Wie stark sinkt das Mietangebot auf den Kanaren?
Auf den Kanaren sind 15 Prozent weniger Mietinserate aktiv, meldet das Portal idealista für die Zeit vom 25. September bis 25. Oktober 2026. Die Schlagzeile mit 19 Prozent beschreibt dagegen ganz Spanien.
Landesweit verschwanden laut idealista 26.531 Anzeigen in 30 Tagen. Das Portal zählte dauerhafte und saisonale Vermietungen zusammen.
In der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife schrumpfte das Angebot laut idealista um 10 Prozent, in der Provinz um 14 Prozent. Für die Provinz Las Palmas und ihre Hauptstadt enthält der Bericht keine Zahlen.
Die Balearen blieben laut idealista bei 0 Prozent, die Kanaren liegen unter dem spanischen Schnitt. Madrid und Kantabrien verloren je 26 Prozent, Andalusien 16 Prozent, die Comunidad Valenciana 17 Prozent.
Für einzelne Orte wie die Küstenorte im Süden nennt der Bericht keine Zahlen. Wer dort sucht, kann die 15 Prozent nur als groben Hinweis lesen.
Was haben die Wohnungsdekrete damit zu tun?
Zwei Dekrete zum Wohnungsmarkt, die die Regierung am 29. September 2026 beschloss, sind gefallen. Der Kongress bestätigte sie am 2. Oktober nicht.
Am 6. Oktober 2026 beschloss die Regierung zwei neue Dekrete. Eines davon gilt laut idealista als RDL 29/2026 seit dem 7. Oktober, die Nummer des zweiten ist nicht bestätigt.
Laut Zusammenfassungen sollen auslaufende Mietverträge automatisch weiterlaufen, dazu kommen Regeln zu Zeitmietverträgen, Steuerabzügen und 10.000 Millionen Euro für Kredite. Den Volltext haben wir nicht geprüft.
Idealista datiert den Rückgang auf die Zeit der Dekrete, belegt aber nicht, dass sie die Ursache sind. Weder eine Behörde noch ein Sprecher des Portals kommt zu Wort.
Die Partei PP macht das staatliche Wohnungsgesetz für den Rückgang auf den Inseln verantwortlich, so der Sender RTVC. Das ist eine politische Behauptung, keine gemessene Grösse.
Warum ist die Zahl mit Vorsicht zu lesen?
Idealista erklärte am 1. Oktober auf X, die Methodik messe die Angebotsentwicklung nicht über sehr kurze Zeiträume. Der Observatorio del Alquiler zählte in ganz Spanien 4.290 Mietwohnungen weniger zwischen dem 28. und 30. September.
Alles den Massnahmen zuschreiben konnte er nicht, denn manche Eigentümer verschöben Vertragsabschlüsse, heisst es dort. Das Angebot kann also zurückkehren, ohne dass die Wohnungen je vom Markt waren.
Deutlich kleiner fallen die Rückgänge bei anderen Portalen aus: pisos.com misst bei Langzeitmieten minus 2,3 Prozent, Fotocasa minus 5,9 Prozent, wie am 18. Oktober berichtet wurde. Keines der Portale sehe einen Massenausstieg, die Bremse sei vorübergehend.
Idealista selbst nennt die Veröffentlichung eine Ausnahme «aus gesellschaftlichem und medialem Interesse». Die Quartalszahlen für das vierte Quartal, die Anfang 2027 erscheinen, sollen die Daten bestätigen.
Beim Zeitraum widerspricht sich der idealista-Text selbst. Im Lead steht Oktober 2026, die Methodik nennt den 25. September bis 25. Oktober.
Was bedeutet das für Mieter und Zuzügler?
Wer mieten will, bekommt es nach Einschätzung der Quellen mit mehr Konkurrenz und tendenziell steigenden Preisen zu tun, wenn weniger Inserate online sind. Für die Kanaren gibt es dafür keinen Beleg.
Die Mieten auf den Kanaren stiegen 2025 laut idealista um 8,2 Prozent auf einen Rekord von 15,30 Euro pro Quadratmeter und Monat. Als Hauptproblem nennt das Portal das knappe Angebot.
Rund 20 Prozent der Mietsuchenden auf den Kanaren sind laut idealista (Stand August 2025) Ausländer. Die grösste Gruppe stellen Deutsche.
Ob Mietverträge automatisch weiterlaufen, entscheidet die Abstimmung über die neuen Dekrete. Eine Ausnahme- oder Antragsregel für Mieter auf den Kanaren haben wir nicht gefunden, Ratschläge von Behörden liegen ebenfalls nicht vor.
Wer einen auslaufenden Vertrag hat, sollte das Ergebnis der Abstimmung abwarten. Bei Zweifeln hilft eine Rechtsberatung oder die Rückfrage beim Vermieter.
Wie geht es mit den Dekreten weiter?
Über die Dekrete stimmt nicht das Plenum ab, sondern die Diputación Permanente, der ständige Ausschuss des Kongresses. Der Grund: Die Cortes (spanisches Parlament) sind aufgelöst, Neuwahlen sind für den 29. November 2026 angesetzt.
Einen festen Termin nennt idealista nicht, nur Mitte November oder die erste Novemberhälfte. Genannt wird auch der 12. November 2026, ein Ergebnis lag bis zum 6. November nicht vor.
Das Verlängerungsdekret träte am 15. November in Kraft, aber nur nach Bestätigung. Zur Haltung der baskischen Partei PNV widersprechen sich die Berichte, das ist ungeklärt.
Es gibt eine Parallele: Der Kongress bestätigte das RDL 8/2026 vom 20. März nicht. Damit fielen die zweijährige Sonderverlängerung und die Deckelung der Mieterhöhung auf 2 Prozent.