Was ändert sich jetzt für Fluggäste auf Lanzarote?
Wer ab Lanzarote fliegt, muss mit Verspätungen rechnen: Sie häufen sich am Flughafen César Manrique-Lanzarote seit der Nacht des 4. November. Auslöser ist ein Arbeitskonflikt zwischen den Fluglotsen des privaten Betreibers Saerco und ihrer Firmenleitung.
Laut Eurocontrol-Daten haben derzeit nur zwei europäische Flughäfen gravierende Verspätungen: Athen aus lokalen Gründen und Lanzarote. Für Lanzarote zählt Eurocontrol 2.225 Minuten aufgelaufene Verspätung durch Lotsenstreiks, rund 5 Prozent der Verspätungen im europäischen Netz.
Der ADAC rät Reisenden, den Flugstatus zu prüfen und früher am Flughafen zu sein. Den aktuellen Stand liefern die Airline und AENA (spanischer Flughafenbetreiber).
Eine Stellungnahme von Saerco, AENA, ENAIRE oder dem Cabildo (Inselregierung) lag bis Freitag, 6. November, nicht vor. Auch zu betroffenen Flügen, Annullierungen und Verspätungsstunden pro Tag gibt es keine Zahlen, und für die 2.225 Minuten nennt niemand einen Zeitraum.
Warum kommen die Verspätungen erst jetzt?
Der Streik läuft seit dem 17. April 2026 unbefristet, doch Fluggäste merkten lange kaum etwas. Die Gewerkschaften nannten ihn deshalb einen «unsichtbaren Streik», weil Mindestdienste fast alle verfügbaren Lotsen zur Arbeit verpflichteten.
Für Lanzarote setzte das Verkehrsministerium Mindestdienste von 76 Prozent für Inselflüge im Oktober und 73 Prozent im November fest. Bei Festlands- und Auslandsverbindungen von mehr als fünf Stunden sind es 57 Prozent im Oktober und 53 Prozent im November.
Der Winterflugplan ändert das Bild, erklärt Susana Romero, nationale Sprecherin der Lotsengewerkschaft USCA. Im Winter seien öfter zwei Lotsen pro Schicht im Dienst, und einer von ihnen könne sein Streikrecht ausüben.
USCA wirft Saerco eine «missbräuchliche Auslegung der Norm» vor, um den gesamten Betrieb zu schützen. Weil die Gewerkschaften das Streikrecht verletzt sehen, haben sie die Mindestdienst-Verfügungen vor Gericht gebracht, doch das Gericht und einen Verfahrenstermin nennt niemand.
Wer streikt, und was fordern die Lotsen?
USCA (Lotsengewerkschaft) und CCOO haben den Streik beim privaten Betreiber Saerco ausgerufen, der nach Gewerkschaftsangaben neun Türme führt.
Eine Lohnerhöhung verlangen die Gewerkschaften laut Romero nicht. Sie fordern genug Personal in jedem Turm, die Einhaltung der Ruhezeiten, ein Ende überzogener Bereitschaftsabrufe und garantierten Urlaub.
Der Turm von Lanzarote arbeitet laut Streikkomitee mit 14 aktiven Lotsen, technisch nötig wären 22. Romero berichtet zudem von Türmen, in denen ein einziger Lotse acht Stunden Dienst schiebt.
USCA und CCOO verlangen eine umfassende Überprüfung der Privatisierung. Garantiert Saerco keine stabile Besetzung, wollen sie bei der Regierung den Widerruf der Verträge und die Rückgabe der Türme an den staatlichen Betreiber ENAIRE beantragen.
Am 29. September fuhr ein Flugzeug in Lanzarote unerlaubt auf die Piste. USCA führt das auf einen Fehler der Besatzung zurück und sieht keinen Zusammenhang mit dem Streik.
Welche Rechte haben Fluggäste bei einer Annullierung?
Fällt Ihr Flug aus, haben Sie die Wahl zwischen Erstattung und Ersatzbeförderung (Artikel 8 der EU-Verordnung 261/2004), so die Verbraucherverbände FACUA und OCU. Die Airline muss laut FACUA und OCU zudem Mahlzeiten und Getränke stellen, bei Bedarf auch Hotel und Transfer (Artikel 9).
Der ADAC nennt ebenfalls Verpflegung und Unterkunft. OCU sagt, die zusätzliche Entschädigung könne bis zu 600 Euro betragen, je nach Distanz und angebotenem Ersatzflug.
FACUA forderte im April das Verkehrsministerium auf, die Einhaltung der Mindestdienste zu überwachen. Zu Ansprüchen bei blossen Verspätungen ohne Annullierung liegen keine Angaben vor.
Wie ist die Lage im Vergleich zu früher, und wie geht es weiter?
Lanzarote stand schon 2023 bei einem Streik der privatisierten Türme oben auf der Verspätungsliste. Nach damaligen Meldungen war der Flughafen am 27. Juli, am 3. August und am 17. August 2023 der europäische Flughafen mit den längsten Verspätungen.
Der damalige Streik begann mit Montagen vom 30. Januar bis 27. Februar 2023 und wurde monatlich verlängert, rund ein Jahr lang. Die Gewerkschaften forderten 30 Prozent mehr Lohn, Saerco bot nach Angaben vom 21. August 2023 sechs Prozent über drei Jahre.
Damals baten der Cabildo und die Handelskammer Saerco um ein dringendes Gespräch. Der Betreiber Skyway einigte sich mit seinen Lotsen, Saerco akzeptiere dagegen nichts, sagt USCA.
Der Flughafen Lanzarote zählte 2025 laut AENA 8.920.901 Fluggäste, 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Er ist damit der drittgrösste der Kanaren und deckt rund 16,3 Prozent aller kanarischen Fluggäste ab.
Wann der Streik endet, weiss bisher niemand. Auch einen neuen Vermittlungstermin oder einen Gerichtstermin nannte bis Freitag, 6. November, niemand.