Was sollen Einwohner und Urlauber im Notfall tun?
Die 112 nimmt Fälle von Gewalt gegen Frauen auf allen Kanarischen Inseln rund um die Uhr an, an jedem Tag des Jahres. Das gilt für Residenten genauso wie für Urlauber, egal ob in der Wohnung, im Hotel oder auf der Strasse.
Auch Dritte sollen im Zweifel die 112 wählen, sagt Ana Padrón Brito, die seit Juli 2026 Direktorin des Instituto Canario de Igualdad ist. Wer nebenan Schreie hört oder eine Frau bedroht sieht, muss also nicht sicher sein, was genau passiert.
Die Nummer 016 ist die staatliche Auskunfts- und Beratungsstelle, rund um die Uhr erreichbar und in 52 Sprachen. Nach einem Hinweis des spanischen Gleichstellungsministeriums taucht sie nicht auf der Telefonrechnung auf; die Polizei erreichen Sie unter 091 (Policía Nacional) und 062 (Guardia Civil).
Neue Regeln, Fristen oder Preise knüpft der ICI an die Zahlen nicht, jedenfalls ist dazu nichts veröffentlicht. Für Urlauber im Süden ändert sich also nichts im Ablauf; die Zahlen zeigen vor allem, wie oft die Nummer gewählt wird.
Wie viele Alarme gingen von Januar bis Oktober ein?
17.372 Alarme zählte der Dienst laut ICI zwischen Januar und Oktober 2026, 11 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2025. Die Vergleichszahl des Vorjahres nannte der ICI in seiner Mitteilung nicht.
10.239 Alarme waren Notfälle, das sind 59 Prozent. In diesen Fällen bestand laut ICI unmittelbare Gefahr, und Polizei, Rettungsdienst oder die Notfallgeräte der Inseln mussten ausrücken.
Der Schnitt von 57 Anrufen pro Tag gilt für die ersten zehn Monate. Im August lag er nach Angaben der Regierung der Kanaren mit 1.955 Alarmen im Monat bei 63 pro Tag.
Wie sah der Oktober aus?
1.886 Alarme gingen im Oktober 2026 ein, 1.107 davon (59 Prozent) als Notfall. Die Notfallgeräte für misshandelte Frauen, kurz DEMA, wurden im selben Monat 201 Mal ausgelöst.
41 Frauen und ihre 18 Kinder fanden laut ICI Zuflucht in Notunterkünften. Sie hatten keine andere Möglichkeit, sich vor dem Täter in Sicherheit zu bringen.
41 Prozent der Anrufe kamen im Oktober von den Betroffenen selbst, 22 Prozent von zufälligen Anrufern. Institutionen meldeten 19 Prozent der Fälle, Familienangehörige 5 Prozent.
Knapp 5 Prozent der Alarme betrafen sexuelle Übergriffe, was den Dienst 41 Mal dazu brachte, die rund um die Uhr geöffneten Krisenzentren einzuschalten. 38 Prozent waren körperliche Gewalt ohne sexuellen Übergriff, 42 Prozent nicht körperliche Gewalt.
Wie haben sich die Zahlen seit 2025 entwickelt?
17.166 Alarme verzeichnete der Dienst von Januar bis 30. November 2025, 8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 2026 ist diese Marke schon nach zehn Monaten übertroffen.
Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Anrufe laut ICI um 13 Prozent auf 9.693, nach 8.568 im Vorjahr. Bis Ende September lag das Plus bei 12 Prozent, und 59 Prozent der Fälle brauchten Polizei oder Gesundheitsdienste.
Candelaria Delgado, Sozialministerin der Kanaren (consejera de Bienestar Social), erklärte im Parlamentsausschuss, mehr Anrufe bedeuteten nicht zwingend mehr Gewalt. Sie spiegelten auch ein grösseres Bewusstsein in der Bevölkerung.
ICI-Direktorin Ana Padrón nennt Gewalt gegen Frauen «ein strukturelles Problem, das nicht aufhört». Sie fordert mehr frühe Erkennung im Gesundheitswesen, in Schulen und in der Arbeitswelt.
Gibt es Zahlen für Teneriffa?
Eine Aufteilung der 112-Alarme nach Inseln hat der ICI nicht veröffentlicht, auch nicht für Teneriffa. Gran Canaria und Teneriffa, die beiden Hauptinseln, verzeichnen nach Medienberichten die meisten Anrufe.
Anzeigen vor Gericht sind ein anderes Mass. Laut dem Beobachtungsstelle des Justizrats CGPJ gab es im zweiten Quartal 2026 auf Teneriffa 1.392 Anzeigen, auf Gran Canaria 1.601; auf den Kanaren insgesamt waren es 2.995 gegenüber 2.841 im Vorjahresquartal (plus 5,4 Prozent).
Gemessen an der Zahl der Frauen lag der Wert der Kanaren im zweiten Quartal 2026 bei 23,7 Opfern je 10.000 Frauen. Das ist der vierthöchste Wert in Spanien, hinter den Balearen mit 29,4; der spanische Schnitt betrug 20.
Was ist offen, und was plant die Regierung?
Die Regierung der Kanaren will Schutzmassnahmen auch ohne förmliche Anzeige ermöglichen und sich besser mit den staatlichen Sicherheitskräften und dem System VioGén abstimmen. Delgado nannte dafür bis Ende September keine Termine.
Gesundheits- und Bildungsprotokolle stehen auf dem Prüfstand. Erzählt ein Kind in der Schule von Geschrei zu Hause, soll das künftig eine Meldung an die 112 und die Staatsanwaltschaft (Fiscalía) auslösen.
Das Team der auf Frauen spezialisierten Fachkräfte im 112 wuchs laut Delgado von 9 auf 17 Personen. Fünf neue Krisenzentren für Opfer sexueller Gewalt kamen 2025 hinzu; sie sind kostenlos und laufen über Abkommen des ICI mit den Cabildos (Inselregierungen).
Am 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Ob dazu neue Zahlen oder Ankündigungen folgen, ist bislang nicht bestätigt.