Es ist ein Verdacht, den jeder Autofahrer im Bauch schon kennt — nur hat ihn jetzt eine Regierung in Zahlen gegossen. Anfang Jahr, kurz nachdem im Nahen Osten der Krieg ausbrach und die wichtige Strasse von Hormus dichtmachte, schoss der Rohölpreis nach oben. So weit, so nachvollziehbar. Stutzig macht die Regionalregierung etwas anderes: dass die Preise an verschiedenen Tankstellen verschiedener Anbieter fast gleichzeitig und fast gleich stark stiegen. „Al unísono", wie es auf Spanisch heisst — wie aus einem Mund.
Rauf wie eine Rakete, runter wie eine Feder
Hinter dem Verdacht steckt ein Phänomen, das Fachleute mit einem schönen Bild beschreiben: den „Raketen-und-Feder-Effekt". Geht der Rohölpreis hoch, ist die Erhöhung in 48 bis 72 Stunden an der Zapfsäule — zack, wie eine Rakete. Geht der Rohölpreis wieder runter, dauert es plötzlich 10 bis 13 Tage, bis die Senkung ankommt — und dann oft nur zum Teil. Rauf schnell, runter langsam. Genau diese Asymmetrie hat die Behörde in ihren Berichten dokumentiert, nachdem sie 499 Tankstellen analysiert hatte.
Für dich als Kunde heisst das in der Praxis: Du zahlst die schlechte Nachricht aus der Welt sofort, profitierst von der guten aber erst mit grosser Verspätung. Über ein Jahr gerechnet summiert sich diese Schieflage zu einem spürbaren Betrag — gerade auf Inseln, wo das Auto für viele alternativlos ist.
Warum vier Marken den Unterschied machen
Damit Preise wie von selbst im Gleichschritt laufen können, braucht es nicht unbedingt eine Verschwörung im Hinterzimmer — es reicht oft schon ein Markt mit wenigen grossen Akteuren. Und genau das beschreibt der Bericht als zweite „Auffälligkeit": Auf den Kanaren kontrollieren vier Marken rund 76,7 Prozent aller Tankstellen. Unabhängige Anbieter, die mit echten Kampfpreisen für Bewegung sorgen könnten, sind die Ausnahme.
In einem so konzentrierten Markt schaut jeder auf den anderen — und wenn alle ungefähr gleich teuer sind, hat keiner einen Grund, als Erster billiger zu werden. Ob das auf den Kanaren mit rechten Dingen zugeht oder ob hier Grenzen überschritten wurden, soll die Inspektion klären.
Was jetzt passiert
Konkret bedeutet die Inspektion: Die 78 ausgewählten Tankstellen müssen formell Unterlagen vorlegen — wie genau sich ihre Preise zwischen dem 1. Januar und dem 25. Mai gebildet haben und ob die Rechte der Verbraucher gewahrt wurden. Vizepräsident Manuel Domínguez sprach von einer „klaren Sorge um die Auswirkungen auf die Bürger" und davon, dass man „mit Strenge analysieren" wolle, ob hier ein normales Marktverhalten vorliege oder eine Anomalie.
Sollte sich der Verdacht erhärten, ist eine dritte Stufe möglich: die Weiterleitung an die Wettbewerbsbehörde (Competencia) und Bussgelder. Bis dahin gilt: Es ist eine Prüfung, kein Urteil.
Häufige Fragen
- Was genau wird untersucht?
- Warum die Spritpreise an Tankstellen verschiedener Anbieter nach Kriegsbeginn im Nahen Osten fast zeitgleich stiegen — und ob die Preisbildung den Verbraucherrechten und dem Wettbewerbsrecht entsprach.
- Wie viele Tankstellen sind betroffen?
- 78, ausgewählt aus 499 zuvor analysierten Stationen im gesamten Archipel.
- Was ist der „Raketen-und-Feder-Effekt"?
- Preise steigen sehr schnell (48–72 Stunden), wenn das Rohöl teurer wird, sinken aber nur langsam (10–13 Tage) und oft nur teilweise, wenn es billiger wird.
- Ist damit eine Preisabsprache bewiesen?
- Nein. Es ist eine Vorprüfung. Der Gleichschritt ist auffällig, kann aber auch legitime Marktgründe haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
- Was kann am Ende herauskommen?
- Wenn sich Unregelmässigkeiten zeigen, kann der Fall an die Wettbewerbsbehörde gehen, und es drohen Bussgelder.
- Wie finde ich die günstigste Tankstelle?
- Über das offizielle Portal geoportalgasolineras.es des spanischen Energieministeriums, das tagesaktuelle Preise aller Stationen zeigt.
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Stand 17.06.2026. Quellen u. a. Canarias7, Diario de Avisos, eldiario.es / Canarias Ahora und Canal 11 La Palma; Angaben des Vizepräsidenten Manuel Domínguez. Es handelt sich um eine behördliche Inspektion und Vorprüfung; ein Verstoss ist nicht festgestellt, es gilt die Unschuldsvermutung. Kraftstoffpreise ändern sich täglich.