Es ist eine Nachricht, die viele Inselbewohner und Vielreisende auf den Kanaren direkt im Geldbeutel spüren werden: Das spanische Verkehrsministerium hat die sogenannten Referenztarife für Interisland-Flüge aktualisiert. Diese Höchstpreise, auf Spanisch „tarifas de referencia“ oder „precios máximos“ genannt, legen fest, wie teuer ein Ticket auf den als gemeinwirtschaftlich eingestuften Strecken maximal sein darf. Ab dem 1. August gelten auf zehn der dreizehn regulierten Routen neue, höhere Obergrenzen.
Die Anpassung erfolgt per Ministerialerlass und wurde Ende Juli im spanischen Staatsanzeiger (BOE) veröffentlicht. Sie betrifft die beiden wichtigsten Interisland-Fluggesellschaften, Binter Canarias und CanaryFly, die sich bei ihrer Preisgestaltung an diese Vorgaben halten müssen. Die gute Nachricht für alle Residenten der Kanaren: Der gesetzlich verankerte Rabatt von 75 Prozent bleibt bestehen und federt den Anstieg für sie deutlich ab. Für alle anderen, von Touristen bis hin zu digitalen Nomaden ohne offiziellen Wohnsitz, schlägt die Erhöhung jedoch voll durch.
Diese Routen sind von der Preiserhöhung betroffen
Die neuen Höchstpreise gelten nicht pauschal für alle Verbindungen, sondern wurden streckenspezifisch festgelegt. Von den insgesamt 13 Routen, die unter die sogenannte „Obligación de Servicio Público“ (OSP) fallen – also als essenzielle Verbindungen gelten –, werden die Preisobergrenzen auf zehn Strecken angehoben. Im Durchschnitt liegt die Erhöhung bei rund 7 Prozent, wobei auf einzelnen Routen die Kappungsgrenze um bis zu etwa 9,5 Prozent steigen kann.
Konkret sind folgende Verbindungen betroffen: Gran Canaria – Tenerife Norte, Gran Canaria – Tenerife Sur, Gran Canaria – Fuerteventura, Gran Canaria – El Hierro, Gran Canaria – Lanzarote, Tenerife Norte – Fuerteventura, Tenerife Norte – El Hierro, Tenerife Norte – Lanzarote, Tenerife Norte – La Palma sowie La Palma – Lanzarote. Auf diesen Strecken können die Airlines ihre Ticketpreise künftig bis zur neuen, höheren Grenze anheben.
Drei Routen bleiben hingegen von der Anpassung unberührt. Die Höchstpreise für Flüge zwischen Gran Canaria und La Palma, Gran Canaria und La Gomera sowie Tenerife Norte und La Gomera verharren auf dem bisherigen Niveau. Für Reisende auf diesen Strecken ändert sich preislich also nichts – zumindest nicht durch diese spezifische Regulierungsänderung.
Warum die Preise jetzt steigen
Die Begründung des Verkehrsministeriums für die Anhebung ist so simpel wie nachvollziehbar: Die Kosten für den Flugbetrieb sind gestiegen. Um die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser als essenziell eingestuften Verbindungen auch in Zukunft zu gewährleisten, müssten die Tarife entsprechend angepasst werden. Das Ministerium betont, die Erhöhung sei mit dem Ziel erfolgt, die Auswirkungen auf die Passagiere so gering wie möglich zu halten.
Hinter den Kulissen wirkt zudem eine weitere Kostenkomponente, die nichts mit den OSP-Höchstpreisen zu tun hat, aber dennoch auf den Ticketpreis durchschlägt: der staatliche Flughafenbetreiber Aena hat für das Jahr 2026 eine Erhöhung der Flughafengebühren um 6,5 Prozent genehmigt. Das entspricht etwa 0,68 Euro pro Passagier. Die kanarische Regierung hat diese Erhöhung öffentlich scharf kritisiert und als schädlich für den Tourismus und die Inselbewohner bezeichnet. Für den Endkunden bedeutet das Zusammenspiel beider Faktoren: Sowohl die regulierten Tarife als auch die Flughafengebühren ziehen im laufenden Jahr an.
So wirkt sich der 75-Prozent-Residentenrabatt aus
Für die Einwohner der Kanarischen Inseln ist der Rabatt von 75 Prozent auf Interisland-Flüge ein nahezu heiliges Gut. Er ist im kanarischen Wirtschafts- und Steuerregime (REF) verankert und gilt zeitlich unbegrenzt. Das Prinzip ist einfach: Residenten zahlen nur etwa ein Viertel des eigentlichen Ticketpreises. Die restlichen 75 Prozent werden von den Fluggesellschaften zunächst vorgestreckt und später je zur Hälfte vom spanischen Staat (50 Prozent) und von der kanarischen Regierung (25 Prozent) erstattet.
Wichtig zu verstehen ist: Der Rabatt schützt nicht vor prozentualen Preiserhöhungen. Wenn der Basistarif um 7 Prozent steigt, dann steigt auch der vom Residenten zu zahlende Anteil um 7 Prozent. Der entscheidende Unterschied liegt in der absoluten Höhe. Ein Rechenbeispiel macht das deutlich: Kostete ein Flug von Teneriffa nach Gran Canaria bisher rund 32 Euro für Nicht-Residenten, zahlte ein Resident mit 75-Prozent-Rabatt nur 8 Euro. Steigt der Tarif nun um 7 Prozent auf etwa 34,24 Euro, zahlt der Nicht-Resident 2,24 Euro mehr. Der Resident zahlt künftig 8,56 Euro – ein Plus von lediglich 0,56 Cent. Der Euro-Betrag der Erhöhung ist für Residenten also nur ein Viertel so hoch wie für Nicht-Residenten.
Für die Haushaltskasse eines Residenten, der regelmäßig zwischen den Inseln pendelt, summiert sich das zwar, bleibt aber überschaubar. Anders sieht es für all jene aus, die keinen offiziellen Wohnsitz auf den Kanaren haben und nicht im sogenannten „Padrón“ eingetragen sind. Sie zahlen den vollen, erhöhten Preis.
Was die Änderung für verschiedene Reisende bedeutet
Die Auswirkungen der neuen Tarifstruktur sind je nach Status des Reisenden sehr unterschiedlich. Für kanarische Residenten bleibt das Inselhüpfen dank des 75-Prozent-Rabatts vergleichsweise günstig. Der Anstieg bewegt sich je nach Strecke und ursprünglichem Preisniveau im Bereich von wenigen Cent bis zu einigen Euro pro Flugabschnitt. Auf den drei unveränderten Routen nach La Gomera und La Palma ändert sich für sie gar nichts.
Digitale Nomaden und andere Langzeitbesucher, die zwar viele Monate im Jahr auf den Inseln verbringen, aber keinen offiziellen Wohnsitz begründet haben, können den Rabatt nicht in Anspruch nehmen. Für sie verteuern sich die Interisland-Flüge um die vollen 7 Prozent im Schnitt, auf einzelnen Strecken potenziell um bis zu rund 9,5 Prozent. Wer also regelmäßig zwischen den Inseln unterwegs ist, sollte diese Mehrkosten in sein Budget einkalkulieren.
Für Touristen gilt dasselbe: Sie zahlen den vollen Tarif ohne Ermäßigung. Reiserouten, die mehrere Inseln kombinieren – etwa Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura –, werden dadurch spürbar teurer als noch vor dem 1. August. Hinzu kommt die erwähnte Erhöhung der Aena-Flughafengebühren, die in jeden Ticketpreis einfließt und von keinem Rabatt erfasst wird.
Häufige Fragen
- Steigen die Preise auf allen Interisland-Flügen?
- Nein, nur auf 10 von 13 regulierten OSP-Routen. Die Strecken nach La Gomera und Gran Canaria–La Palma bleiben preislich unverändert.
- Wie hoch ist die durchschnittliche Preiserhöhung?
- Die Referenztarife steigen im Durchschnitt um etwa 7 Prozent. Auf einzelnen Routen kann die Erhöhung bis zu rund 9,5 Prozent betragen.
- Gilt der 75-Prozent-Residentenrabatt weiterhin?
- Ja, der Rabatt ist gesetzlich verankert und bleibt unverändert bestehen. Residenten zahlen weiterhin nur rund 25 Prozent des Ticketpreises.
- Spüren Residenten die Preiserhöhung überhaupt?
- Ja, aber nur sehr abgeschwächt. Da sie nur ein Viertel des Tarifs zahlen, macht die Erhöhung für sie in absoluten Euro-Beträgen nur wenige Cent bis maximal einige Euro aus.
- Können digitale Nomaden den Residentenrabatt nutzen?
- Nein, der Rabatt setzt einen offiziellen Wohnsitz auf den Kanaren und die Eintragung ins Einwohnerregister voraus. Ohne diesen Status zahlen sie den vollen Preis.
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Stand der Informationen: 1. August 2026. Die Angaben basieren auf der ministeriellen Anordnung im BOE sowie auf Berichterstattung kanarischer und nationaler Medien. Die exakten prozentualen Erhöhungen für jede einzelne Route liegen im Detail nur im Anhang des BOE vor und sind in den Medienzusammenfassungen nicht streckenscharf ausgewiesen.
