Was bedeutet der Streik für Urlauber und Einwohner auf Gran Canaria?
Das Gesundheitsministerium der Kanaren (Consejería de Sanidad) setzte am Vormittag des 6. November 1.310 Beschäftigte für Mindestdienste ein. Nennenswerte Zwischenfälle meldete es nicht.
Gran Canaria trägt den Streik fast allein: 164 der 231 Streikenden arbeiten dort. Das sind 11,75 Prozent der 1.396 betroffenen Ärzte der Insel, knapp neun von zehn streikten also nicht.
Welche Gesundheitszentren oder Krankenhäuser im Süden der Insel betroffen sind, hat das Ministerium nicht veröffentlicht. Auch Hinweise speziell für Urlauber oder zugezogene Ausländer fand die Recherche nicht.
Wer einen Arzttermin hat, fragt vorab im Centro de Salud (Gesundheitszentrum) oder im Krankenhaus nach. Dort lässt sich klären, ob der Termin stattfindet, denn Absagezahlen für den laufenden Streik liegen nicht vor.
Wie viele Ärzte streiken auf den einzelnen Inseln?
Insgesamt streikten 231 von 4.039 betroffenen Ärzten, das sind 5,72 Prozent, wie das Gesundheitsministerium mitteilt. In der Primärversorgung und in den Krankenhäusern ist die Quote dieselbe.
Aufgerufen waren sogar 7.387 Beschäftigte, doch das Ministerium zählt nur 4.039 als betroffen. Warum es die Gruppe so eng fasst, erklärt es nicht.
Auf Teneriffa streikten 55 von 1.991 betroffenen Ärzten (2,76 Prozent), auf Lanzarote 6 von 228 (2,63 Prozent). Beide Inseln liegen damit weit hinter Gran Canaria.
Auf La Palma waren es 4 von 165 (2,42 Prozent), auf Fuerteventura 2 von 299 (0,67 Prozent). Auf El Hierro und La Gomera legte kein Arzt die Arbeit nieder.
Rechnerisch stammen 164 der 231 Streikenden von Gran Canaria, also 71 Prozent. Der Streik ist damit vor allem ein Phänomen der Insel mit der Hauptstadt Las Palmas de Gran Canaria.
Wie hat sich die Beteiligung seit Streikbeginn entwickelt?
Der unbefristete Streik begann am 16. Oktober 2026. Am 19. Oktober streikten laut Ministerium 363 von 3.888 betroffenen Ärzten (9,34 Prozent), auf Gran Canaria 270 von 1.481 (18,23 Prozent).
Am 23. Oktober waren es 318 von 3.892 (8,17 Prozent), auf Gran Canaria 229 von 1.538 (14,89 Prozent). An diesem Tag versammelten sich Ärzte vor dem Hospital Universitario de Gran Canaria Doctor Negrín in Las Palmas de Gran Canaria.
Am 6. November lagen die Werte bei 5,72 Prozent insgesamt und 11,75 Prozent auf Gran Canaria. Die Beteiligung fiel damit an jedem der drei Vergleichstage.
Die Mindestdienste schwankten leicht: 1.392 Beschäftigte am 19. Oktober, 1.239 am 23. Oktober und 1.310 am 6. November. Alle Zahlen beziehen sich nur auf den Vormittag.
Die Gewerkschaften nennen für diese Tage keine eigenen Zahlen, zumindest fand die Recherche keine. In früheren Streiks lagen ihre Angaben weit über denen des Ministeriums, im März etwa bei rund 53 Prozent gegen rund 13 Prozent.
Worum geht es im Streik und wer verhandelt?
Zum Streik aufgerufen haben am 7. Oktober der Sindicato Médico Canario (CESM Canarias) und der Sindicato de Empleados Médicos de Canarias (SEMCA). Sie sagen, das Gesundheitsministerium habe auf ihre 18 Ziele nicht geantwortet.
Die Ärzte fordern bessere Bezahlung, vor allem für Bereitschaftsdienste (guardias), und Ruhezeit nach diesen Diensten. Hinzu kommen ein eigener Verhandlungsrahmen für leitende Ärzte und Arbeitsbedingungen, die Abwanderungen aus dem öffentlichen System stoppen sollen.
Der kanarische Gesundheitsdienst (Servicio Canario de la Salud, SCS) bietet ein Paket mit 14 Punkten zu Gehalt, Laufbahn und einem um rund 47 Prozent höheren Satz für Bereitschaftsdienste.
Gesundheitsrätin Esther Monzón beziffert die Forderungen auf rund 150 Millionen Euro, das SCS-Angebot auf rund 50 Millionen Euro. Diese Summe könne nicht erhöht werden, sagt sie.
Die Gewerkschaft UGT unterzeichnete Ende September eine Vorvereinbarung (preacuerdo) mit dem Ministerium. CESM und SEMCA lehnten sie ab.
Hängt der Streik mit dem Streit um das Rahmenstatut zusammen?
Der kanarische Streik richtet sich gegen den SCS und ist ein eigener Konflikt. Daneben läuft landesweit der Streit um das Estatuto Marco, das Rahmenstatut für Beschäftigte im öffentlichen Gesundheitswesen.
Die Ärztegewerkschaften lehnen den Entwurf ab und verlangen ein eigenes Ärztestatut und eine Wochenhöchstarbeitszeit von 35 Stunden. Gesundheitsministerin Mónica García sagt, ein eigenes Statut sei nur auf Basis des gemeinsamen möglich.
SEMCA sieht das Ärztestatut in der Zuständigkeit des Ministeriums. Zwölf weitere Ziele fallen demnach in die Verantwortung der Regierung der Kanaren.
Wie geht es nach dem 6. November weiter?
Ob der Streik über den 6. November hinaus weiterläuft und an welchen Tagen, ist nicht bestätigt. Ein Enddatum wurde nicht genannt.
Nach dem 23. Oktober war ein neues Treffen der Parteien geplant, einen Termin nannte die Berichterstattung nicht. Den aktuellen Stand der Gespräche konnte die Recherche nicht klären.
Gewerkschaftschef Eric Álvarez sagte, die Wartelisten «könnten sich durch den Streik verschlechtern». Zahlen zu abgesagten Terminen im laufenden Streik liegen nicht vor.
Im Mai 2027 stehen Regionalwahlen an, die Regierung der Kanaren führt derzeit Fernando Clavijo. Ob das den Verhandlungen Tempo gibt, ist offen.