Stell dir vor, du schlenderst die Promenade von Costa Teguise entlang. Das Meer glitzert, die Sonne brennt auf der Haut. Dein Blick fällt auf eine lange, weiße Mauer, hinter der sich üppiges Grün und die Spitzen von Palmen verbergen. Kein Schild weist auf das hin, was sich dahinter verbirgt. Du stehst vor La Mareta, einem der exklusivsten und geheimnisvollsten Anwesen nicht nur Lanzarotes, sondern ganz Spaniens. Es ist kein Hotel, kein Museum und schon gar kein normales Urlaubsdomizil. Es ist eine offizielle Staatsresidenz, ein Ort, an dem Könige, Präsidenten und Kanzler ihre Freizeit verbringen – abgeschirmt von der Welt.

Für die meisten Menschen auf Lanzarote ist La Mareta ein Mysterium. Man kennt die Außenmauern, vielleicht hat man von den Geschichten gehört, die sich um das Anwesen ranken. Aber kaum jemand hat es je von innen gesehen. Dieser Artikel nimmt dich mit auf eine Entdeckungsreise zu den Geheimnissen von La Mareta. Wir stützen uns dabei ausschließlich auf das, was offiziell bestätigt und dokumentiert ist, und lassen die wilden Spekulationen beiseite. So entsteht ein klares Bild dieses besonderen Ortes, der weit mehr ist als nur eine noble Unterkunft am Meer.

Ein königliches Geschenk: Die Geschichte von La Mareta

Die Geschichte von La Mareta beginnt nicht mit einem spanischen König, sondern mit einem jordanischen. In den späten 1970er Jahren beauftragte König Hussein von Jordanien den berühmtesten Künstler Lanzarotes, César Manrique, mit dem Bau eines privaten Feriendomizils. Der Monarch, der die raue Schönheit der Insel liebte, wollte einen Rückzugsort, der sich harmonisch in die Vulkanlandschaft einfügt. Manrique, der Meister der Integration von Architektur und Natur, schuf ein Meisterwerk der Zurückhaltung: eine weitläufige, niedrige Anlage aus weißen Bungalows, umgeben von Gärten und mit direktem Zugang zum Meer. Es war ein privates Paradies, ein Geschenk des Königs an sich selbst.

Doch die Bestimmung des Anwesens änderte sich grundlegend. Am 22. Juni 1989 machte König Hussein dem spanischen König Juan Carlos I. ein außergewöhnliches Geschenk: Er überließ ihm La Mareta. Es war ein Akt tiefer Freundschaft zwischen den beiden Monarchen. Juan Carlos I. behielt das Anwesen jedoch nicht für sich. Keinen Monat später, am 18. Juli 1989, übergab er es offiziell an das Patrimonio Nacional, die spanische Behörde für staatliches Kulturerbe. Mit diesem Schritt wurde aus einem privaten königlichen Refugium eine offizielle Staatsresidenz im Dienste der Krone und der Regierung. Seitdem dient La Mareta als Bühne für hohe Politik und stille Diplomatie, ein Ort, an dem Staatsgäste wie Helmut Kohl, Gerhard Schröder oder Michail Gorbatschow empfangen wurden und an dem spanische Ministerpräsidenten ihre Ferien verbringen.

Das Design von César Manrique: Mehr als nur ein Haus

Wenn du an Lanzarote denkst, denkst du unweigerlich an César Manrique. Seine Handschrift ist auf der ganzen Insel allgegenwärtig, und La Mareta ist eines seiner bedeutendsten, wenn auch unbekanntesten Werke. Stell dir kein protziges Palastgebäude vor. Manrique entwarf eine Ansammlung von etwa zehn Bungalows, die sich über ein riesiges, rund 30.900 Quadratmeter großes Grundstück verteilen. Das Konzept ist typisch für ihn: weiße, kubische Formen, die sich niedrig und respektvoll in die Umgebung ducken, statt sie zu dominieren. Das Herzstück ist der Hauptbungalow, der über zwei Schlafzimmer, einen privaten Pool und mehrere Terrassen verfügen soll.

Die Anlage ist eine Oase der Ruhe. Dokumentiert sind mindestens zwei, möglicherweise sogar drei Außenpools, die sich zwischen den Pavillons und dem üppigen Grün verstecken. Ein Tennisplatz und ein Basketballplatz bieten sportlichen Ausgleich. Das absolute Highlight aber ist der direkte, private Zugang zum Meer. Eine eigene kleine Bucht oder ein Zugang zum felsigen Ufer erlaubt es den Bewohnern, ein Bad im Atlantik zu nehmen, ohne das Anwesen verlassen zu müssen. All dies ist eingebettet in eine rund 10.000 Quadratmeter große Gartenlandschaft, die mit der vulkanischen Umgebung zu verschmelzen scheint. Es ist diese perfekte Symbiose aus Komfort, Kunst und Natur, die La Mareta so einzigartig macht.

Tipp Auch wenn du La Mareta nicht betreten kannst, lohnt sich ein Spaziergang auf der Küstenpromenade von Costa Teguise, um einen Blick auf die Außenmauern und die wunderschöne Lage des Anwesens zu erhaschen.

Hochsicherheitszone: Warum du La Mareta nicht besuchen kannst

Es ist die wohl häufigste Frage von Besuchern in Costa Teguise: „Kann man La Mareta besichtigen?“ Die klare Antwort lautet: Nein. La Mareta ist keine Touristenattraktion und hat keine regulären Öffnungszeiten. Seine Hauptfunktion ist die einer institutionellen Einrichtung für hochrangige Gäste. Das bedeutet, dass die Tore für die Öffentlichkeit fest verschlossen bleiben. Eine der ganz seltenen Ausnahmen gab es im November 2018, als das Anwesen im Rahmen der 600-Jahr-Feierlichkeiten von Teguise für wenige Stunden und mit vorheriger Anmeldung öffnete. Solche Ereignisse sind jedoch historische Ausnahmen und keine Regel.

Der Grund für diese strikte Abschottung liegt auf der Hand: Sicherheit. Wenn der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hier seinen Urlaub verbringt, wird La Mareta zu einer Hochsicherheitszone. Das Patrimonio Nacional hat erst kürzlich einen Sicherheitsvertrag im Wert von über 266.000 Euro für die Bewachung des Anwesens abgeschlossen. Während der Aufenthalte des Premiers wird das Sicherheitspersonal aus Madrid verstärkt, und es wird berichtet, dass rund 30 Beamte der Guardia Civil zusätzlich abgestellt werden. Selbst vom Meer aus ist das Anwesen geschützt: Die Hafenbehörde von Las Palmas richtet temporäre Sperrzonen für die Schifffahrt vor der Küste von Teguise ein. Für die Anwohner bedeutet dies eine spürbare, wenn auch temporäre, Veränderung ihres Alltags.

Gut zu wissen Jegliche Angebote im Internet, die eine Besichtigung von innen versprechen, sind unseriös – das Betreten des Geländes ist für Unbefugte strikt verboten und wird entsprechend überwacht.

La Mareta heute: Sommerresidenz des Premiers und diplomatische Bühne

In den letzten Jahren ist La Mareta vor allem durch die Sommeraufenthalte von Pedro Sánchez in die Schlagzeilen geraten. Der amtierende Ministerpräsident hat das Anwesen zu seinem bevorzugten offiziellen Feriendomizil erkoren. Regelmäßig reist er mit seiner Familie für mehrere Wochen im Sommer, aber auch über Ostern und Weihnachten an. Seine Ankunft mit einer Maschine der spanischen Luftwaffe am Flughafen César Manrique und die anschließende Fahrt unter Polizeieskorte nach Costa Teguise sind jedes Mal ein mediales Ereignis. Ein Aufenthalt soll sogar einmal 33 Tage gedauert haben, was lokal auch für Kritik sorgte.

Doch La Mareta ist mehr als nur die Urlaubsvilla des Premiers. Seit einer Vereinbarung aus dem Jahr 2015 dient das Anwesen auf ausdrücklichen Wunsch des Königs auch aktiv der Förderung des spanischen Tourismus. In diesem Rahmen werden hier bilaterale Treffen und Veranstaltungen abgehalten, die Spaniens Image als Reiseziel stärken sollen. So verbinden sich in La Mareta auf einzigartige Weise königliche Geschichte, architektonische Schönheit, politische Gegenwart und wirtschaftliche Interessen. Es ist ein stiller, aber mächtiger Ort, ein weißes Juwel hinter Mauern, das seine Geheimnisse nur den Mächtigsten offenbart und für uns andere ein faszinierendes Rätsel bleibt.

Häufige Fragen

Kann ich La Mareta von innen besichtigen?
Nein, La Mareta ist eine offizielle Residenz und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Es gibt keine Touren oder Besuchszeiten. Nur bei extrem seltenen, offiziellen Anlässen kann es Ausnahmen geben.
Wo genau in Costa Teguise liegt La Mareta?
Das Anwesen liegt direkt an der Küste im Gebiet von Las Caletas, an der nordöstlichen Küste Lanzarotes. Man kann die Außenmauern von der angrenzenden öffentlichen Promenade aus sehen.
Wer hat La Mareta entworfen?
Das Anwesen wurde von dem berühmten Lanzarote-Künstler und Architekten César Manrique entworfen. Er schuf es in den späten 1970er Jahren im Auftrag von König Hussein von Jordanien.
Wem gehört La Mareta heute?
La Mareta ist Eigentum des spanischen Staates und wird von der Behörde Patrimonio Nacional verwaltet. Es dient als offizielle Residenz für das Königshaus und die Regierung.
Welche bekannten Gäste waren schon in La Mareta?
Zu den dokumentierten Gästen zählen der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Michail Gorbatschow und Václav Havel. Auch die spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar, José Luis Rodríguez Zapatero und Pedro Sánchez haben hier ihren Urlaub verbracht.

Stand: August 2026. Dieser Artikel basiert auf offiziellen und öffentlich zugänglichen Informationen. Detaillierte Innenbeschreibungen sind nicht offiziell dokumentiert und werden hier nicht wiedergegeben.