Es gibt sie noch, die stillen Ecken Gran Canarias, an denen das Rauschen der Wellen lauter ist als jeder Kühlschrank einer Strandbar. Die Playa de Veneguera ist so ein Ort. Nachdem die unbefestigte Zufahrt durch das gleichnamige Barranco für eine Weile nicht passierbar war – mutmaßlich wegen Ausbesserungsarbeiten oder witterungsbedingter Schäden – ist die Piste nun wieder offen. Für alle, die das Abenteuer suchen, bedeutet das: Der Weg zu einem der letzten wirklich wilden Strände der Insel ist wieder frei.

Die Playa de Veneguera ist kein Strand für den schnellen Sprung ins Wasser zwischen zwei Cocktails. Sie ist ein Ziel für Menschen, die bereit sind, eine holprige Fahrt oder eine längere Wanderung in Kauf zu nehmen, um dafür mit einem fast menschenleeren Küstenstreifen belohnt zu werden. Dass dieser Ort so geblieben ist, wie er ist, hat viel mit einer der bekanntesten Umweltschutzbewegungen der Kanaren zu tun.

Die Piste ins Barranco: Was dich auf der Anfahrt erwartet

Von der GC-200, der Küstenstraße, die Mogán mit La Aldea verbindet, zweigt der Weg ins Barranco de Veneguera ab. Ab hier beginnt der Teil der Reise, der ein wenig Vorbereitung verlangt. Die Strecke bis zum Strand ist rund neun bis zehn Kilometer lang und durchgehend unbefestigt. Es handelt sich um eine einspurige Piste mit gelegentlichen Ausweichstellen, die sich in teils steilen Abschnitten durch das geschützte Tal windet.

Die Beschreibungen zur Befahrbarkeit gehen auseinander. Einige lokale Führer sprechen von einer „tricky dirt track“, andere meinen, ein normaler Pkw könne es bei trockenem Wetter und vorsichtiger Fahrweise schaffen. Die sicherste Empfehlung lautet: Ein Fahrzeug mit hoher Bodenfreiheit oder ein 4x4 ist deutlich besser geeignet. Wer sich unsicher fühlt, kann das Auto am Ende der asphaltierten Straße abstellen und die verbleibende Strecke zu Fuß zurücklegen – rechne mit etwa 40 Minuten Fußweg. Am Ende der Piste wartet ein Parkplatz mit Blick aufs Meer, der Platz für etwa 50 Fahrzeuge bietet.

Tipp Plane die Anfahrt möglichst früh am Morgen, dann ist die Piste noch wenig befahren und die Temperaturen sind angenehmer.

Dunkler Sand und absolute Stille: Das erwartet dich am Strand

Nach der staubigen Fahrt öffnet sich die Küste, und vor dir liegt ein langer, grober Streifen aus dunklem Vulkansand, durchsetzt mit Kieseln und größeren, rundgeschliffenen Steinen, die hier „Callaos“ genannt werden. Das Wasser ist in der Regel ruhig bis mäßig bewegt, aber es gibt keine Badeaufsicht. Die Kulisse ist karg und spektakulär zugleich: steile Hänge, spärliche Vegetation und das offene Meer.

An der Playa de Veneguera gibt es keinerlei Infrastruktur. Kein Kiosk, keine Sonnenliegen, keine Toilette, keinen Rettungsschwimmer. Diese Abwesenheit von Komfort ist genau das, was den Reiz ausmacht – und was eine gute Vorbereitung unerlässlich macht. Alles, was du brauchst, musst du mitbringen und wieder mitnehmen. Dazu gehört ausreichend Wasser, Proviant, Sonnenschutz und festes Schuhwerk, denn der grobe Sand und die Steine sind barfuß weniger angenehm als die feinen Dünen von Maspalomas.

„Salvar Veneguera“: Die Geschichte hinter dem unberührten Tal

Dass die Playa de Veneguera heute so wild und unverbaut ist, ist kein Zufall. In den 1980er- und 1990er-Jahren gab es massive Pläne, das Tal touristisch zu erschließen – mit Hotelanlagen, Golfplätzen und einer Marina. Dagegen formierte sich eine der stärksten Bürgerbewegungen der Kanarischen Inseln. Unter dem Slogan „Salvar Veneguera“ (Veneguera retten) protestierten Anwohner und Umweltschützer über Jahre hinweg.

Der Widerstand hatte Erfolg. Das Barranco de Veneguera wurde als geschützter Naturraum ausgewiesen und im Jahr 2003 in den Parque Rural del Nublo eingegliedert. Dieser Schutzstatus verhindert bis heute großflächige Bebauung und bewahrt eine der letzten unberührten Küstenlandschaften Gran Canarias. Wenn du heute über die holprige Piste fährst, bewegst du dich durch ein Gebiet, das sich seinen wilden Charakter gegen starke wirtschaftliche Interessen erkämpft hat.

Gut zu wissen In dem abgelegenen Barranco ist der Handyempfang lückenhaft, verlasse dich also nicht auf digitale Karten, sondern lade dir die Route vorab herunter.

Verantwortungsvoll reisen: So besuchst du Veneguera richtig

Ein Besuch an der Playa de Veneguera ist ein Ausflug in ein empfindliches Ökosystem. Die Regeln sind einfach, aber wichtig: Nimm deinen gesamten Abfall wieder mit, verzichte auf Glasflaschen am Strand und bleib auf den erkennbaren Wegen, um die spärliche Dünen- und Ufervegetation nicht zu zertrampeln. Offenes Feuer und wildes Campen sind in dem geschützten Gebiet nicht erlaubt.

Respektiere auch die Ruhe des Ortes. Wer mit einer tragbaren Musikbox anrückt, zerstört genau die Atmosphäre, für die andere den weiten Weg auf sich genommen haben. Die Playa de Veneguera ist ein Rückzugsort – für Pflanzen, für Vögel und für Menschen, die dem Trubel der Ferienzentren entkommen wollen. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem intensiven Naturerlebnis belohnt, das auf Gran Canaria selten geworden ist.

Häufige Fragen

Brauche ich zwingend einen 4x4 für die Anfahrt?
Ein geländegängiges Fahrzeug oder ein 4x4 wird dringend empfohlen. Ein normaler Pkw kann die Strecke bei Trockenheit und vorsichtiger Fahrweise möglicherweise schaffen, das Risiko von Schäden am Unterboden ist aber hoch.
Gibt es an der Playa de Veneguera Toiletten oder ein Restaurant?
Nein, der Strand ist völlig naturbelassen und verfügt über keinerlei Infrastruktur. Du musst ausreichend Verpflegung und Wasser selbst mitbringen.
Kann man an der Playa de Veneguera sicher schwimmen?
Das Wasser ist meist ruhig bis mäßig bewegt, es gibt jedoch keine Badeaufsicht oder Rettungsschwimmer. Schwimmen erfolgt auf eigene Gefahr.
Wie lange dauert der Fußweg, wenn ich das Auto früher abstelle?
Ab dem Ende der asphaltierten Straße solltest du etwa 40 Minuten Fußweg bis zum Strand einplanen. Festes Schuhwerk ist wegen des unebenen Untergrunds ratsam.
Ist die Playa de Veneguera für Kinder geeignet?
Wegen der abgelegenen Lage, der fehlenden Infrastruktur und des groben Sandes mit Kieseln ist der Strand für Familien mit kleinen Kindern nur bedingt empfehlenswert.

Stand Juli 2026. Die Angaben zur Befahrbarkeit der Piste basieren auf Erfahrungsberichten und lokalen Führern. Informiere dich vor der Fahrt über die aktuelle Witterung und mögliche temporäre Sperrungen.