tatsächlichen Datum: Am 26. Februar 2022 beschlagnahmten Guardia Civil und Policía Local in Telde eine private Sammlung, die Canarias7 mit 53 geschützten Exemplaren beziffert — darunter ein Stumpfkrokodil, zwei Cuvier-Glattstirnkaimane, eine Gila-Krustenechse. Am 5. Juli 2025 fanden Kontrolleure im Hafen von Cádiz auf einer Fähre Richtung Kanaren einen Rucksack mit drei Schlangen, einem Skorpion, zwei Spinnen, zwei Waranen und zwei Kurzkopfgleitbeutlern; zwei Festnahmen folgten am 22. Juli in Tenerife (RTVC). Danach: der auf der GC-3 angefahrene Emu (13. Oktober 2025), fünf Servale in Las Palmas (5. November 2025), 19 exotische Tiere in Santa Brígida (1. Juni 2026) und am 1. September 2026 ein Berberhörnchen auf Lanzarote, mitgereist im Hohlraum eines Mietwagens von Fuerteventura.
20.000 Schlangen: Warum auf einer Insel mehr auf dem Spiel steht
Das Berberhörnchen erklärt das Prinzip: Auf Fuerteventura geht die heutige Population auf ein Paar zurück, das 1965 als Haustier freigelassen wurde; heute schätzen die Behörden den Bestand auf bis zu eine Million Tiere. Lanzarote hat noch keine — daher die Aufregung um ein einzelnes Tier im Kotflügel. Der CSIC-Forscher Julien C. Piquet und der Biologe Ramón Gallo sagten dem Magazin Climática (6. Juli 2025), die Inselarten seien in Isolation entstanden und hätten auf eingeführte Fressfeinde keine Antwort.
Der teuerste Beleg ist die Kalifornische Kettennatter: „mehr als 20.000" entnommene Exemplare seit Programmbeginn (Gobierno de Canarias, 11. Mai 2026), Anfang 2021 waren es kumuliert 9.134. Die Folgen dokumentiert die Biodiversitätsdatenbank der Kanaren nach Piquet & López-Darias (2021): In besiedelten Zonen brachen die Bestände der Rieseneidechse Gallotia stehlini um 93,5 bis 99,6 Prozent ein, die des Skinks Chalcides sexlineatus um 82,8, die des Geckos Tarentola boettgeri um 52,1 Prozent. Seit Juli 2026 läuft das EU-Projekt Life Reptiles: 8,2 Millionen Euro bis 2031.
Was erlaubt ist — und was ein Halter tun kann
Die Positivliste, die regeln soll, welche Wildtiere in Spanien Heimtiere sein dürfen, steht in der Ley 7/2023 (Artikel 35 bis 37), ist aber noch nicht in Kraft; der Verordnungsentwurf ging am 17. April 2026 in die Anhörung. Bis dahin gilt Übergangsbestimmung 2: verboten sind giftige Reptilien, alle Reptilien über zwei Kilogramm außer Schildkröten, alle Primaten und Wildsäuger über fünf Kilogramm. Nie auf die Liste kommt nach Artikel 36, was im Katalog invasiver Arten steht (Real Decreto 630/2013), dessen Artikel 7 Besitz, Transport, Handel und Freisetzung untersagt. Wer legal hält, braucht Papiere: Artikel 3 des Real Decreto 7/2018 verlangt CITES-Genehmigung, Bescheinigung oder Rechnung mit Art, Stückzahl, Genehmigungsnummer und Kennzeichnung.
Wer sein Tier nicht mehr versorgen kann, findet den Weg in derselben Bestimmung: Meldung bei der zuständigen Behörde — auf den Kanaren die Consejería für den ökologischen Übergang oder der Cabildo —, die es in einer Auffangstation, einem Zoo oder bei einer Tierschutzeinrichtung unterbringt. Getötet werden darf es deswegen nicht (Artikel 37.3).