Was ändert sich jetzt für Urlauber und Residenten auf Teneriffa?

Für Teneriffa ist bis zum 5. November 2026 keine neue Regel, Warnung oder Frist zu El Niño veröffentlicht. Auch für die Urlaubsorte im Süden ist keine Einschränkung bekannt.

Der offene Brief der Kampagne Alerta El Niño richtet sich laut der Zeitung Ara an die Regierung der Region Madrid. Die sechs vorgeschlagenen Massnahmen sollen laut der Kampagne aber ebenso für andere Autonomieregionen gelten.

AEMET (staatlicher Wetterdienst) hält den Zusammenhang zwischen El Niño und dem Klima Spaniens für schwach, so Sprecher José Luis Camacho. Eine konkrete Episode lasse sich für den Archipel nicht vorhersagen.

Eine Pflicht zum Umbuchen oder zum Anlegen von Vorräten ergibt sich aus keiner veröffentlichten Quelle. Wer reist oder dort lebt, schaut am besten auf die Warnungen der AEMET.

Was fordert die Kampagne Alerta El Niño von Madrid?

Die Ingenieurin Liubba El Hadi stellte die Initiative vor, es sprachen Fernando Valladares und Carolina Yacamán. Valladares ist Forschungsprofessor am CSIC, Yacamán lehrt im Fachbereich Geografie der Universidad Autónoma de Madrid.

Die Kampagne verlangt ein Expertenkomitee, strategische Reserven und besser geschützte Infrastruktur. Die Behörden für Notfälle, Zivilschutz, Landwirtschaft, Wasser, öffentliche Gesundheit und Klimaanpassung sollen die Risikoszenarien rasch in ihre Vorsorgepläne aufnehmen.

Reserven fordern die Forscher für Lebensmittel, Medikamente und Grundprodukte, vor allem in Grossstädten und ihrem Umland. Den Primärsektor wollen sie schützen, «nicht nur als wirtschaftliche Tätigkeit, sondern als wesentliche Infrastruktur für unser Überleben».

Für Landwirtschaft und Viehzucht verlangt die Kampagne Wassermanagement, Agrarversicherungen, Futter- und Lebensmittelreserven sowie Hilfe für Kleinproduzenten. Dazu zählen Schuldenmoratorien und Direkthilfen; Adressaten sind die Regierung Spaniens, das Landwirtschaftsministerium und die Regionen je nach Zuständigkeit.

Warum sorgen sich die Forscher um die Lebensmittelversorgung?

Hohe Temperaturen drücken laut den Initiatoren die Getreideernten. Teurer Diesel, Dünger, Transport und Strom erschwerten zudem den Betrieb von Höfen, noch bevor die schlimmsten befürchteten Folgen eintreten.

Valladares sagt, die Prognosen zur Stärke des Ereignisses seien schlechter als im Sommer. Die Pazifik-Oberfläche könne sich um bis zu vier Grad über den Normalwert erwärmen.

Bisher zählt Valladares bis zu 22 direkt betroffene Länder. In fast allen hätten die Behörden nur im Nachhinein auf Überschwemmungen und Dürren reagiert.

Als Kernrisiko nennt der Brief für die Region Madrid eine lange, wetterbedingte Unterbrechung des Verkehrs. Die Initiatoren halten das für andere grosse Ballungsräume für ebenso zutreffend.

Eine im Bericht zitierte Studie schätzt für den Sommer 2026 mehr als 50.000 Hitzetote in 854 europäischen Städten. In den 90 einbezogenen spanischen Städten sind es 6.824, davon werden 5.227 dem Klimawandel zugerechnet.

Wie abhängig sind die Kanaren von Lebensmittelimporten?

Eine amtliche Zahl des Statistikamts ISTAC zum Importanteil bei Lebensmitteln ist nicht bekannt. Im Umlauf sind Angaben von mehr als 80 Prozent bis 90 Prozent, die ein Bauernverband Teneriffas nennt; sie sind keine offizielle Statistik.

Der neue Verband ATRATICAN, in dem sich Landwirte, Viehzüchter und Fischer zusammengeschlossen haben, wurde am 27. September 2025 bekannt. Präsident José Antonio Gómez warnt, eine Seeblockade würde die Inseln binnen weniger Tage ohne Nahrung lassen, ein Interessenverband nennt dafür aber keine amtlichen Lagerbestände.

Was sagen die Wetterdienste zum Winter?

Die US-Behörde NOAA schreibt in ihrer Analyse vom 8. Oktober 2026, El Niño verstärke sich weiter. Ein starkes bis sehr starkes Ereignis sei bis Januar–März 2027 mit mehr als 83 Prozent wahrscheinlich.

Im östlichen äquatorialen Pazifik liegen die Anomalien der Meeresoberfläche stellenweise über +4,0 Grad. Die Chance auf mehr als +2,5 Grad beziffert die NOAA mit 54 Prozent für September–November, 83 Prozent für Oktober–Dezember und 70 Prozent für November–Januar.

AEMET gibt für die Kanaren eine Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent für überdurchschnittlich warme Monate von September bis November an. Für einen trockeneren Herbst nennt sie etwa 40 Prozent, ein Ausblick für den ganzen Winter 2026/27 liegt nicht vor.

Der Begriff «Super Niño» ist nach AEMET ein Medienbegriff; die offizielle Skala kennt schwach, mässig und stark. Zudem verstärke El Niño die Windscherung über dem Atlantik, was die Bildung tropischer Wirbelstürme tendenziell bremst.

Welche Termine und offenen Fragen gibt es?

Die NOAA will ihre nächste Analyse am 12. November 2026 vorlegen. Den Höhepunkt von El Niño erwarten NOAA und WMO zwischen November 2026 und Januar 2027.

Die AEMET-Prognose für Dezember bis Februar soll laut Berichten Ende November erscheinen, ein bestätigter Termin liegt nicht vor. Bis dahin bleibt offen, ob der Winter auf den Inseln nasser oder wärmer wird.

Eine Reaktion der spanischen Regierung, des Landwirtschaftsministeriums oder der Regierung der Kanaren auf den Brief ist nicht bekannt. Auch ein Eintrag im BOE oder im BOC (Amtsblatt der Kanaren) wurde nicht gefunden.

Ob Spanien oder die Kanaren strategische Lebensmittelreserven halten, wie gross sie wären und wer sie bezahlen würde, ist nicht veröffentlicht. Für Teneriffa gilt damit bis auf Weiteres: beobachten, nicht handeln.