Was bedeutet die Studie für Einwohner und Urlauber auf Teneriffa?

Urlauber im Süden Teneriffas müssen nichts beachten: Der Bericht enthält weder eine Regel für Hotels noch eine Auflage für Reisende. Er richtet sich an Unternehmen, die Personal einstellen.

Auch Residenten bekommen keine neue Frist und kein Formular. Einen Betrag in Euro, ein Antragsverfahren oder einen Starttermin nennen die Verbände nicht.

Wer als Trans-Person auf den Kanaren arbeitet oder sucht, findet im Bericht keine Kanaren-Zahlen. Ob die 62 Prozent für die Inseln ähnlich gelten, geht aus den Angaben nicht hervor.

Was steht im Bericht «Talento trans en el empleo»?

Den Bericht haben die Federación Estatal LGTBI+ (FELGTBI+) und ManpowerGroup gemeinsam erarbeitet. Der spanische Dachverband hat über 55 Mitgliedsorganisationen, der Bericht gilt als erstmals veröffentlicht.

Die Grundlage bilden die drei jüngsten Ausgaben der Umfrage «Estado LGTBI+» des Verbands. Dazu kommen Arbeitsgruppen und ausführliche Interviews mit Trans-Personen, Personalfachleuten und Diversitätsbeauftragten.

Die Hälfte der Trans-Personen erlitt laut Bericht verbale oder körperliche Übergriffe am Arbeitsplatz. Gut zwei von drei (67,7 Prozent) meinen, Vorurteile hätten ihr Fortkommen im Beruf gebremst.

Befristet beschäftigt sind 64 Prozent der Trans-Personen, in der spanischen Gesamtbevölkerung nur 9,9 Prozent. Der Bericht spricht von einem sechsfachen Wert.

Warum klaffen Gesetz und Alltag auseinander?

71 Prozent der LGTBI+-Personen bewerten die Gleichstellungsgesetze positiv, sagte FELGTBI+-Geschäftsführer William Gil D´Avolio. Zugleich sprach er von einer «deutlichen Umsetzungslücke».

Bei den Firmen hapert es: Nur 40,1 Prozent haben eigene Richtlinien für LGTBI+-Beschäftigte. Einen strukturierten Plan haben 30,2 Prozent.

Bei der Belegschaft kommt wenig an, denn nur 33,76 Prozent sehen die Massnahmen angewandt. Marta Alonso von der Exekutivkommission forderte, «vom Bekenntnis zum Handeln» zu kommen.

Welche Regeln gelten in Spanien und auf den Kanaren?

Firmen mit mehr als 50 Beschäftigten müssen laut unserer Recherche Massnahmen zur Gleichstellung von LGTBI-Personen und ein Protokoll gegen Belästigung einführen. Alonso verwies dazu auf das spanische Gesetz Ley 4/2023 und das Königliche Dekret RD 1026/2024.

Die Kanaren haben ein eigenes Gesetz. Das Gesetz Ley 8/2014 vom 28. Oktober hatte Diskriminierung aus Gründen der Geschlechtsidentität geregelt, auch im Arbeitsleben.

Abgelöst hat es laut Recherche die Ley 2/2021 vom 7. Juni. Den Text konnten wir nicht prüfen, deshalb bleiben seine Regeln zu Arbeit, Strafen und zuständiger Stelle offen.

Was empfiehlt der Bericht den Unternehmen?

Der Bericht enthält einen praktischen Leitfaden für Firmen. Er sammelt Erfahrungen von Organisationen, die bereits Inklusionsprojekte betreiben.

Der Bericht empfiehlt Firmen, ihr Bekenntnis zur Vielfalt sichtbar zu machen und Personalteams zu schulen. Sie sollen Namen und Pronomen der Bewerber verwenden, auch wenn amtliche Dokumente abweichen.

Von Beginn an sollen Firmen über Begleitprotokolle, interne Unterstützergruppen und Beschwerdekanäle informieren. Zudem sollen vielfältige Profile in Führungsprogramme und Entscheidungsgremien kommen.

Wie lassen sich die 62 Prozent einordnen?

Ein früherer Wert liegt nah an den 62 Prozent: 68 Prozent von 552 befragten Trans-Personen gaben Diskriminierung in einem Auswahlverfahren an. So steht es laut einem Bericht über eine Studie des spanischen Gleichstellungsministeriums von 2022, bei Trans-Frauen waren es 77 Prozent.

Die Ministeriumsstudie selbst konnten wir nicht lesen, ein Trend lässt sich daraus also nicht ableiten. Die Methoden beider Erhebungen sind ohnehin verschieden.

Ob und wann die Kanaren eigene Programme für Trans-Bewerber auflegen, ist nicht bekannt. Auch vom Cabildo (Inselregierung) oder der Kanarenregierung liegt dazu keine Angabe vor.

Die beiden Organisationen legen den Bericht Unternehmen als Arbeitsgrundlage vor. Wann die Firmen ihn umsetzen, bleibt abzuwarten.