Stell dir vor, du könntest mit wenigen Klicks nachsehen, wofür deine Gemeinde Geld ausgibt, wie die Gehaltsstruktur des örtlichen Cabildos aussieht oder welche Verträge die Universität abgeschlossen hat. Genau das ist auf den Kanarischen Inseln inzwischen fast überall möglich – und die neuesten Zahlen belegen, dass die Offenheit der Behörden einen historischen Höchststand erreicht hat.
Der sogenannte ITCanarias, der offizielle Transparenz-Index des Archipels, weist für die jüngste Auswertung einen Schnitt von 8,87 von 10 Punkten aus. Das ist nicht nur ein neuer Rekord, sondern ein deutlicher Sprung gegenüber dem vorherigen Wert von 8,44. Verantwortlich für diese Bewertung ist der Comisionado de Transparencia y Acceso a la Información Pública de Canarias, eine unabhängige Instanz, die jährlich über die Plattform T-Canaria prüft, wie offen die öffentlichen Stellen ihre Daten bereitstellen.
Was der Index genau misst
Der ITCanarias ist keine Umfrage unter Bürgern, sondern eine handfeste, technische Prüfung. Bewertet wird, ob die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen tatsächlich auf den Transparenzportalen veröffentlicht sind. Dazu gehören Haushaltspläne, Jahresabschlüsse, Prüfberichte, Organigramme und Vergütungsdaten. Doch der Index geht noch weiter: Er honoriert auch die sogenannte freiwillige Transparenz – also alles, was eine Behörde über die Mindestanforderungen hinaus von sich aus öffentlich macht.
Für die aktuelle Erhebung wurden mehr als 1.100 öffentliche Einrichtungen unter die Lupe genommen. Das Spektrum reicht von der Regionalregierung über die sieben Cabildos und die 88 Gemeinden bis hin zu den beiden öffentlichen Universitäten, den Mancomunidades (Gemeindeverbänden) und den öffentlich-rechtlichen Körperschaften. Das Ergebnis: In nahezu allen Bereichen gab es eine spürbare Verbesserung.
Die einzelnen Noten im Vergleich
Ein genauerer Blick auf die Teilnoten zeigt, wo die Kanaren besonders glänzen. Die Regionalregierung, also die Verwaltung der Comunidad Autónoma, erreichte 9,10 Punkte. Die Cabildos, die Inselregierungen, kamen auf 8,92. Die Rathäuser, oft die erste Anlaufstelle für Bürger, verbesserten sich auf 8,71. Die Universitäten erzielten starke 9,23, und die Spitzenreiter sind die Mancomunidades mit 9,39 Punkten. Auch die öffentlich-rechtlichen Körperschaften liegen mit 8,99 nur hauchdünn unter der 9-Punkte-Marke.
Diese breite Basis ist das eigentlich Bemerkenswerte. Es geht nicht um einen einzelnen Ausreißer nach oben, sondern um einen flächendeckenden Trend. Der Comisionado spricht von einer allgemeinen Stärkung der „publicidad activa“, also der aktiven Veröffentlichungspflicht. Das System, das vor Jahren mit deutlich niedrigeren Werten startete, hat sich kontinuierlich nach oben gearbeitet und nun die höchste Stufe seit seiner Einführung erklommen.
Warum das für dich zählt
Für alle, die auf den Kanaren leben, arbeiten oder ein Unternehmen gründen wollen, ist diese Entwicklung mehr als eine trockene Statistik. Transparenz bedeutet ganz konkret: Du kannst nachvollziehen, wie öffentliche Gelder verwendet werden. Du siehst, welche Aufträge vergeben wurden und zu welchen Konditionen. Du findest heraus, wer in einer Behörde wofür zuständig ist und wie die Gehaltsstrukturen aussehen.
Diese Offenheit ist ein wirksames Mittel gegen Misswirtschaft und schafft Vertrauen. Wenn eine Gemeinde ihre Rechnungen und Prüfberichte proaktiv ins Netz stellt, können Bürger, Journalisten und zivilgesellschaftliche Gruppen viel leichter Unstimmigkeiten erkennen. Das verbessert nicht nur die Kontrolle, sondern setzt auch Anreize für eine bessere Haushaltsführung. Gerade für digitale Nomaden und Expats, die oft aus Ländern mit weniger ausgeprägter Verwaltungstransparenz kommen, ist diese Verlässlichkeit ein echter Standortvorteil.
Was die Zahlen nicht verraten
So erfreulich der Rekordwert ist – der Index misst in erster Linie die formale Bereitstellung von Informationen. Ob diese Daten auch in einer für Laien verständlichen Sprache aufbereitet sind oder wie schnell Anfragen nach dem Informationszugangsgesetz beantwortet werden, ist eine andere Frage. Der Comisionado selbst betont, dass sein Auftrag der Schutz des Rechts auf Information ist und dass die Institutionen dadurch zugänglicher werden sollen. Die steigenden Werte deuten darauf hin, dass dieser Auftrag ernst genommen wird.
Ein direkter Vergleich mit anderen spanischen Regionen ist mit den vorliegenden Daten nicht seriös möglich, da der ITCanarias eine eigene Methodik verwendet, die sich von den Erhebungen etwa von Transparency International Spanien unterscheidet. Was man aber sagen kann: Innerhalb des Archipels ist der Trend eindeutig positiv, und das Niveau ist inzwischen so hoch, dass es sich im europäischen Vergleich sehen lassen kann.
Häufige Fragen
- Was ist der ITCanarias?
- Der Índice de Transparencia de Canarias ist der offizielle Transparenz-Index des Archipels, der jährlich vom Comisionado de Transparencia erhoben wird. Er bewertet auf einer Skala von 0 bis 10, wie umfassend öffentliche Stellen ihre Daten proaktiv veröffentlichen.
- Welche Behörden werden bewertet?
- Mehr als 1.100 Einrichtungen: die Regionalregierung, die sieben Cabildos, alle 88 Gemeinden, die öffentlichen Universitäten, Mancomunidades und öffentlich-rechtliche Körperschaften.
- Was bedeutet der neue Rekordwert von 8,87?
- Es ist der höchste Durchschnittswert seit Einführung des Index. Er zeigt, dass die kanarischen Behörden ihre gesetzlichen Veröffentlichungspflichten so gut erfüllen wie nie zuvor und auch freiwillig mehr Daten bereitstellen.
- Wo kann ich die Ergebnisse einsehen?
- Alle Ergebnisse sind auf dem offiziellen Portal transparenciacanarias.org unter dem Bereich Evaluierung einsehbar. Dort kannst du nach einzelnen Einrichtungen filtern.
- Was bringt mir diese Transparenz konkret?
- Du kannst öffentliche Ausgaben nachvollziehen, Verträge einsehen, Gehaltsstrukturen verstehen und so besser beurteilen, wie verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgegangen wird. Das stärkt die demokratische Kontrolle und das Vertrauen in die Verwaltung.
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Stand der Informationen: Juli 2026. Grundlage sind die offiziellen Veröffentlichungen des Comisionado de Transparencia de Canarias sowie Berichterstattung von Atlántico Hoy und Europa Press.
