Was ändert sich für Urlauber und Residenten?
Nach dem bisherigen Stand ändert sich für Besucher nichts. Weder neue Eintrittspreise noch Sperrungen oder Verhaltensregeln sind bekannt, und eine Mitteilung des Cabildo de Lanzarote (Inselregierung) zur Auszeichnung war bis Freitag nicht auffindbar.
Die IUGS vergibt ein wissenschaftliches Label, keine Eintrittskarte und kein Unesco-Welterbe. Nur der Geopark, in dem der Tunnel liegt, trägt den Namen der Unesco; einen rechtlichen Schutz schafft die IUGS-Liste nach unserer Recherche nicht, eine gesetzliche Quelle dazu fanden wir allerdings nicht.
Wer die Lavaröhre sehen will, besucht die Cueva de los Verdes oder die Jameos del Agua. Beide Anlagen gestalteten laut Geopark César Manrique und Jesús Soto, und beide betreibt die Abteilung Centros de Arte, Cultura y Turismo des Cabildo.
Öffnungszeiten und Preise konnten wir nicht bestätigen. Wer einen Ausflug plant, sollte sie vorab beim Betreiber prüfen.
Der Túnel de la Atlántida selbst liegt unter Wasser und ist nichts für Spaziergänger. Zugangsregeln zum Tauchen fanden wir nicht, deshalb gilt: vor jeder Tauchplanung bei Geopark oder Cabildo nachfragen.
Wo liegt der Tunnel und wie gross ist er?
Der Atlántida-Tunnel liegt im Norden Lanzarotes in der Gemeinde Haría. Er bildet den untergetauchten Teil der Lavaröhre des Vulkans La Corona.
Die Röhre befindet sich im Monumento Natural de La Corona (geschütztes Naturdenkmal). Dazu gehört auch der 600 Meter hohe Kegel des La Corona, wie der Sender RTVC berichtete.
Zum Gesamtsystem zählen drei Teile: die Cueva de los Verdes, die Jameos del Agua und der Túnel de la Atlántida. Jameos sind eingestürzte Deckenstücke, die laut Geopark natürliche Zugänge zur Röhre öffnen.
Bei der Länge weichen die Quellen ab. Die Meldung zur Auszeichnung nennt rund zehn Kilometer für das System, die Seite des Geoparks mehr als 7,6 Kilometer, davon die letzten 1,6 Kilometer unter dem Meeresspiegel.
Für den Atlántida-Abschnitt nennt die Meldung rund zwei Kilometer und bis zu 64 Meter Tiefe. Den Titel «längster bekannter submariner Lavatunnel der Welt» konnten wir nicht unabhängig prüfen.
Der Geopark beschreibt übereinanderliegende Säle und Galerien mit Kuppeln bis zu 20 mal 20 Metern und kleinen Lagunen. Beim Alter nennt er etwa 25.000 Jahre, die Meldung zur Auszeichnung 26.000 bis 21.000 Jahre.
Warum nimmt die IUGS den Tunnel auf?
Die IUGS nahm das System am 6. November 2026 in ihre dritte Auswahl von 100 Stätten auf. Die Übergabe fand in Monchique in Portugal statt.
Vorgeschlagen hat die Stätte Javier Lario Gómez, Professor für Externe Geodynamik an der Fernuniversität UNED. Er koordinierte ein Jahrzehnt Forschung, vor allem zum Unterwasserabschnitt.
Der Tunnel entstand an Land, weil der Meeresspiegel damals rund 120 Meter tiefer lag. Das steigende Meer flutete später nach und nach die unteren Teile.
Karbonate und Sulfate im Inneren halten diese Etappen fest. Datierungen mit Uran/Thorium und Radiokarbon ergeben ein Archiv vom Ende des Pleistozäns bis ins Holozän.
Das Tauchteam des ProyectoSublántida kehrte erstmals seit über drei Jahrzehnten zur Endwand in 64 Metern Tiefe zurück und nahm Proben. Die Ergebnisse stehen in einer Monografie zur Geomorphologie und Sedimentologie des Tunnels und in einer neuen wissenschaftlichen Veröffentlichung.
Was lebt im Tunnel und was hat der Mond damit zu tun?
Die Flutung hat ein anchialines Milieu geschaffen, also unterirdisches Wasser mit Verbindung zum Meer. Die Nominierung führt dort mehr als 37 endemische Arten auf, darunter den bekannten jameíto (Munidopsis polymorpha).
Lavaröhren dienen auch als Vorbild für mögliche Hohlräume auf Mond und Mars. Deshalb war Lanzarote laut der Meldung schon Schauplatz von Forschung und Training mit Bezug zur ESA und zur NASA.
Die jüngere Forschung am System lief über Projekte, die in staatlichen Ausschreibungen gefördert wurden. Dazu kamen eigene Forschungsmittel der UNED und die Zusammenarbeit mit dem Geopark.
Hat der Fund etwas mit Teneriffa zu tun?
Nein, der Atlántida-Tunnel liegt auf Lanzarote und nicht auf Teneriffa. Die Cueva del Viento in Icod de los Vinos ist ein anderes System, das vor etwa 27.000 Jahren an den Lavaflanken des Pico Viejo entstand.
Für eine IUGS-Nominierung einer Röhre auf Teneriffa fanden wir keinen Beleg. Der Teide-Nationalpark steht dagegen bereits auf der Unesco-Welterbeliste.
Was bleibt offen und was folgt?
Die Zeremonie in Monchique und das Datum meldet bisher nur die Mitteilung der UNED. Die offizielle IUGS-Liste, eine Mitteilung des Cabildo und eine des Geoparks fanden wir bis Freitag nicht.
Auch zu Finanzierung, Beschilderung oder Schutzmassnahmen gibt es keine Angaben. Lario sagt nur, die Aufnahme stärke die Bedeutung, das System «weiter zu erforschen, zu erhalten und zu vermitteln».
Schon im Februar 2025 stand der Tunnel laut Cabildo auf der Auswahlliste der IUGS-Kommission für das Erbe. Samuel Martín, Ratsmitglied des Cabildo, sagte damals, die Kommission sei 2016 gegründet worden und habe bis dahin 200 Stätten benannt.
Der Geopark erwartete damals neue Kooperationsprogramme zum Schutz. Ob und wann sie kommen, ist bislang nicht veröffentlicht.