Der kanarische Wert steigt, der spanische fällt

Fotocasa beziffert den Durchschnittspreis für ein Zimmer auf den Kanaren im Juli 2026 auf 468 Euro im Monat, nach 432 Euro ein Jahr zuvor — plus 8,5 Prozent. Bemerkenswert ist weniger der Anstieg als seine Richtung: Im selben Index fiel der spanische Durchschnitt von 510 auf 505 Euro, also um 1,1 Prozent.

Im Niveau bleiben die Kanaren unter dem spanischen Mittel. In der Regionaltabelle von Fotocasa für Juli 2026 liegen Katalonien mit 611 Euro, Madrid mit 605 und das Baskenland mit 574 Euro darüber, Extremadura mit 260 Euro am unteren Ende. Die Kanaren sind also nicht die Region, in der ein Zimmer am meisten kostet — sondern die, in der es sich verteuert, während es anderswo billiger wird.

Warum es den Zimmermarkt überhaupt gibt

Der Zimmermarkt ist kein eigener Sektor, sondern der Rest, den der Wohnungsmarkt übrig lässt. Fotocasa setzt die Miete für eine 80-Quadratmeter-Wohnung auf den Kanaren im Juli 2026 bei 16,09 Euro je Quadratmeter an, also rund 1.287 Euro im Monat, 7,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Dem stehen nach der Arbeitskostenerhebung des INE für das erste Quartal 2026 durchschnittliche Bruttolohnkosten von 1.952,5 Euro je Beschäftigten auf den Kanaren gegenüber. Die Durchschnittswohnung beansprucht damit rund zwei Drittel dieses Bruttobetrags — vor Steuern und Sozialabgaben, netto also spürbar mehr.

In der Gemeindetabelle von Fotocasa für Juli 2026 führt Puerto de la Cruz mit 1.326 Euro für 80 Quadratmeter, vor Las Palmas de Gran Canaria mit 1.260, Candelaria mit 1.249, Agüimes mit 1.218, Santa Cruz de Tenerife mit 1.156 und San Cristóbal de La Laguna mit 1.042 Euro. Selbst am unteren Ende — Los Realejos mit 970, Icod de los Vinos mit 944 Euro — bleibt eine ganze Wohnung für einen Durchschnittsverdiener allein außer Reichweite: knapp die Hälfte des Bruttolohns.

Ein Zimmer für 468 Euro entspricht dagegen etwa 24 Prozent dieser Bruttolohnkosten. Das ist der Grund, warum es diesen Markt gibt: nicht eine bevorzugte Wohnform, sondern die Differenz zwischen zwei Zahlen.

Die zwei Hauptstädte laufen auseinander

idealista beziffert für das zweite Quartal 2026 das Zimmer in Santa Cruz de Tenerife auf 430 Euro und in Las Palmas de Gran Canaria auf 407 Euro. Die teurere Stadt hat zugleich das knappere Angebot: Nach denselben Daten fiel die Zahl der angebotenen Zimmer in Santa Cruz um 16 Prozent, während sie in Las Palmas um 6 Prozent zulegte. Spanienweit meldet idealista für dasselbe Quartal plus 12 Prozent beim Angebot und plus 12 Prozent bei der Nachfrage, gemessen an den Interessenten je Zimmer, bei einem Durchschnittspreis von 425 Euro. Ein wachsendes Zimmerangebot ist also kein kanarisches Phänomen — und auf Teneriffa findet es nicht statt.

Wer diese Zimmer nimmt, lässt sich aus den Preisreihen nicht ablesen; idealista veröffentlicht dazu kein soziodemografisches Profil. Belegt ist nur die Bewegung selbst: RTVC berichtete am 24. August 2026, dass immer mehr Kanarier eine Wohngemeinschaft in Erwägung ziehen.

Tourismus, Saisonkräfte und die unbezifferte Ferienwohnung

Die Nachfrage trifft auf einen Arbeitsmarkt, der viele Stellen schafft, aber überwiegend keine hoch bezahlten. Nach Angaben von La Provincia hielt der kanarische Tourismus zwischen Oktober 2025 und März 2026 im Mittel 236.072 Beschäftigte; das Statistikamt ISTAC zählte im Juli 2026 allein in den befragten Beherbergungsbetrieben 76.719 Beschäftigte. Gleichzeitig bleiben Stellen unbesetzt: Branchenberichte nennen Kellner, Köche, Küchenhilfen sowie Reinigungs- und Empfangspersonal als die Berufe mit den längsten offenen Vakanzen und führen die Wohnkosten in den Tourismusgemeinden als einen der Gründe an. Ein statistischer Nachweis, welcher Anteil auf die Miete entfällt, liegt nicht vor.

Auch der zweite viel diskutierte Zusammenhang — Ferienvermietung gegen Wohnraum — lässt sich mit den verfügbaren Daten nicht beziffern. Das kanarische Gesetz 6/2025 gilt seit dem 13. Dezember 2025 und wurde am 15. August 2026 novelliert; es deckelt den touristisch genutzten Wohnungsanteil auf 10 Prozent je Gemeinde, auf El Hierro, La Gomera und La Palma auf 20 Prozent. Wie viele Wohnungen dadurch in den Wohnungsmarkt zurückkehren, ist bislang nicht veröffentlicht.

Vier Indizes, vier Zahlen — und keine davon ist die Miete

Wer nach dem Mietpreis auf den Kanaren sucht, findet Werte, die sich nicht ineinander überführen lassen. idealista nennt für August 2026 15,4 Euro je Quadratmeter und Monat, 5,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Fotocasa nennt für das zweite Quartal 2026 16,22 Euro je Quadratmeter — für 80 Quadratmeter 1.297,60 Euro — bei einem Quartalsplus von 2,1 Prozent. idealista nennt für Juli 2026 13,29 Euro, 0,41 Prozent weniger als im Juni. Fotocasa nennt für Juli 2026 16,09 Euro, also 1.287 Euro für 80 Quadratmeter.

Das sind unterschiedliche Reihen, keine widersprüchlichen Messungen desselben Werts: andere Stichproben, andere Zeiträume, andere Flächengewichtung. Sie lassen sich nebeneinander lesen, aber nicht mitteln. Gemeinsam ist ihnen eine Einschränkung, die für das Zimmer ebenso gilt wie für die Wohnung: Alle beruhen auf Angebotspreisen aus Inseraten, nicht auf unterschriebenen Verträgen.