Ein Rückgang, aber nicht der erste

idealista setzt die durchschnittliche Angebotsmiete auf den Kanaren im August 2026 auf 15,4 Euro je Quadratmeter und Monat an, nach 15,5 Euro im Juli. Das sind 0,8 Prozent weniger — der erste Rückgang seit Januar 2026, als der Index um 0,3 Prozent nachgab. Dazwischen lagen sechs Monate mit steigenden Werten, von Februar bis Juli. Der Juliwert von 15,5 Euro ist zugleich der höchste Stand, den diese Reihe je ausgewiesen hat.

Wer daraus eine kanarische Trendwende liest, überzieht. Im selben Monat fiel der spanische Gesamtwert von 15,3 auf 15,1 Euro, also um 0,9 Prozent — stärker als auf den Kanaren. Der August ist der Monat, in dem Sommervermietungen auslaufen und Inserate umgeschlagen werden. Im Jahresvergleich steht der kanarische Index weiter bei plus 5,3 Prozent, der spanische bei plus 5,8 nach plus 6,8 Prozent im Juli. Es verlangsamt sich, es sinkt nicht.

Was 15,40 Euro für 70 Quadratmeter heißen

Für eine Wohnung mit 70 Quadratmetern ergibt der kanarische Durchschnittswert eine Angebotsmiete von rund 1.078 Euro im Monat. Im Juli waren es nach demselben Index etwa 1.085 Euro, ein Jahr zuvor rund 1.024 Euro. Der Monatsrückgang ist damit ein Effekt von sieben Euro, der Jahresanstieg einer von rund 54 Euro im Monat oder gut 640 Euro im Jahr. Für die Haushaltsrechnung zählt die zweite Zahl.

Die Aufteilung nach Provinzen verdeckt mehr, als sie zeigt: 15,3 Euro in Las Palmas und 15,4 Euro in Santa Cruz de Tenerife trennen bei 70 Quadratmetern sieben Euro im Monat. Innerhalb der Provinzen sind die Unterschiede um ein Vielfaches größer. Eine am 9. September 2026 veröffentlichte Auswertung von eldiario.es Canarias Ahora, die den Kaufpreis am Medianeinkommen misst, kommt für Adeje auf 24,57 Jahreseinkommen, für Telde dagegen auf 10,46. Ein Archipelmittelwert ist eine Orientierung, keine Ortsangabe.

Angebotspreis gegen Kaufpreis — der Kern der Sache

Die beiden Zahlen widersprechen sich nicht, weil sie unterschiedliche Dinge zählen. idealista misst Angebotspreise: die Forderungen aus den Inseraten, die in einem bestimmten Monat auf dem Portal stehen. Diese Reihe wird jeden Monat neu berechnet und reagiert binnen Wochen darauf, welche Wohnungen gerade angeboten werden. Ändert sich der Mix — mehr Randlagen, weniger Sommerangebote —, bewegt sich der Durchschnitt, ohne dass eine einzige bestehende Miete gesunken wäre.

Der Häuserpreisindex des INE misst Kaufpreise aus notariellen Verträgen, quartalsweise und mit Verzögerung. Was im zweiten Quartal 2026 verbrieft wurde, war Wochen oder Monate zuvor verhandelt und oft noch früher finanziert. Ein solcher Index kann gar nicht innerhalb eines Monats drehen. Dazu kommt ein Bruch in der Reihe selbst: Das INE führte in diesem Jahr die neue Basis 2025 ein, abgestimmt auf die europäischen harmonisierten Indizes, was Vergleiche über den Basiswechsel hinweg beeinträchtigt. Die Mietreihe von idealista ist davon nicht berührt — die beiden Kurven wurden also nicht einmal nach denselben Regeln fortgeschrieben.

Die Miete hängt am Lohn, der Kaufpreis am Kredit

Der zweite Grund ist ökonomisch. Eine Miete wird jeden Monat aus laufendem Einkommen bezahlt, und zwar aus dem Einkommen von Menschen, die auf den Inseln arbeiten. Diese Obergrenze ist erreichbar, und offenbar wird sie erreicht: Nach der genannten Auswertung erfüllen 26 der 30 größten kanarischen Gemeinden das EU-Kriterium für einen angespannten Wohnungsmarkt — Kaufpreise von mindestens acht Jahreseinkommen —, formell erklärt ist bislang keine.

Ein Kaufpreis wird dagegen aus Kredit und Kapital bezahlt, und dieses Kapital muss nicht von den Inseln kommen. Die spanischen Grundbuchregister (Registradores) weisen für das zweite Quartal 2026 aus, dass Ausländer 15,98 Prozent aller Wohnungskäufe in Spanien tätigten, ein Höchstwert; zugleich fiel die Zahl der Kaufverträge landesweit um 5,7 Prozent auf 167.934, den niedrigsten Stand seit sieben Quartalen. Steigende Preise bei sinkender Stückzahl beschreiben einen Markt, in dem weniger, aber zahlungsfähigere Käufer den Preis setzen. Im spanischen Durchschnitt gilt das nach INE-Daten für den Gebrauchtmarkt deutlich stärker (plus 12,9 Prozent) als für den Neubau (plus 7,4 Prozent, der niedrigste Wert seit dem ersten Quartal 2023). Auf den Kanaren ist es umgekehrt: Neubau plus 11,9 Prozent, Bestand plus 11,0 Prozent.

Was Mieter bei der Verlängerung erwarten können

Für laufende Verträge ist nicht der Portalindex maßgeblich, sondern das Mietrecht. Für Wohnungsmietverträge, die nach dem 26. Mai 2023 geschlossen wurden, erfolgt die jährliche Anpassung über den vom INE veröffentlichten Referenzindex IRAV. Dessen zuletzt veröffentlichter Wert für Juli 2026 beträgt 2,49 Prozent. Auf eine Miete von 1.078 Euro angewandt wären das rund 27 Euro mehr — gegenüber den etwa 54 Euro, um die sich der Angebotsdurchschnitt im Jahr verteuert hat. Ein sitzender Mieter bewegt sich also auf einer erkennbar flacheren Linie als jemand, der jetzt neu sucht.

Drei Einschränkungen gehören dazu. Verträge von vor dem 26. Mai 2023 folgen weiter der ursprünglich vereinbarten Klausel, in der Regel dem Verbraucherpreisindex. Die Anpassung tritt nicht automatisch ein: Sie muss vom Vermieter angekündigt werden, üblicherweise mit 30 Tagen Vorlauf, und wirkt erst im Folgemonat. Und für einen neuen Vertrag gibt es auf den Kanaren keine Preisgrenze, weil keine Gemeinde als angespannter Wohnungsmarkt erklärt ist — dort gilt der Marktpreis.