Neubau ist der Druckpunkt

Im IPV des zweiten Quartals 2026 liegt die Jahresrate für kanarischen Neubau bei 11,9 Prozent, für Spanien bei 7,4 Prozent. Diesen Abstand stellt das ISTAC in seiner Mitteilung vom 11. September 2026 an den Anfang.

Beim Bestand ist es umgekehrt: Gebrauchte Wohnungen verteuerten sich auf den Kanaren laut IPV um 11,0 Prozent, in Spanien um 12,9 Prozent. Weil auf den Bestand der größte Teil der Käufe entfällt, zieht er den kanarischen Gesamtindex auf 11,0 Prozent, Spanien kommt auf 12,2 Prozent. Die Kanaren sind damit die vierte Autonome Gemeinschaft mit dem geringsten Jahresanstieg.

Warum gerade Neubau

Neubau ist auf den Inseln das knappste Gut. Eine Untersuchung des Bauträgers Metrovacesa vom 28. April 2026 rechnet vor, dass binnen vier Jahren rund 39.000 neue Haushalte entstanden, denen etwa 14.000 gebaute Wohnungen gegenüberstanden — gedeckt seien damit rund 36 Prozent des Bedarfs. Metrovacesa ist als Bauträger Partei, benennt aber den Mechanismus, der zum Index passt: Begrenztes Territorium und knapper Baugrund erschweren es dem Angebot, auf Bevölkerungswachstum zu reagieren.

Ein zweiter Grund liegt in der Statistik: Auf Neubau entfällt nur ein kleiner Teil der notariellen Käufe, und eine Teilreihe aus wenigen Geschäften schwankt stärker. Die kanarische Neubaurate lag in den fünf Quartalen davor zwischen 9,6 und 12,6 Prozent. Die 11,9 Prozent sind kein Ausbruch nach oben, sondern die Fortschreibung eines hohen Niveaus.

Warum zwei Indizes verschiedene Zahlen nennen

Anfang Juli hat cita.news denselben Markt mit anderen Zahlen beschrieben. Grundlage war idealista: Das Portal meldete am 2. Juli 2026 für gebrauchte Wohnungen auf den Kanaren 7,4 Prozent Jahresanstieg, einen der mildesten Spaniens. Der amtliche IPV nennt für dasselbe Quartal und Segment 11,0 Prozent für die Kanaren und 12,9 Prozent für Spanien.

Beide Reihen können zutreffen, weil sie Verschiedenes messen: idealista wertet Angebotspreise laufender Inserate aus, der IPV notarielle Kaufpreise abgeschlossener Geschäfte. Für Leser der Juli-Fassung wichtig: Die 7,4 Prozent von idealista und die 7,4 Prozent im IPV sind nicht dieselbe Größe. Im amtlichen Index steht 7,4 Prozent für den spanischen Neubau, bei idealista für den kanarischen Gebrauchtmarkt.

47 Quartale, nicht 45

Mehrere kanarische Medien schrieben nach der INE-Veröffentlichung, die Kanaren hätten nun 45 Quartale in Folge steigende Preise. In der aktuellen Reihe sind es nachgerechnet 47: Die letzte negative Jahresrate stammt aus dem dritten Quartal 2014. Das INE hat die Reihe auf die Basis 2025 umgestellt und dabei neu berechnet.

Im Vergleich zum Vorquartal stieg der kanarische Gesamtindex zuletzt um 3,3 Prozent, der Neubau um 2,4 Prozent und der Bestand um 3,3 Prozent. Innerhalb dieses Quartals stieg Neubau also langsamer als der Bestand — sein Vorsprung im Jahresvergleich stammt aus den Quartalen davor.

Was Käufer daraus ablesen können

Der Preisdruck sitzt im Neubau: Wer zwischen Neubau und einer vergleichbaren gebrauchten Wohnung wählt, zahlt dort den schnelleren Anstieg — deutlicher als anderswo in Spanien, wo Neubau nach diesem Index der ruhigere Teil des Marktes ist.

Die Erzählung von den Kanaren an der Spitze aller Preistabellen trifft für dieses Quartal dagegen nicht zu. Eine Entwarnung ist das nicht: 11,0 Prozent in einem Jahr bleiben kräftig. Und der IPV sagt nichts über einzelne Inseln oder Gemeinden — wer wissen will, was in La Oliva verlangt wird, braucht Portalreihen mit Quadratmeterpreisen.