Was bedeutet der Generalstreik am 11. November für Urlauber?
Für Mittwoch, den 11. November 2026, haben CCOO und UGT einen Generalstreik ausgerufen. Die Gewerkschaften protestieren gegen hohe Wohnkosten und zu niedrige Löhne.
Auf den Kanaren führen Vanesa Frahija (CCOO) und Manuel Navarro (UGT) den Aufruf an. Ihre Anmeldung sollte am 23. Oktober bei der Dirección General de Trabajo (Arbeitsbehörde) in Santa Cruz de Tenerife eingehen.
Welche Mindestdienste gelten, ist nicht veröffentlicht, auch nicht für Guaguas (Linienbusse) oder Hotels im Süden Teneriffas. Die Gewerkschaften hoffen, dass keine missbräuchlich hohen Mindestdienste angeordnet werden.
Wer am 11. November fliegt, Bus fährt oder einen Termin hat, fragt vorab bei Airline, Busbetreiber oder Hotel nach. Ob und wie stark der Streik den Alltag im Süden trifft, steht bis Donnerstag nicht fest.
Was sagt Unai Sordo zu Löhnen und Gewinnen?
«Die Löhne wachsen weniger als die Preise», sagte Unai Sordo, Generalsekretär der Gewerkschaft CCOO, in einem Interview, und er meint ganz Spanien. Zugleich häuften die Unternehmen laut Sordo mehr Gewinne an als fast je zuvor.
Eine Zahl zu den Gewinnen nannte Sordo im Gespräch nicht. Arbeitgeber bestreiten solche Angaben der Gewerkschaft.
Vier Millionen Euro hat die Gewerkschaft nach Sordos Angaben bereitgestellt, um Streiks für höhere Löhne in Tarifverträgen zu stärken. Beim Wohnen fordert er mehr als 1,5 Millionen Wohnungen zu geschützten Preisen im nächsten Jahrzehnt.
Sordo sprach über Murcia und über Spanien insgesamt, nicht über die Kanaren. Einen Bezug zu Teneriffa stellte er im Gespräch nicht her.
Wie weit liegen Löhne und Preise auf den Kanaren auseinander?
Wer auf den Kanaren arbeitet, verdiente 2024 im Schnitt 25.120,38 Euro brutto im Jahr, zeigt die Lohnstrukturerhebung des INE (spanisches Statistikamt). Spanienweit waren es 29.540,2 Euro, ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber 2023.
Damit haben die Kanaren die zweitniedrigsten Durchschnittslöhne Spaniens. Nur Extremadura liegt mit 24.979,44 Euro darunter, am höchsten sind die Löhne im Baskenland mit 35.170,2 Euro.
Im Juni 2026 stiegen die Preise auf den Kanaren um 3,4 Prozent im Jahresvergleich, in ganz Spanien um 3,2 Prozent, so die endgültigen INE-Zahlen. Im September lag die spanische Inflation nach INE-Angaben bei 4,0 Prozent, getrieben vom Treibstoff.
In Tarifverträgen vereinbarte Löhne stiegen auf den Kanaren bis Juni 2026 im Schnitt um 2,96 Prozent, so das technische Büro von CCOO Canarias auf Basis der Tarifstatistik des Arbeitsministeriums. Im ganzen Jahr 2025 waren es 4,99 Prozent.
Frahija und Navarro verweisen zudem darauf, dass 211.000 Wohnungen auf dem Archipel leer stehen. Die Oktober-Zahlen zur Inflation liegen noch nicht vor und dürften Mitte November erscheinen.
Wie hoch soll der Mindestlohn ab Januar 2027 sein?
Der Mindestlohn (SMI) soll um 5,3 Prozent steigen, von heute 1.221 auf 1.286 Euro brutto im Monat. Das Arbeitsministerium will ihn in 14 Raten auszahlen.
Der Entwurf des Königlichen Dekrets ging am 5. November in die öffentliche Anhörung, die bis zum 16. November 2026 läuft. Danach kann der Ministerrat ihn beschliessen, eine Abstimmung im Parlament ist nicht nötig.
Die Expertenkommission hatte 4,9 Prozent empfohlen, CCOO und UGT forderten mindestens 7 Prozent. Sordo spricht von rund 65 Euro mehr im Monat und nennt die Erhöhung sehr spürbar, bleibt aber bei seiner Forderung nach 7 Prozent.
Streit gibt es um die Anrechnung: Firmen dürfen die Erhöhung mit Zulagen wie Nacht- oder Gefahrenzuschlägen verrechnen. Die Gewerkschaften wollen nicht unterschreiben, solange das gilt, und Sordo fordert eine Änderung der Regel.
Der Arbeitgeberverband CEOE lehnt die Erhöhung ab, sein Präsident Antonio Garamendi nannte sie unbegründet. Arbeitsministerin Yolanda Díaz will, dass alle Firmen am 1. Januar den Mindestlohn kennen, einen Beschlusstermin nannte sie nicht.
Was gilt für Beschäftigte in Hotels und Gastronomie auf Teneriffa?
Für mehr als 76.000 Beschäftigte im Gastgewerbe der Provinz Santa Cruz de Tenerife gilt seit dem 11. Juli 2025 ein Dreijahrestarif. 34.000 von ihnen arbeiten in Hotels, 42.000 in Gastronomie und Freizeit.
Im Hotelgewerbe stiegen die Löhne ab 1. Juli 2025 um 7 Prozent, danach folgen 3,25 Prozent im zweiten und dritten Jahr. Der Verband Ashotel spricht von 13,5 Prozent kumuliert bis 2028.
Eine Preisklausel gleicht die Inflation aus, ist aber bei 5 Prozent gedeckelt. In Gastronomie und Freizeit gibt es insgesamt 9 Prozent, also 3 Prozent pro Jahr.
UGT, Intersindical Canaria und USO Canarias haben unterzeichnet, der Vertrag läuft laut CCOO-Datenbank vom 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2028. CCOO unterschrieb nicht und kritisierte einen Verlust an Rechten.
Welche Termine stehen bis Jahresende an?
Auf den Generalstreik am 11. November folgt am 16. November das Ende der Anhörung zum Mindestlohn. Danach kann der Ministerrat den Entwurf beschliessen.
Am 29. November 2026 finden in Spanien Wahlen statt. Der Mindestlohn soll nach dem Plan am 1. Januar 2027 gelten, sofern der Ministerrat zustimmt.
Ministerin Elma Saiz will, dass Mindestlohnbezieher weiter keine Einkommensteuer (IRPF) zahlen. Dafür ist eine Gesetzesänderung nötig, die noch nicht beschlossen ist; der Abzug beträgt derzeit 591 Euro.