Was ändert sich für Urlauber und Residenten?
Die Ärzte des SCS streiken seit dem 16. Oktober 2026 unbefristet, nun mindestens bis zum 17. November. Betroffen sind Hausärzte (Atención Primaria) und Krankenhausärzte, also die Stellen, bei denen auch Residenten und Gäste Termine haben.
Es drohen Terminverschiebungen und längere Wartezeiten bei Hausärzten und in Krankenhäusern. Wie viele Termine seit dem 16. Oktober ausfielen, ist nicht veröffentlicht.
Für den Süden der Inseln gibt es keine eigenen Zahlen. Am 19. Oktober lag die Streikbeteiligung laut Gesundheitsministerium auf Gran Canaria bei 18,23 Prozent, auf Teneriffa bei 4,65 Prozent und auf Fuerteventura bei 0,67 Prozent.
Wer einen Termin hat, fragt vorab im Gesundheitszentrum oder im Krankenhaus nach. Ob Patienten informiert werden oder selbst anrufen müssen, ist nicht belegt, abgesagte Termine setzen die Krankenhäuser neu an.
Notfälle bleiben gesichert: Am 19. Oktober setzte das SCS 1.392 Kräfte für Mindestdienste ein. Die Mindestdienste für die Verlängerung sind nicht veröffentlicht, im Februar 2026 galten in Bereichen wie Dialyse, Onkologie, Apotheke und Notfällen 100 Prozent.
Wie viele Ärzte streiken wirklich mit?
Die Gewerkschaften CESM und SEMCA kündigten in einer gemeinsamen Mitteilung an, den Streik bis zum 17. November auszuweiten. Ob täglich oder nur an bestimmten Tagen gestreikt wird, ist nicht bestätigt.
Am 19. Oktober nahmen laut Gesundheitsministerium 363 von 3.888 betroffenen Ärzten teil, also 9,34 Prozent. Der Streik lief ohne nennenswerte Zwischenfälle.
Die Inseln unterscheiden sich stark: Gran Canaria kam auf 270 von 1.481 Ärzten, Teneriffa auf 86 von 1.848. Auf Lanzarote streikten 8 von 222 Ärzten (3,6 Prozent), auf La Palma 4 von 166 (2,41 Prozent) und auf Fuerteventura 2 von 298.
Die Beteiligung sinkt seit Monaten. Das Ministerium nannte 12,35 Prozent im März 2026 und 7,8 Prozent im Juni, am 23. Oktober zählte die Verwaltung 318 von 3.892 Ärzten oder 8,17 Prozent.
Worum geht es den Ärzten?
CESM Canarias (Sindicato Médico) und SEMCA bilden ein gemeinsames Streikkomitee. Sie vertreten nach eigenen Angaben bis zu 8.000 Ärzte und Fachkräfte, der Streikaufruf erfasst laut Ministerium 3.888 Ärzte.
Die Gewerkschaften legten einen Plan mit 18 Punkten in drei Säulen vor. Er verlangt mehr Gehalt und höhere Bereitschaftsvergütung, Ruhezeiten nach Nachtdiensten und mehr Vertretung der Ärzte in den Verhandlungsgremien.
Für die Forderungen stehen rund 150 Millionen Euro pro Jahr im Raum. Das SCS legte ein Angebot mit 14 Punkten über rund 50 Millionen Euro vor, das die Gewerkschaften als unklar und unzureichend ablehnten.
Schon im Juni 2026 bot das SCS eine um etwa 20 Prozent höhere Bereitschaftsvergütung an, von 23,90 auf etwa 27 bis 28 Euro pro Stunde. Dazu kamen 342 neue feste Stellen und 795 befristete Verträge.
Was sagen Regierung und Gewerkschaften?
Gesundheitsministerin Esther Monzón nannte die Forderungen illogisch und unerfüllbar. Sie warf den Ärzten laut den Berichten vor, das System brechen zu wollen.
Adasat Goya, Direktor des SCS, sagte, die Streiks misshandelten die Bevölkerung. Die Gewerkschaften halten dagegen, sie suchten «das Ende der systematischen Misshandlung der Patienten».
Seit dem 22. Oktober, als das Streikkomitee seinen letzten Vorschlag schickte, hat es nach eigener Darstellung keine Antwort erhalten. Éric Álvarez, Präsident des Sindicato Médico, sprach bei einer Kundgebung am 27. Oktober in Las Palmas mit rund 300 Ärzten und Angehörigen von einer Blockade.
Die Gewerkschaft UGT sagte ihren Streik am 24. September nach einer Vorvereinbarung mit dem SCS ab. Bereitschaftsdienste sollen von 24 auf 17 Stunden sinken, CESM und SEMCA lehnten die Einigung ab.
Wie sieht die Lage im Gesundheitsdienst ohne Streik aus?
Die Gewerkschaften nennen Konsultationen von oft weniger als 10 Minuten, teils unter 7 Minuten. Auf Facharzttermine warten Patienten nach ihrer Darstellung Monate, in manchen Fächern über ein Jahr.
Laut der Wartelistenstatistik der Kanarenregierung warteten Ende Juni 2026 insgesamt 34.382 Patienten auf eine Operation, 7,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die durchschnittliche Wartezeit lag bei 107 Tagen, landesweit bei 121 Tagen, im Juni 2023 waren es auf den Kanaren noch 153 Tage.
Auf eine Sprechstunde beim Facharzt warteten 158.358 Patienten, nach 150.975 im Vorjahr. Das SCS gibt an, der Streik habe die Operationen in eigener Regie um 3 Prozent gesenkt.
Das SCS beziffert die bisherigen Ausfälle durch Streiks auf rund 57.000 Termine, rund 1.400 verschobene Operationen und 2.900 verzögerte Diagnosetests. Die Gewerkschaften werfen dem SCS zudem vor, Mittel an Privatkliniken umzuleiten und in 26 Jahren nur eine öffentliche Einstellungsprüfung (OPE) angesetzt zu haben.
Was passiert nach dem 17. November?
Der 17. November 2026 ist das Ende der aktuellen Verlängerung. Die Gewerkschaften behalten sich vor, weiter zu streiken, solange es nötig ist.
Einen Verhandlungstermin gibt es nach den vorliegenden Informationen nicht. Zahlen zur Beteiligung nach dem 23. Oktober und zu abgesagten Terminen seit dem 16. Oktober sind nicht veröffentlicht.
Parallel läuft ein landesweiter Streit um das Rahmenstatut (Estatuto Marco) des Gesundheitsministeriums in Madrid. Der Haushalt der Kanaren für 2027 liegt noch im Parlament, im Mai 2027 sind Regionalwahlen.