Was genau gefragt wurde

Die Mitteilung des ISTAC liest sich, als hätten 67,9 Prozent den Tourismus für «sehr vorteilhaft» erklärt. Das ist missverständlich: «sehr vorteilhaft» ist keine Antwortmöglichkeit, sondern steht im Text der Aussage. Frage P50 lautet: «Können Sie Ihren Grad der Zustimmung oder Ablehnung zu folgenden Aussagen über die touristische Aktivität auf Ihrer Insel angeben?» Eine davon: «Die touristische Entwicklung war sehr vorteilhaft für die Insel und ihre Bewohner.» Die 67,9 Prozent sind die Summe zweier Stufen einer fünfstufigen Skala: 52,9 Prozent stimmen zu, 15,0 Prozent voll zu.

Bei der Wohnungsfrage – «Der Tourismus verteuert die Wohnungspreise (Miete und Kauf)» – ist es umgekehrt: 37,6 Prozent stimmen zu, 39,5 Prozent voll zu. Das ist der höchste Wert starker Zustimmung unter allen 28 Aussagen. Die Spannung liegt nicht zwischen den Gesamtzahlen, sondern in ihrer Intensität.

Zustimmung und Klage sind gemeinsam gestiegen

Das Modul wurde erstmals 2024 erhoben, einzelne Fragen schon 2019. Beim Nutzen-Satz nennt das ISTAC für 2024 62 Prozent und für 2019 76 Prozent. Die 67,9 Prozent sind also keine Höchstmarke, sondern eine teilweise Erholung.

Aufschlussreicher ist, was sich nicht erholt hat. Dass der Tourismus weiter gefördert werden solle, finden 62,8 Prozent, rund 18 Punkte weniger als 2019 (80,4 Prozent). Dass seine Vorteile die Kosten weit überwiegen, sagen nur noch 45,7 Prozent nach knapp der Hälfte 2024. Mehr Menschen erkennen also an, dass der Tourismus genutzt hat; zugleich wollen weniger mehr davon. Da es getrennte Skalen sind, kann dieselbe Person beiden Sätzen zustimmen – ein Widerspruch entsteht erst, wenn man die Zahlen als Lager liest.

AussageZustimmung
Tourismus fördert die wirtschaftliche Entwicklung77,3 %
Tourismus verteuert Wohnungen (Miete und Kauf)77,1 %
Entwicklung war sehr vorteilhaft für die Insel67,9 %
Tourismus verteuert die Lebenshaltung64,0 %
Tourismus schafft prekäre Beschäftigung63,4 %
Tourismus soll weiter gefördert werden62,8 %
Tourismus löst unerwünschte Umzüge aus62,8 %
Vorteile überwiegen die Kosten deutlich45,7 %
Tourismus macht die Gesellschaft toleranter44,5 %

Zustimmung und volle Zustimmung, ab 18 Jahren. Quelle: ISTAC, ECOSOC, 2. Quartal 2026.

Die Zahl mit politischen Folgen

Politisch verwertbar ist eine andere Zahl. Ob Touristen für jede Übernachtung zahlen sollen, bejahen 49,7 Prozent und verneinen 24,6. Der Zuwachs beträgt laut ISTAC sechseinhalb Punkte.

Der interessantere Teil steht daneben: Die Ablehnung hat sich kaum bewegt, rund 24 Prozent in beiden Jahren; gesunken ist die Unsicherheit, von 28,5 auf 15,4 Prozent. Der Zuwachs stammt fast vollständig von vormals Unentschiedenen: Die Debatte ist nicht gekippt, sie hat sich entschieden. Regional bleibt die Spanne groß, von knapp 60 Prozent im Süden Teneriffas bis unter 40 auf El Hierro und Fuerteventura. Sollen Einheimische zahlen, sagen 81,3 Prozent Nein.

Die Jüngeren sehen es anders – aber nicht überall

Das Alter ist der größte Bruch. Von den 18- bis 34-Jährigen stimmen 83,5 Prozent zu, dass der Tourismus Wohnungen verteuert, gegenüber 72,0 bei den ab 55-Jährigen. Dem Nutzen-Satz stimmen 58,7 Prozent der Jüngsten zu und 73,5 der Ältesten.

Am stärksten eingebrochen ist ein Satz ohne Geldbezug: Dass der Tourismus zu einer toleranteren Gesellschaft beitrage, finden 44,5 Prozent, 2024 waren es 56. Die Ablehnung stieg dabei nur von 22,7 auf 25,4 Prozent; der größere Teil der verlorenen Zustimmung wanderte in die Mitte. Die Jüngsten pauschal die Skeptischsten zu nennen, greift trotzdem zu kurz: Bei der Tourismussteuer sind sie die Entschiedensten dafür, 58 zu 17,5 Prozent.

Proteste, Abgaben und die Position der Regierung

Die Zahlen fallen in eine Debatte, die am 20. April 2024 sichtbar wurde, als unter dem Motto «Canarias tiene un límite» auf allen Inseln und in Madrid demonstriert wurde. Infobae berichtete von Tausenden, wies aber auf fehlende offizielle Zahlen hin. Gefordert wurden ein Baumoratorium und eine Ökoabgabe.

Eine übernachtungsbezogene Abgabe gibt es bis heute nur in Mogán auf Gran Canaria: 15 Cent pro Person und Nacht seit März 2025, die erste kommunale Tourismussteuer Spaniens, mit eingefrorenen Einnahmen, weil der Hotellerieverband FEHT Las Palmas klagt. Die oft «Ecotasa» genannte Abgabe auf Teneriffa ist etwas anderes: Sie gilt seit dem 19. Januar 2026 für zwei Wege im Nationalpark Teide und ist keine Bettensteuer. Auf Lanzarote ist keine in Kraft; einen Vorstoß der sozialistischen Fraktion vom Oktober 2024 wiesen die Verbände Asofuer, FTL, FEHT und Ashotel laut Diario de Lanzarote als «ineficaz» zurück und bezweifelten, dass sich Ansässige ausnehmen ließen, da EU-Recht keine Unterscheidung nach dem Wohnsitz erlaube. Die von 81,3 Prozent gewünschte Ausnahme gilt der Branche also als rechtlich schwächster Teil.

Die Landesregierung aus Coalición Canaria und Partido Popular lehnt eine kanarenweite Abgabe ab; am 12. März 2026 wies das Parlament sie laut eldiario.es erneut zurück. Regierungschef Fernando Clavijo sagte Canarias7 am 18. April 2026, er ziehe eine Anhebung des IGIC vor: «mehr Qualität, weniger Menge und mehr Wertschöpfung».