Sieben Jahre lang mehr Sterbefälle als Geburten
Der Ausgangspunkt ist keine Zuwanderungszahl, sondern eine Geburtenzahl. Nach der vorläufigen Schätzung des INE vom 18. Februar 2026 kamen 2025 auf den Kanaren 11.672 Kinder zur Welt, während 18.580 Menschen starben: ein Saldo von minus 6.908. Die Sterbefälle stiegen um 5,9 Prozent, mehr als das Doppelte des spanischen Durchschnitts von 2,5 Prozent. Ein Ausreißer ist das nicht. Das ISTAC meldete am 23. Februar 2026 für 2024 minus 5.846 — das siebte negative Jahr in Folge. Ohne Zuzug würde die kanarische Bevölkerung schrumpfen.
Was die 343 Prozent messen
Die Zahl stammt aus ISTAC-Bevölkerungsdaten, die die Agentur EFE am 7. August 2026 ausgewertet hat. Sie vergleicht zwei Stichjahre: 2000 lebten 77.196 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit auf den Kanaren, 2025 waren es 342.612 — knapp das Viereinhalbfache. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt damit bei 15,17 Prozent, 2021 waren es 13,26 Prozent. Die Gesamtbevölkerung wuchs im selben Vierteljahrhundert nach dem Consejo General de Economistas um 31,6 Prozent.
Die Rangliste: Italien vorn, Deutschland auf Platz vier
Die Rangfolge des ISTAC für 2025 entspricht nicht dem Bild vom britisch-deutschen Archipel. An der Spitze steht Italien mit 55.553 Personen, gefolgt von Kolumbien mit 32.381, Venezuela mit 28.200, Deutschland mit 27.631 und dem Vereinigten Königreich mit 25.740; danach Marokko mit 20.382, Kuba mit 17.499 und China mit 10.656. Aussagekräftiger noch ist die Bewegung seit 2021: Kolumbien plus 98,56 Prozent, während die britische Gruppe um 11,23 Prozent schrumpfte.
Geburtsland und Pass sind zwei verschiedene Zahlen
Zwei Kennziffern messen hier nicht dasselbe, und ihre Verwechslung ist die häufigste Fehlerquelle. Das INE zählt zum 1. Juli 2026 auf den Kanaren 553.265 im Ausland Geborene, 24,3 Prozent; das ISTAC für 2025 342.612 Menschen mit ausländischem Pass, 15,17 Prozent. Hinter der Lücke von gut 200.000 stehen überwiegend Eingebürgerte. Die Stiftung ECCA Social führte das am 2. Dezember 2025 vor: 88.602 Einwohner wurden in Venezuela geboren, aber nur 28.200 haben einen venezolanischen Pass; bei Kolumbien stehen 54.362 Geborenen 32.381 Pässe gegenüber. Der Bericht verweist auf die beschleunigte Einbürgerung von Lateinamerikanern, in Spanien nach zwei Jahren möglich. Nach Geburtsland führen also Venezuela, Kuba und Kolumbien — nach Staatsangehörigkeit Italien.
Ungleich verteilt — und langsamer geworden
Zwischen den Inseln sind die Unterschiede groß. Nach ISTAC-Daten für 2025 führt Fuerteventura mit 31,30 Prozent (40.402 Personen) vor Lanzarote mit 24,58 Prozent (41.020); Teneriffa liegt bei 15,90 Prozent (153.696), Gran Canaria mit 10,26 Prozent (89.813) am Ende. Bemerkenswert: Genau Fuerteventura und Lanzarote hatten 2024 als einzige Inseln einen positiven Geburtensaldo, plus 278 und plus 187, gegenüber minus 2.920 auf Teneriffa und minus 2.848 auf Gran Canaria. Zugleich verlangsamt sich das Wachstum: Im ersten Halbjahr 2026 gewannen die Kanaren laut INE nur 1.460 Einwohner, im zweiten Quartal 0,03 Prozent — der niedrigste Wert aller spanischen Regionen.