Was ändert sich für Urlauber im Sommer 2027?

Von April bis Oktober 2027 sollen 3,5 Prozent weniger Flugsitze auf die Kanaren gehen als im gleichen Zeitraum 2026. Das zeigen vorläufige Schätzungen, die die kanarische Delegation auf der Reisemesse WTM in London vorstellte.

Aus Grossbritannien fehlen 7,7 Prozent oder 332.390 Sitze, aus Deutschland 7,4 Prozent oder 99.121 Sitze. Beide Märkte liegen damit deutlich über dem Durchschnitt von 3,5 Prozent.

Eine Preisangabe hat bis Donnerstag, 5. November 2026, niemand veröffentlicht. Weniger Sitze können höhere Tarife und weniger Auswahl bedeuten, belegt ist das aber nicht.

Welche Fluggesellschaften, Strecken und Inseln betroffen sind, nennt der Bericht nicht. Wer im Süden von Teneriffa oder Gran Canaria bucht, kann daraus also nicht ablesen, ob die eigene Verbindung wegfällt.

Jessica de León, Consejera de Turismo y Empleo (Tourismus- und Beschäftigungsministerin) der Kanarenregierung, mahnt zur Vorsicht, weil die Planung offen ist. Die Flugprogramme seien «möglichen Änderungen unterworfen», sagte sie, und wer für 2027 bucht, prüft den Flugplan der Airline daher kurz vor der Reise erneut.

Warum kürzen die Airlines, wenn die Briten weiter kommen?

Von Januar bis September 2026 kamen 4,7 Millionen britische Touristen auf die Kanaren, 1,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, so die Mitteilung zur Messe. Briten stellen damit 36 Prozent aller Besucher.

Die Kürzungen folgen laut Jessica de León einer unternehmerischen Taktik und keinem schwindenden Interesse an den Inseln. Die Airlines hielten eine «vorsichtige Haltung» bei Kosten und internationaler Unsicherheit ein.

Höhere Treibstoff- und Betriebskosten zwingen die Gesellschaften laut Bericht, Strecken zu überdenken. Sie bündeln ihre Kapazität auf Verbindungen mit der besten Rendite.

Britische Familien buchen oft spät, was die Planung der Airlines unsicher macht und sie zu einem knapperen Angebot treibt. Die Kaufkraft der Haushalte sinkt, doch die Reisebereitschaft bleibt laut dem Bericht solide.

Was hat Ryanair mit den Kürzungen zu tun?

Ryanair strich für den Winter 2025/26 rund 400.000 Sitze auf den Kanaren, etwa 10 Prozent seiner Kapazität dort, und stellte Teneriffa Nord ein. Die Airline begründet das mit überhöhten Gebühren des Flughafenbetreibers AENA.

Am 8. Oktober 2026 kündigte Ryanair an, im Winter 2026/27 die Berlin-Strecken nach Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote zu streichen. In Deutschland entfallen 700.000 Sitze, in Berlin die Hälfte der Kapazität.

Die WTM-Schätzungen für 2027 nennen keine einzelne Airline. Ob Ryanair zu den Kürzungen beiträgt, ist daher nicht belegt.

Die Flughafengebühren für 2027 bis 2031 legt der spanische Ministerrat im Regelwerk DORA III fest. AENA wollte 3,82 Prozent mehr pro Jahr, die Wettbewerbsbehörde CNMC schlug minus 0,59 Prozent vor.

Berichten zufolge beschloss der Ministerrat inzwischen 0,33 Prozent mehr pro Jahr und 1.807 Millionen Euro für die kanarischen Flughäfen. Diese Angabe ist nicht gegen das BOE (spanisches Staatsamtsblatt) geprüft.

Wie wichtig sind britische Gäste für die Inseln?

Sieben von zehn Briten, die nach Spanien reisen, wählen die Kanaren, zeigen Promotur-Daten vom Oktober 2025. 80 Prozent von ihnen sind Wiederholungsgäste, 26 Prozent waren schon mindestens zehnmal da.

Ein Brite gibt laut Promotur im Schnitt 1.472 Euro pro Reise aus, rund 191 Euro pro Tag bei etwa acht Tagen Aufenthalt. Zusammen ergibt das etwa 8 Milliarden Euro.

Für den Sommer 2026 meldete Turismo de Islas Canarias 4,34 Millionen britische Sitze, 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Rückgang für 2027 kehrt diesen Trend damit um.

Von Januar bis Juni 2026 kamen laut der Frontur-Statistik 7,80 Millionen ausländische Touristen auf die Kanaren, nach 7,84 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Minus von 0,6 Prozent.

Was ist offen und wann gibt es mehr Klarheit?

Die WTM läuft vom 3. bis 5. November 2026 im ExCeL London, und die kanarische Delegation sprach dort mit TUI, Jet2 und dem britischen Reisebüroverband ABTA. Als erklärtes Ziel nennen die Kanaren, den britischen Markt zu binden, mit Schwerpunkt auf Winterverbindungen.

Offen bleibt, woher die 7,7 Prozent stammen, denn der Bericht nennt weder Promotur noch AENA noch einen Datenanbieter. Ebenso unklar ist, ob Airlines Kürzungen zurücknehmen, wenn die Buchungen stark bleiben.

José Juan Lorenzo, Geschäftsführer von Turismo de Islas Canarias, warnte vor Zielen ausserhalb der EU mit niedrigeren Kostenstrukturen. Diese könnten den Wettbewerb verschärfen, weil die Kanaren bei den Tarifen kaum mithalten könnten.

Jessica de León beschreibt den Sommer 2027 als Zeitraum hoher Anforderungen. Termine für die Flugpläne der Airlines oder für die endgültigen Frontur-Daten des ISTAC (kanarisches Statistikamt) zum Rest von 2026 sind bislang nicht bekannt.