Antrag, nicht Abschluss
Der Bericht stammt von idealista/hipotecas, dem Hypothekenvermittler des Immobilienportals, und erschien am 8. September 2026. Erfasst sind solicitudes — Anträge, die zwischen April und Juni bei dieser einen Plattform eingingen, nicht die beim Notar unterschriebenen Kredite und erst recht nicht alle Käufe.
Der Abstand zwischen beidem ist der aufschlussreichste Teil: Die nicht ansässigen ausländischen Haushalte, die tatsächlich unterschrieben, kamen laut idealista auf 10.320 Euro im Monat, kauften für rund 403.000 Euro und finanzierten 62 statt 68 Prozent.
6,3 Prozent — und 22,7 Prozent
Die Deutschen stellen mit 15,6 Prozent die meisten Anträge, führen beim Einkommen aber nicht: Schweizer gaben über 9.300 Euro monatlich an, US-Amerikaner 8.514, Briten 6.977, Deutsche unter 6.600, Italiener 5.249. idealista schreibt, die Deutschen hätten ihren Abstand zu den Briten vergrößert, nennt aber keine Vorquartalswerte — es bleibt eine Momentaufnahme.
Die 6,3 Prozent sagen nichts darüber, welcher Anteil der kanarischen Käufe auf Ausländer entfällt, sondern nur, wo Spaniens ausländische Antragsteller suchen. Der Anteil am Markt hier liegt weit höher: Nach der Estadística Registral Inmobiliaria des Colegio de Registradores gingen im ersten Quartal 2026 22,7 Prozent der kanarischen Kaufverträge an Ausländer — 2023 waren es 28,3 Prozent.
Die andere Seite der Rechnung
Die Encuesta Anual de Estructura Salarial des INE, endgültige Zahlen für 2024 vom 28. Mai 2026, weist für die Kanaren ein durchschnittliches Bruttojahresgehalt von 25.120,38 Euro aus, gegenüber 29.540,26 Euro für Spanien; nur zwei Regionen liegen darunter. Nach der Encuesta de Condiciones de Vida vom 5. Februar 2026 galten 31,2 Prozent der kanarischen Bevölkerung als von Armut oder Ausgrenzung bedroht.
Der Vergleich hinkt, weil Haushaltsnetto gegen Individualbrutto steht. Die Größenordnung bleibt: 6.779 Euro im Monat sind gut 81.000 im Jahr für einen Haushalt, gegen gut 25.000 brutto für einen kanarischen Beschäftigten.
265.093 Euro und 68 Prozent in der Praxis
265.093 Euro ist der Durchschnittspreis der beantragten Objekte, 3,6 Prozent über dem Frühjahr 2025; knapp 70 Prozent der Anträge lagen unter 200.000 Euro. Beantragt wurden 68 Prozent des Werts, nach 71 bis 75 in den Vorquartalen.
Beantragt ist nicht bewilligt. Der Vergleichsdienst Rankia nennt für Nichtresidenten rund 60 Prozent des niedrigeren Werts aus Kaufpreis und Schätzung, für Bankinter 60 Prozent und höchstens 25 Jahre Laufzeit — Residenten bekommen für die Hauptwohnung 80 Prozent. Dazu kommen Nebenkosten, die keine Hypothek deckt: Beim Gebrauchtkauf beträgt die ITP auf den Kanaren nach dem Decreto Legislativo 1/2009 in der Regel 6,5 Prozent — auf 265.093 Euro rund 17.200 Euro —, die AJD 0,75 Prozent, dazu Notar, Grundbuch und Gestoría. Die ermäßigten Sätze gelten nur für die vivienda habitual.
Ursache oder Symptom?
Dass ausländische Käufer die Preise treiben, sagen hier Politiker. Die spanische Regierung schlug der Europäischen Kommission im Januar 2026 vor, auf den Kanaren den Kauf von Wohnungen zu beschränken, die nicht dem Wohnen dienen; die Landesregierung hatte zuvor Beschränkungen bis zum Verbot angeregt. Regionalpräsident Fernando Clavijo begründete das laut Infobae damit, jede vierte verkaufte Wohnung lande in ausländischer Hand.
Belegt ist ein Zusammenhang damit nicht. Die Reihe der Registradores zeigt den ausländischen Anteil seit 2023 fallend, während die Preise stiegen: Nach dem Immobilienpreisindex des INE verteuerte sich Wohnraum auf den Kanaren im zweiten Quartal 2026 um 11 Prozent, das 45. Quartal in Folge, aber weniger als die 12,2 Prozent im spanischen Durchschnitt. Tinsa, die 15,2 Prozent errechnet, führt ihn auf eine Nachfrage zurück, die der Bestand nicht aufnehmen könne.