Wer aufruft — und wer nicht genannt wird

Für Arrecife ist der Aufrufer eindeutig: CCOO ruft nach La Voz de Lanzarote und Crónicas de Lanzarote vom 9. September 2026 um 11 Uhr vor das Rathaus, für feste Verträge und Dienstpläne, gegen die bolsa de horas, für den Ruhestand mit 60 und die Anerkennung von Berufskrankheiten.

Für Santa Cruz de Tenerife ist er es nicht. Die Meldung von Europa Press vom 12. September 2026 und ihre Übernahmen bei Canarias Ahora, Diario de Avisos und Moncloa nennen weder Gewerkschaft noch Plattform, sondern die Beschäftigten selbst; ein namentlicher Veranstalter war nicht festzustellen, Ort und Uhrzeit bis zum 13. September nicht veröffentlicht. Hinter dem landesweiten Aufruf steht ein Erfolg im Parlament: Nach dem Initiativregister Control Congreso nahm die Comisión de Derechos Sociales y Consumo am 26. Mai 2026 einen Entschließungsantrag der Grupo Parlamentario Republicano an, dessen Endfassung vom 10. Juni 2026 17 Punkte hat. Binden kann er die Regierung nicht. Die Beschäftigten wollen ihn in den Senat und in die angekündigte Pflegereform tragen.

Ein Dienst, den die Gemeinden schulden und Firmen erbringen

Artikel 20 g der Ley 16/2019 führt die häusliche Hilfe als Sachleistung; erbracht wird sie in aller Regel von Unternehmen, die eine Ausschreibung gewonnen haben. Auf den Kanaren laufen zwei Stränge nebeneinander. Die Gemeinden führen ihre eigene Hilfe; zusätzlich schloss die Consejería de Bienestar Social laut Mitteilung des Gobierno de Canarias vom 18. Dezember 2023 einen Rahmenvertrag über sieben Millionen Euro mit den Rathäusern für die spezialisierte Hilfe — Consejera Candelaria Delgado begründete das damit, dass es für viele Menschen mit anerkanntem Grad und fertigem Betreuungsplan keine leistende Stelle gebe. Im Februar 2024 meldete die Regierung 24 von 88 Gemeinden. Den zweiten Strang schreibt sie selbst aus: Am 21. Juli 2025 genehmigte der Consejo de Gobierno 17 Millionen Euro für Fuerteventura, Lanzarote, La Gomera und Teneriffa.

In Santa Cruz de Tenerife zahlte die Stadt nach Atlántico Hoy vom 17. Mai 2026 sechs Millionen Euro an die Firma Atende nach, deren Vertrag seit November 2024 ohne neue Ausschreibung weiterlief. Seit Mitte Mai 2026 gibt es dort laut Diario de Avisos zusätzlich eine Beihilfe von rund 22 Euro je Stunde, höchstens drei Stunden am Tag; die Stadt zählte etwa 1.400 Nutzer, Canarias Ahora am 6. Mai 2026 über 300 Beschäftigte.

Der Tarifvertrag — und die Wege zwischen den Haushalten

Es gilt der I. Tarifvertrag des Sektors häusliche Hilfe der Kanaren (BOC Nr. 2 vom 3. Januar 2023), geschlossen zwischen dem Arbeitgeberverband ASADE und CCOO, UGT und Intersindical Canaria. Er lief bis zum 31. Dezember 2025 und verlängert sich mangels Kündigung stillschweigend. Die Tabelle für 2025 nennt für die Hilfskraft 1.201,52 Euro Grundgehalt im Monat, die unterste Stufe des Vertrags. Teilzeit muss mindestens 25 Wochenstunden umfassen, bei Diensten, die es nach ihrer Eigenart verlangen, mindestens acht; Artikel 30.5.G.1 spricht selbst von einem „hohen Anteil an Teilzeitverträgen".

Beim Streitpunkt des landesweiten Protests weicht der kanarische Text ab: Artikel 30.5.A erklärt ausdrücklich auch „die für Wege zwischen unmittelbar aufeinander erbrachten Diensten aufgewendeten" Stunden zur Arbeitszeit, Artikel 33.J verpflichtet die Firma zu den Fahrtkosten, bei eigenem Fahrzeug zu 0,20 Euro je Kilometer. Auf dem Papier ist die Hauptforderung hier erfüllt; gestritten wird um die Anwendung. Intersindical Canaria zeigte den Vertrag im Oktober 2025 nach einem Bericht des Diario de Avisos gemeinsam mit USO und CCOO bei der Arbeitsinspektion an.

Das andere Ende: 1.447 Dienste, 16.986 Schecks

Von 95.191 Pflegeleistungen auf den Kanaren waren zum 31. August 2026 nach Imserso-Daten 1.447 häusliche Hilfe: 555 im Grad III, 457 im Grad II, 435 im Grad I. Stattdessen wird Geld bewilligt. 29.123 kanarische Leistungen sind prestaciones vinculadas al servicio, ein Zuschuss zum Einkauf eines Dienstes, den die Verwaltung nicht stellt; 16.986 davon sind an die häusliche Hilfe gebunden. Spanienweit ist das Verhältnis umgekehrt: 70.345 solcher Zuschüsse gegen 414.984 tatsächlich erbrachte Dienste.

Wer den Dienst bekommt, bekommt ihn nicht knapp: 30,4 Stunden im Monat im Grad I, 57,2 im Grad II, 81,8 im Grad III, deutlich über den spanischen Mittelwerten von 19,9, 44,0 und 65,7 und in der oberen Hälfte der Spannen aus Anhang II des Real Decreto 1051/2013 in der Fassung des Real Decreto 675/2023. Nicht die Stundenzahl ist das kanarische Problem, sondern die Zahl der erreichten Haushalte — und die 22 Euro je Stunde sind der Preis an die Firma, nicht der Lohn der Frau, die klingelt.