Der Haken: Diese Zahl zählt nur Wohnungen, die auf digitalen Buchungsplattformen registriert/sichtbar sind
Die andere Zahl: Die INE-Statistik (Stand November 2025) zeigt nur −3 % (von 51.286 auf 49.676)
Der Hintergrund: neues kanarisches Ferienwohnungsgesetz und seit 1. Juli 2025 ein nationales Pflicht-Register
Plätze: laut ISTAC rund 157.000 Gästebetten — etwa 21 % weniger als die knapp 200.000 im Vorjahr
Quellen: ISTAC, INE, eldiario.es/Canarias Ahora, Canarias7
Beginnen wir mit dem, was stimmt: Die ISTAC-Zahl ist echt. Das Kanarische Statistikinstitut zählte im Mai 2026 noch 38.337 Ferienwohnungen — ein Fünftel weniger als die 47.648 ein Jahr zuvor. Auch die Bettenzahl sank, von knapp 200.000 auf rund 157.000. Das ist ein ordentlicher Rückgang. Die Frage ist nur: ein Rückgang von was genau?
Das Kleingedruckte: „auf Plattformen registriert"
Der Titel der ISTAC-Statistik trägt einen Zusatz, der in den Schlagzeilen gern verschwindet: Es geht um Ferienwohnungen, die auf digitalen Buchungsplattformen registriert und sichtbar sind. Das ist nicht dasselbe wie „alle Ferienwohnungen, die es gibt". Und genau hier wird es interessant — denn eine zweite amtliche Quelle, das nationale Statistikinstitut INE, zählt anders und kommt für denselben Markt auf einen Rückgang von nur rund 3 Prozent.
Zwei Behörden, zwei Zahlen, ein Thema — und beide haben recht. Sie messen nur Verschiedenes: Die eine zählt sichtbare Online-Inserate zu einem Stichtag, die andere die offiziell erfassten Objekte über einen anderen Zeitraum. Wer nur die grössere Prozentzahl in die Überschrift hebt, erzählt eine dramatischere Geschichte, als die Daten hergeben.
Warum so viele Inserate verschwanden
Der Hauptgrund für den Plattform-Schwund ist kein Massenexodus von Vermietern, sondern eine Bereinigung. Seit dem 1. Juli 2025 gilt in Spanien ein verpflichtendes Register für Kurzzeitvermietungen; parallel hat das kanarische Ferienwohnungsgesetz die Regeln verschärft. Die Folge: Inserate, die nie aktiv waren, doppelt geführt wurden oder die neuen Anforderungen nicht erfüllen, fielen automatisch heraus. Ein grosser Teil des „Minus 20 Prozent" ist also weggeräumter Karteileichen-Ballast — nicht zwangsläufig Wohnraum, der zurück auf den Wohnungsmarkt fliesst.
Das neue kanarische Gesetz setzt zudem klare Grenzen: In der Regel müssen 90 Prozent der Wohnungen einer Gemeinde dem Wohnen vorbehalten bleiben, nur 10 Prozent dürfen touristisch genutzt werden (auf den „grünen Inseln" El Hierro, La Gomera und La Palma 20 Prozent). Neubauten dürfen erst nach zehn Jahren vermietet werden, Genehmigungen gelten höchstens fünf Jahre, und in als angespannt erklärten Wohnmärkten gibt es keine neuen Zulassungen mehr.
Was es für die Wohnungssuche bedeutet
Hier ist Nüchternheit gefragt. Dass Inserate aus einem Portal verschwinden, heisst nicht automatisch, dass eine Familie eine bezahlbare Wohnung mehr findet. Manche der herausgefallenen Objekte standen ohnehin leer oder existierten nur auf dem Papier. Gleichzeitig bleibt die Wohnungskrise real: Sozialverbände zählen für 2025 über 1.400 Zwangsräumungen auf den Inseln, und das Wohnungsministerium spricht von mehr als 14.000 mutmasslich illegalen Ferienwohnungen, die es zu prüfen gelte. Ob die neue Regulierung am Ende spürbar Wohnraum freisetzt, lässt sich aus einer einzigen Plattform-Statistik nicht ablesen — dafür braucht es mehrere Erhebungen über mehrere Jahre.
Häufige Fragen
- Sind jetzt wirklich 20 Prozent der Ferienwohnungen weg?
- 20 Prozent weniger sind auf digitalen Buchungsplattformen registriert (ISTAC, Mai 2026). Die amtliche INE-Zählung zeigt nur −3 %. Beide Zahlen stimmen, messen aber Verschiedenes.
- Warum sind so viele Inserate verschwunden?
- Vor allem wegen des neuen Pflicht-Registers (seit 1. Juli 2025) und des verschärften kanarischen Gesetzes: inaktive, doppelte oder nicht regelkonforme Inserate fielen heraus.
- Bekomme ich dadurch leichter eine bezahlbare Wohnung?
- Nicht unbedingt. Viele herausgefallene Objekte standen leer oder existierten nur auf dem Papier. Ob real Wohnraum frei wird, zeigt sich erst über längere Zeit.
- Was sagt das neue Ferienwohnungsgesetz?
- Grundsätzlich 90 % Wohnnutzung, 10 % touristisch pro Gemeinde (grüne Inseln 20 %); Neubauten erst nach 10 Jahren, Genehmigungen max. 5 Jahre, keine neuen Zulassungen in angespannten Wohnmärkten.
- Wie viele Ferienwohnungen gibt es noch?
- Je nach Statistik rund 38.000 (auf Plattformen sichtbar) bis knapp 50.000 (amtlich erfasst). Die Wahrheit liegt in der Mitte und hängt von der Zählweise ab.
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Stand 19.06.2026. Quellen u. a. ISTAC (Estadística Experimental de Vivienda Vacacional), INE sowie eldiario.es / Canarias Ahora und Canarias7. Die genannten Rückgangszahlen stammen aus unterschiedlichen Erhebungen (auf Plattformen registrierte Inserate vs. amtlich erfasste Objekte) und sind nicht direkt vergleichbar. Cita.news gibt die Datenlage wieder und trifft keine abschliessende Bewertung der wohnungspolitischen Wirkung.