Wurde das Rubinkehlchen auf Teneriffa gesehen?
Nein, der Vogel zeigte sich nicht auf Teneriffa, sondern an der Ría de San Martín in Suances an der Nordküste Kantabriens. Für die Kanaren fand die Recherche keinen Nachweis dieser Art.
Wer im Süden Teneriffas Urlaub macht oder auf den Inseln wohnt, muss nichts beachten. Zum Vogel gibt es keine Regeln, Preise, Sperrungen oder Fristen, und weder Cabildo noch Gobierno de Canarias haben etwas dazu veröffentlicht.
Wer den Vogel sehen will, müsste nach Suances reisen. Dort ziehen die Rarität und die Bilder in den sozialen Netzwerken bereits zahlreiche Vogelbeobachter an.
Was ist ein Rubinkehlchen und warum ist der Fund besonders?
In Spanien war das Rubinkehlchen bis zu diesem Mittwoch nie beobachtet worden, Ornithologen sprechen von einem historischen Fund. Die Art (Calliope calliope, auf Spanisch ruiseñor calíope) ist ein kleiner, insektenfressender Vogel aus Asien.
Der Vogel ist etwas grösser als ein Rotkehlchen. Er brütet in den Nadelwäldern Sibiriens und verbringt den Winter in Indien und Indonesien.
In Suances sitzt ein Männchen, erkennbar an der roten Kehle. Ein zweiter Bericht beschreibt den Vogel allerdings als Jungvogel mit braunem Gefieder.
Die Universitätsbibliothek Malta zählt in Europa 18 Nachweise zwischen 1826 und 1995, ohne Russland. Die meisten gab es auf den Britischen Inseln und in den nordischen Ländern, neuere Gesamtzahlen für Europa oder Spanien fand die Recherche nicht.
Wer hat den Vogel entdeckt, und was geschieht an der Ría?
Als Entdecker des Vogels gelten Orlando Parrilla und Abel Ojugas, Ojugas fotografierte ihn. Er ist Präsident der Asociación Proyecto Ría San Martín, die das Gebiet erforscht und seinen Schutz verlangt.
Schon am 24. Juli 2025 meldete Ojugas an derselben Ría einen Playero aliblanco (Tringa inornata), einen Watvogel nordamerikanischer Herkunft. Auch dieser Fund wurde als Erstnachweis für Spanien beschrieben.
Beide Funde stützen aus Sicht von Ojugas die Forderung nach einem Schutzstatus für das Gebiet. Berichten zufolge ist die Ría die einzige kantabrische Ría ohne jeden Umweltschutz.
Normalerweise bleibe der Vogel einige Tage und ziehe dann weiter, erklärten Beobachter. Ein Verbleib über den ganzen Winter sei aber nicht ausgeschlossen.
Warum ist der Vogel so weit vom Kurs abgekommen?
«Dieses Exemplar ist von seinen üblichen Routen sehr weit abgekommen», sagen Fachleute in Suances. Solche Fälle seien aber bei allen Arten üblich.
Zugvögel, die sich so weit verirren, heissen Irrgäste. Ein zweiter Bericht nennt neben einem fehlgeleiteten Zug auch eine mögliche Flucht aus der Gefangenschaft, weil die Art als Käfigvogel gehandelt wird.
Welche Erklärung zutrifft, ist offen. Einen Beleg nennen die Quellen dafür nicht.
Gab es ähnliche Funde schon auf den Kanaren?
Im Oktober 2024 fand sich in Adeje auf Teneriffa, in 299 Metern Höhe, ein Vogel der Art Vireo flavifrons. Der Biologe Jaime A. de Urioste Rodríguez bestimmte ihn, die Meldung ging am 16. Oktober 2024 an die Fundación Neotrópico.
Der Bericht nannte den Fund einen Erstnachweis für die Kanaren, soweit Aufzeichnungen reichen, und das Ayuntamiento de Adeje (Gemeindeverwaltung) schlug Alarm. Als mögliche Ursache nannte er den Hurrikan Leslie, von einer offiziellen Anerkennung war darin keine Rede.
418 Arten führt das Buch «Todas las aves de Canarias» (Editorial Zech, 288 Seiten) von Beneharo und Airam Rodríguez auf. Bis Dezember 2025 gelten sie als verlässlich nachgewiesen, darunter 9 endemische Arten und rund 40 endemische Unterarten.
Schon 2019 beschrieben Fachleute die Ankunft afrikanischer und sibirischer Irrgäste auf den Kanaren als «langsam, aber stetig» zunehmend. Eine Zahl der Irrgäste nennt die Besprechung nicht.
Uca Díaz zählte 2017 insgesamt 37 starke Calima-Episoden (Saharastaub), gegenüber vier oder fünf in früheren Jahren. Andere Ornithologen sahen zu wenig Daten, um den Klimawandel verantwortlich zu machen, neuere Trenddaten für 2024 bis 2026 fand die Recherche nicht.
Was folgt als Nächstes?
Der Comité de Rarezas der SEO (Spanische Ornithologische Gesellschaft) muss den Fund noch bestätigen. Das Gremium besteht seit dem 7. Juli 1984, einen Beschluss oder Zeitplan hat es bis Freitag, 6. November 2026, nicht veröffentlicht.
Offen ist auch der Schutz der Ría de San Martín: Laut Berichten läuft seit 2017 der Antrag auf Einstufung als ANEI (Gebiet von besonderem Naturinteresse). 2023 ging er in die öffentliche Anhörung, 2025 warf Ecologistas en Acción der Regionalregierung vor, die Akte liegen zu lassen.
Für die Kanaren gibt es bislang nichts zu tun, weder für Urlauber noch für Residenten. Sollte ein Nachweis auf einer der sieben Inseln auftauchen, wäre er Sache der Fachgremien.