Klären wir zuerst das Missverständnis, das gerade durch viele Schlagzeilen geistert. Ja, am 12. August zieht eine totale Sonnenfinsternis über Spanien — die erste, die nach über hundert Jahren wieder vom spanischen Festland aus vollständig zu sehen ist. Die Zone der Totalität, in der der Mond die Sonne komplett verdeckt, verläuft quer über die Halbinsel: von Galicien über Oviedo, León, Bilbao und Zaragoza bis València und die Balearen. Dort wird es für kurze Zeit fast Nacht.

Die Kanaren liegen jedoch südlich dieser Zone. Hier verdeckt der Mond die Sonne nicht ganz, sondern „nur" zu etwa 70 Prozent. Aus der vollen Scheibe wird ein leuchtender, schmaler Bogen — ein „goldener Croissant", wie es das kanarische Astrophysik-Institut IAC nennt.

Warum es trotzdem ein besonderer Abend wird

Bevor jetzt Enttäuschung aufkommt: Eine zu 70 Prozent verdeckte Sonne ist ein seltener und schöner Anblick — und auf den Kanaren kommt ein Glücksfall hinzu. Die Finsternis fällt fast genau mit dem Sonnenuntergang zusammen. Die angeknabberte Sonne steht also tief und gross über dem westlichen Meereshorizont, eingebettet in die warmen Farben der Dämmerung. Fachleute erwarten einen der eindrucksvollsten Sommer-Sonnenuntergänge seit Langem.

Genau diese Lage hat aber einen Haken, den man kennen muss: Weil die Sonne so tief steht, ist auf einigen Ost- und zentral-östlichen Hängen — etwa in der Mitte und im Osten Teneriffas sowie auf der Ostseite von La Palma und El Hierro — die Sonne zum Höhepunkt der Finsternis bereits untergegangen. Dort sieht man das Maximum gar nicht.

Das Wichtigste zuerst: Augenschutz

Eine partielle Finsternis ist kein Freibrief, in die Sonne zu schauen — im Gegenteil. Solange auch nur ein Teil der Sonnenscheibe sichtbar ist, kann der direkte Blick die Netzhaut dauerhaft schädigen, oft ohne dass man im Moment Schmerz spürt. Der Blick mit blossem Auge, durch eine Sonnenbrille, ein Smartphone, ein Fernglas oder ein Teleskop ohne Spezialfilter ist gefährlich.