Für Menschen harmlos — das Drama ist ein anderes
Zuerst die Entwarnung für alle, die sich vor Schlangen fürchten. Die Kalifornische Kettennatter ist ungiftig und stellt für Menschen keine Gefahr dar.
Sie ist eine mittelgrosse Schlange, im Schnitt rund 90 Zentimeter lang, oft mit auffälligem schwarz-weissem Muster. Das eigentliche Drama spielt sich nicht beim Menschen ab, sondern in der Natur der Insel.
Wie die Schlange nach Gran Canaria kam
Ursprünglich stammt die Art aus dem Süden der USA und dem Norden Mexikos. Auf Gran Canaria gab es in freier Natur nie Schlangen — bis Ende des 20. Jahrhunderts Tiere aus Terrarien ausgesetzt wurden oder entkamen.
Der erste Fund gelang 1998 in Telde. Ab 2007 bestätigte sich, dass sich eine feste Population gebildet hatte; heute ist die Natter in mehreren Kerngebieten von Nord bis Südwest verbreitet.
Auf der Insel fand sie ideale Bedingungen: mildes Klima, reichlich Nahrung, leichte Fortpflanzung — und keine natürlichen Feinde. Ein Weibchen kann pro Gelege viele Eier legen, was die Ausbreitung beschleunigt.
Warum das für die Natur gefährlich ist
Die Hauptopfer sind drei einzigartige Reptilien der Insel. Am stärksten betroffen ist der Gran-Canaria-Rieseneidechs (Gallotia stehlini), dazu kommen die Kanareneidechse „lisa" und ein endemischer Gecko.
Diese Tiere haben sich nie an einen solchen Jäger anpassen müssen und sind entsprechend wehrlos. Fällt eine Schlüsselart wie der Rieseneidechs aus, gerät das ganze Ökosystem der Insel ins Wanken.
Warum die Rekordfänge nicht nur schlechte Nachricht sind
Die hohen Fangzahlen klingen alarmierend, sind aber zweischneidig. Einerseits zeigen sie, dass sich die Population hält und ausbreitet; andererseits sind sie das Ergebnis eines intensiven, gut organisierten Kontrollprogramms. Die meisten Fänge gelingen zwischen Mitte März und Mitte Juli, wenn die Schlangen zur Paarung an die Oberfläche kommen — rund 80 Prozent des Jahres entfallen auf dieses Zeitfenster. Fachleute betonen: Das Programm darf nicht enden, denn ein Aussetzen würde die mühsamen Erfolge zunichtemachen.
Was Sie tun können, wenn Sie eine Schlange sehen
Keine Panik: Die Kettennatter ist ungiftig und flieht in der Regel. Versuchen Sie nicht, das Tier selbst zu fangen oder zu töten, sondern melden Sie den Fund, damit Fachleute es fachgerecht entnehmen können. Meldewege sind der Anruf oder eine WhatsApp-Nachricht an das Projekt (608 098 296), der Notruf 112 oder die App STOPCULEBRAREAL. Wer ein Tier gesehen hat, sollte sich möglichst Ort und Uhrzeit merken; rund die Hälfte aller Fänge gelingt dank solcher Hinweise aus der Bevölkerung.