Was ändert sich für Urlauber und Einwohner auf El Hierro?
Amtliche Einschränkungen für Touristen oder Einwohner sind bis Freitag, 6. November 2026, nicht bekannt. Weder im BOC (Amtsblatt der Kanaren) noch in Mitteilungen des Cabildo (Inselregierung) fanden sich Sperrungen, Preisänderungen oder Fristen.
Im Mittelpunkt steht der Hafen von La Restinga, wo die Boote anlegen. Notfallteams, Cruz Roja (Rotes Kreuz) und Salvamento Marítimo (Seenotrettung) erfassen dort die Ankommenden.
Anwohner und Betriebe fordern, die Abfertigung vom Hafen wegzuverlegen, der ein Tauch- und Touristenziel ist. Ein Beschluss lag nach dem Stand von April 2025 nicht vor, und frühere, undatierte Berichte sprechen von einem Empfangspunkt rund 400 Meter weiter weg.
Senator Javier Armas sagt, ein einziges Boot könne die Gesundheitsdienste der Insel blockieren. Wer einen Arzttermin auf El Hierro hat, fragt bei Verzögerungen am besten vorab beim Zentrum nach.
Was hat Clavijo genau gesagt?
Clavijo sprach bei der «XXX Conferencia de Presidentes RUP» in Guadalupe. Das Datum der Konferenz nannte der Bericht nicht.
Er rechnet damit, dass sich die Lage auf El Hierro verschlimmert, und erinnerte an 2024, als laut ihm 47.000 Menschen die Kanaren erreichten. Aktuelle Zahlen für 2026 legte er nicht vor.
Clavijo hat seinen Brief an Pedro Sánchez, Präsident der spanischen Regierung, erneut geschickt und bittet um ein dringendes Treffen. Die jüngste Antwort aus Madrid bezeichnete er als blosse Aufzählung bereits erledigter Dinge.
Er verlangt, dass Vereinbarungen aus dem Migrationspakt in konkrete Taten münden. Die Regierung sei nicht geschäftsführend und müsse weiterarbeiten, bis eine neue gebildet ist.
Wie viele Boote und Menschen erreichen El Hierro?
Von 1. Januar bis 30. September 2026 kamen laut den Zählungen der Notdienste 7.179 Menschen per Boot auf die Kanaren. Auf El Hierro landeten 3.515 (48,96 Prozent) in 31 Booten, im Schnitt 113 Menschen pro Cayuco (Boot für die Überfahrt).
Lanzarote nahm im selben Zeitraum 2.133 Menschen in 41 Booten auf. Beide Inseln zusammen kamen auf 5.648 Menschen, rund 79 Prozent aller Ankünfte.
Im Oktober stieg die Zahl stark an. Nach vorläufigen Angaben des Gobierno de Canarias erreichten bis 25. Oktober 3.814 Menschen die Kanaren, davon 2.776 El Hierro.
Am 22. Oktober kamen laut Berichten 451 Menschen in vier Cayucos an, am 23. Oktober 566 in vier Booten. Am 25. Oktober erreichte ein Cayuco mit 125 Menschen La Restinga aus eigener Kraft.
Am 30. Oktober fand man rund 68 Kilometer südlich von La Restinga ein Cayuco, das mit 115 Menschen gestartet war. Es überlebten 111, die Überlebenden berichteten von vier Toten, zwei Leichen wurden geborgen.
Warum schlägt Clavijo Alarm, obwohl 2026 weniger Menschen kommen als 2025?
Das Innenministerium zählte von 1. Januar bis 15. Oktober 2026 auf den Kanaren 8.970 Ankünfte, gegenüber 13.491 im Vorjahr. Das ist ein Minus von 33,5 Prozent, zur Jahresmitte lag es noch bei 67,2 Prozent.
In den ersten 15 Oktobertagen zählte das Ministerium 1.837 Ankünfte, nach 643 im selben Zeitraum 2025. Das ist ein Plus von 185 Prozent.
El Hierro hat rund 11.000 Einwohner. Der Cabildo meldete für Januar 2024 allein 50 Cayucos mit 3.650 Menschen, und Cabildo-Präsident Alpidio Armas nannte die Insel damals im Alltag überfordert.
Im Vergleich mit Spanien liegen die Kanaren als einzige grosse Seeroute noch im Minus. Das Innenministerium nennt bis 15. Oktober 22.453 Seeankünfte in Spanien (minus 12,9 Prozent), während die Balearen um 10,4 Prozent und die Halbinsel um 9,25 Prozent zulegten.
Wer ist zuständig und wer zahlt?
Die Erstaufnahme ist Sache des Staates. Clavijo schrieb deshalb am 28. Oktober 2026 an Pilar Cancela vom spanischen Staatssekretariat für Migration.
Er fordert ein ausserordentliches Gesundheitsprogramm in allen CATE (Zentren für die vorübergehende Aufnahme von Ausländern), finanziert aus dem staatlichen Programa de Atención Humanitaria. Im CATE von El Hierro sollen eigene Ärzte und Pflegekräfte arbeiten, damit kein Personal des Hospital Insular abgezogen wird.
Zudem verlangt Clavijo, am Pier von La Restinga Platz freizumachen, zu asphaltieren und ein Grundstück daneben bereitzustellen. Er fordert ausserdem Frontex auf den Kanaren und nennt «ausreichende staatliche Finanzierung».
Cabildo-Präsident Alpidio Armas sagt, die Insel könne die aktuelle Lage bewältigen, Clavijo widerspricht. Minister Ángel Víctor Torres erklärte am 4. April 2025, der Staat suche Land am Hafen und erwäge eine dringende Enteignung, weil es keine Einigung mit den privaten Eigentümern gab.
Das Zerstören ausgedienter Cayucos hatte bis April 2025 fast 6,5 Millionen Euro gekostet. Die Arbeiten sollten 2025 weitergehen.
Was geschieht nach der Ankunft, und was kommt als Nächstes?
Nach Medienberichten bringt man die Menschen vom Pier in das CATE in San Andrés (Valverde). Meist verlassen sie die Insel binnen 72 Stunden, eine amtliche Angabe zur Kapazität des Zentrums gibt es nicht.
Zwischen dem 23. und 25. Oktober verlegte man rund 900 Menschen nach Teneriffa und Gran Canaria. Anselmo Pestana, Delegierter der spanischen Regierung auf den Kanaren, führte den Anstieg auf ruhige See zurück.
Das Gobierno de Canarias bat den Staat um einen ausserordentlichen Notfallplan, mehr Mittel für Salvamento Marítimo und Verstärkung im Gesundheitsbereich der CATE. Eine nicht amtliche Zählung nennt mindestens acht Tote im Oktober.
Einen Termin für ein Treffen mit Sánchez gibt es nicht. Auf den neuen Brief fand die Recherche bis Freitag keine Antwort.