Was 21,37 Euro messen — und was nicht
Der Wert ist kein Lohn. Die Arbeitskosten je Stunde umfassen alles, was ein Arbeitgeber für eine Arbeitsstunde aufwendet: Bruttolohn samt Zuschlägen und Sachbezügen, Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Abfindungen und Nebenkosten. Geteilt wird durch die tatsächlich geleisteten Stunden. Von den kanarischen 21,37 Euro sind 15,46 Euro Lohnanteil und 5,91 Euro übrige Kosten, spanienweit 19,42 und 6,76 Euro (INE, Tabelle 6062). Auch der Lohnanteil ist brutto. Und es ist nicht der Medianlohn von 20.631,84 Euro, über den wir gestern berichtet haben: Der stammt aus der jährlichen Lohnstrukturerhebung, misst Bruttojahreslöhne je Beschäftigten und gilt für 2024. Hier geht es um eine vierteljährliche Betriebsbefragung und um Arbeitgeberkosten je Stunde im zweiten Quartal 2026.
155,4 Stunden — und 25 davon fallen aus
Vereinbart waren 155,4 Stunden je Beschäftigten und Monat, tatsächlich geleistet 130,4. Die Differenz sind 25,5 ausgefallene Stunden abzüglich 0,5 Überstunden. Kein anderer Landesteil verliert so viele; spanienweit sind es 22,7, auf den Balearen 19,7. Woraus sie bestehen, weist das INE nur landesweit aus: 8,5 Stunden Arbeitsunfähigkeit, 8,2 Feiertage, 3,6 Urlaub (Tabelle 6044). Regional erscheinen die Gründe nicht; der kanarische Überhang lässt sich nicht zuordnen. Der Rekord ist auch keine Teilzeitfrage: Allein unter Vollzeitverträgen führen die Kanaren mit 170,6 Stunden vor Madrid (169,0); spanienweit 168,2. Ein Vorbehalt gilt für jeden Rang: Beide Tabellen haben 18 Zeilen — Spanien und 17 Autonome Gemeinschaften, ohne Ceuta und Melilla. Erfasst sind Industrie, Bau und Dienstleistungen ohne private Haushalte als Arbeitgeber und ohne exterritoriale Organisationen.
Warum die Stunde hier am wenigsten kostet
Die erste Hälfte der Erklärung ist die Branchenstruktur. Nach der Erwerbstätigenerhebung des INE arbeiten im zweiten Quartal 2026 41,9 Prozent der kanarischen Erwerbstätigen in Handel, Verkehr und Gastgewerbe, spanienweit 28,1 Prozent; in der Industrie 4,6 statt 13,6, im Finanzsektor 1,4 statt 2,3 Prozent (eigene Anteilsrechnung; Divisor sind 1.035.500 Erwerbstätige auf den Kanaren, 22.779.000 in Spanien). Die Preisschilder dieser Branchen sind sehr verschieden: Im spanischen Mittel kostete die Stunde im Gastgewerbe 16,85 Euro — der niedrigste Wert aller Wirtschaftsabschnitte —, im Finanzsektor 44,51, in der Energieversorgung 49,60 (Tabelle 6036). Dazu die Betriebsgröße: 1 bis 49 Beschäftigte 21,13 Euro, 200 und mehr 31,62 (Tabelle 6035). Beide Aufgliederungen gibt es nur gesamtspanisch. Bemerkenswert bleibt der lange Monat: Dienstleistungen haben spanienweit mit 148,0 Stunden den kürzesten, die Industrie 165,2 — die kanarische Struktur ließe einen kurzen Monat erwarten.
Das balearische Rätsel
Die Balearen sind der beste Vergleichsfall: ebenfalls ein Archipel, ebenfalls Tourismuswirtschaft, mit 155,2 vereinbarten Stunden praktisch derselbe Arbeitsmonat. Dort kostet die Stunde 24,19 Euro, 13,2 Prozent mehr (eigene Rechnung, Tabelle 6062), und das nicht nur einmal: In allen dreizehn Quartalen seit Mitte 2023 lagen sie vorn. Drei Erklärungen scheiden aus. Die Branchenstruktur ist es nicht — dort arbeiten 42,8 Prozent in Handel, Verkehr und Gastgewerbe und 4,2 Prozent in der Industrie, fast dieselben Anteile. Die Stundenzahl ist es nicht: Die Balearen leisten sechs Stunden mehr (136,4), was ihren Stundenwert drückt. Und nicht die großen Sektoren: Auch innerhalb der Dienstleistungen bleibt der Abstand, 24,36 gegen 21,42 Euro. Übrig bleibt der Lohnanteil, 17,80 gegen 15,46 Euro. Worin er begründet ist — Tarifverträge, Hotelkategorien, Betriebsgrößen —, belegen die Tabellen nicht: Das INE kreuzt die Arbeitskosten nicht nach Gemeinschaft und Wirtschaftsabschnitt, Betriebsgröße oder Vertragsart.
Was dagegen spricht
Die niedrige Kostenbasis ist neben dem Steuerregime REF und der Sonderzone ZEC das wichtigste Wettbewerbsinstrument des Archipels. Sie macht kanarische Betten und Menüs billiger als die balearischen und gehört zu einem Arbeitsmarkt, der im ersten Quartal 2026 die niedrigste Arbeitslosenquote seit 2007 erreichte (INE, Erwerbstätigenerhebung). Ein niedriger Stundensatz ist zudem nur dann ein Nachteil, wenn die Leistung je Stunde nicht ähnlich niedrig ausfällt; dazu sagt die Erhebung nichts. Beide Größen zu verrechnen, verbietet sich: Die Kostenreihe ist nominal, Produktionsreihen sind real, die Differenz wäre keine Produktivität. Der Abstand bewegt sich kaum: Im zweiten Quartal 2025 lagen die Kanaren mit 20,26 Euro bei 81,1 Prozent des spanischen Werts von 24,99 Euro, jetzt bei 81,6 Prozent (eigene Rechnung, Tabelle 6062). Ob daraus ein Trend wird, geben vier Quartale nicht her.