Lange wurde geplant, jetzt wird es konkret: Der spanische Flughafenbetreiber Aena hat die ersten großen Bauaufträge für die lang erwartete Komplett-Modernisierung des Flughafens Teneriffa Süd – Reina Sofía offiziell ausgeschrieben. Das Kernvolumen der jetzt veröffentlichten Aufträge beläuft sich auf rund 512,6 Millionen Euro. Das gesamte Programm für den Terminalbereich wird jedoch mit „mehr als 550 Millionen Euro“ beziffert und ist damit eines der größten Infrastrukturprojekte auf den Kanarischen Inseln.
Die Maßnahmen sind eine direkte Antwort auf die rasant gestiegenen Passagierzahlen. Im Jahr 2025 nutzten fast 14 Millionen Reisende den Airport, der damit das wichtigste touristische Drehkreuz der Insel und ganz Spaniens ist. Das Ziel des Umbaus ist nicht, mehr Flugbewegungen zu ermöglichen, sondern die Servicequalität, den Komfort und die Abläufe im Terminal grundlegend zu verbessern und für die Zukunft zu rüsten.
Was wird gebaut? Ein neues Terminal-Erlebnis
Das Herzstück des Projekts ist die Schaffung eines völlig neuen, einheitlichen Terminalbereichs. Aena spricht von einer „integralen Umgestaltung“, bei der die bestehenden Gebäude nicht nur erweitert, sondern architektonisch und funktional zu einem modernen Ganzen zusammengeführt werden. Die Terminalfläche wird um fast 50 Prozent wachsen. Konkret bedeutet das mehr Platz in den Check-in-Hallen, großzügigere Wartebereiche an den Gates, zusätzliche und neu gestaltete Sicherheitskontrollen sowie eine verbesserte Gepäckausgabe mit modernster Technik.
Für Reisende wird der Unterschied spürbar sein: weniger Gedränge in den Spitzenzeiten, übersichtlichere Wege und ein deutlich erweitertes Angebot an Geschäften und Gastronomie. Auch die Fassade und der gesamte Vorfahrtsbereich werden neu gestaltet, um die Ankunft und Abfahrt angenehmer zu machen. Die angestrebte Kapazität nach dem Umbau liegt bei rund 15 bis 16 Millionen Passagieren pro Jahr.
Das neue Parkhaus: 2.000 Stellplätze und ein cleverer Plan
Bevor der Terminal-Umbau richtig Fahrt aufnimmt, steht eine andere wichtige Baustelle im Fokus: der Parkraum. In einer ersten, etwa 30 Monate dauernden Phase wird für rund 48 Millionen Euro ein neues, mehrstöckiges Parkhaus mit rund 2.000 Stellplätzen gebaut. Es entsteht auf der Fläche des heutigen oberirdischen Parkplatzes. Die Aufteilung ist durchdacht: Etwa 800 Plätze sind für die allgemeine Nutzung durch Reisende vorgesehen, rund 1.200 Plätze sind für Mietwagenfirmen reserviert.
Dieser Schritt ist entscheidend, denn er schafft nicht nur dringend benötigte Kapazität, sondern auch den nötigen Raum für die späteren Bauphasen direkt am Terminal. Eine erhöhte Fußgängerbrücke wird das neue Parkhaus mit dem äußeren Bereich verbinden. Von dort aus ist ein interner Korridor geplant, der direkt zu einem möglichen künftigen Bahnhof führen soll.
Die Bahn ist schon mitgedacht: Vorbereitung für den „Tren del Sur“
Ein besonders weitsichtiger Teil der Planung betrifft den öffentlichen Nahverkehr. Aena gestaltet den gesamten Umbau so, dass er für einen möglichen Anschluss an die künftige Süd-Bahnlinie Teneriffas, den „Tren del Sur“, vorbereitet ist. Das neue Parkhaus und die geplanten Fußgängerverbindungen sind so konzipiert, dass hinter dem Parkhaus ein integrierter Bahnhof entstehen könnte. Der Weg vom Terminal zu den Bahnsteigen würde dann weniger als zehn Minuten zu Fuß dauern – und das größtenteils überdacht.
Wichtig zu wissen: Der Bau der Bahnstrecke selbst liegt nicht in der Verantwortung von Aena, sondern hängt von Entscheidungen der Inselregierung und der Finanzierung ab. Einen festen Termin für den Zug gibt es nicht. Aber der Flughafen wird bereit sein, falls und wenn die Gleise gelegt werden.
Bauzeit von 7 bis 8 Jahren – und der Flughafen bleibt offen
Die größte Herausforderung dieses Mega-Projekts ist der Betrieb während der Bauzeit. Anders als bei einem Neubau auf der grünen Wiese kann der Flughafen Teneriffa Süd nicht einfach für ein paar Jahre schließen. Aena hat sich deshalb für eine extrem kleinteilige Planung mit 57 Unterphasen entschieden, die sich über schätzungsweise sieben bis acht Jahre erstrecken werden. Ein theoretischer Komplett-Neubau bei Schließung wäre in zwei bis drei Jahren machbar, aber diese Option stand nie zur Debatte.
Die grobe Reihenfolge: Zuerst entsteht das Parkhaus (ca. 30 Monate), dann folgt die tiefgreifende Erweiterung und Umgestaltung des Terminals (ca. 40 Monate), und in einer späteren Phase werden die Gepäckanlagen umfassend erneuert (ca. 56 Monate). Der Baubeginn für die ersten sichtbaren Arbeiten wird für den Herbst 2027 erwartet. Mit einer Fertigstellung ist frühestens nach 2031 zu rechnen. Während der gesamten Zeit gilt: Der Flughafen bleibt in Betrieb, die Start- und Landebahnen sind von den Arbeiten nicht betroffen, und die Kapazität soll zu keinem Zeitpunkt reduziert werden.
Häufige Fragen
- Wird der Flughafen Teneriffa Süd während des Umbaus geschlossen?
- Nein, der Flughafen bleibt durchgehend geöffnet. Die Bauarbeiten sind so in 57 Unterphasen geplant, dass der Betrieb und die Kapazität jederzeit aufrechterhalten werden.
- Wann genau beginnen die Bauarbeiten?
- Der Start der ersten sichtbaren Bauarbeiten ist für den Herbst 2027 vorgesehen. Dies hängt noch von den endgültigen Genehmigungen und der Auftragsvergabe ab.
- Muss ich während der Bauzeit mehr Zeit am Flughafen einplanen?
- Ja, das ist ratsam. Vor allem in der ersten Phase mit dem Parkhausbau und später bei Umbauten im Terminal kann es zu geänderten Verkehrsführungen und längeren Fußwegen kommen.
- Wird es eine direkte Bahnanbindung zum Flughafen geben?
- Der Umbau bereitet den Flughafen physisch auf einen künftigen „Tren del Sur“ vor. Ob und wann die Bahnstrecke tatsächlich gebaut wird, entscheidet sich aber außerhalb des Flughafenprojekts.
- Was sind die größten Vorteile nach dem Umbau?
- Reisende dürfen sich auf fast 50 Prozent mehr Platz, moderne Check-in- und Sicherheitsbereiche, ein besseres gastronomisches Angebot, ein neues Parkhaus mit rund 2.000 Stellplätzen und insgesamt deutlich entspanntere Abläufe freuen.
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Stand der Informationen: Juli 2026. Alle Angaben zu Bauphasen und Zeitplänen basieren auf den aktuellen Planungen von Aena und können sich im Laufe des Projekts noch ändern.
