Die Verkehrswende ist auf den Kanaren ein besonderes Thema: begrenzter Platz, viele kurze Strecken, hohe Abhängigkeit von importiertem Treibstoff. Kein Wunder, dass die Regionalregierung die Elektrifizierung des Verkehrs vorantreibt. Jetzt hat die Consejería für ökologischen Wandel und Energie (Consejería de Transición Ecológica y Energía) unter Mariano Zapata eine neue Förderrunde für nachhaltige Mobilität im öffentlichen Verkehr aufgelegt, kofinanziert aus EU-Mitteln des Programms FEDER Canarias 2021–2027.

Doch bei den Zahlen, die durch die Nachrichtenticker laufen, lohnt ein zweiter Blick — denn dort werden leicht zwei verschiedene Förderebenen vermischt.

Wer gefördert wird — und wer nicht

Das Wichtigste zuerst, um ein häufiges Missverständnis auszuräumen: Diese Förderung der Regionalregierung richtet sich nicht an Privatpersonen, die ihr eigenes Elektroauto kaufen wollen. Berechtigt sind ausschliesslich Profis im Personentransport: öffentliche und private Unternehmen, Inhaber einer Taxi-Lizenz sowie VTC-Betreiber (Mietwagen mit Fahrer), die einen öffentlichen Verkehrsdienst erbringen. Es geht also um die Erneuerung von Flotten — Busse, Taxis, Sammeltransport —, nicht um den privaten Zweitwagen.

Zapata formulierte das Ziel so: Die Elektromobilität solle «eine zugängliche Realität nicht nur für die Bürger, sondern auch für die Transportprofis werden, die eine Schlüsselrolle bei der Dekarbonisierung unserer Städte spielen».

Die Konditionen im Detail

Die Förderung gliedert sich in zwei Linien. Linie A unterstützt den Kauf von Elektro- oder Null-Emissions-Fahrzeugen der Klassen M1, M2 und M3 — von der Pkw-grossen Taxi-Limousine bis zum Bus. Vorausgesetzt wird eine Mindestinvestition, gestaffelt nach Fahrzeugklasse: etwa 25.000 Euro für ein M1-Fahrzeug, 35.000 Euro für ein M2-Fahrzeug und 60.000 Euro für einen Bus der Klasse M3.

Linie B fördert die dazugehörige Ladeinfrastruktur und Tankstellen für alternative Kraftstoffe. Hier sind bis zu 110.000 Euro pro Begünstigtem möglich; für Kommunen und öffentliche Unternehmen steigt der Höchstbetrag auf bis zu 300.000 Euro.

Gut zu wissen: Vorauszahlung Ein für Antragsteller attraktives Detail: Die Zuschüsse werden als 100-prozentige Vorauszahlung gewährt — das Geld fliesst also vorab, nicht erst nach Vorlage aller Belege. Vergeben wird im Windhundverfahren («concurrencia no competitiva»): Es zählt die Reihenfolge der vollständigen Anträge, nicht ein Wettbewerb. Eingereicht wird elektronisch über die sede electrónica der Kanarenregierung.

Woher die «30.000 Euro» stammen

Und die vielzitierten 30.000 Euro? Diese konkrete Summe stammt nicht aus der Förderung der Regionalregierung, sondern aus einem separaten Programm des Cabildo von La Gomera. Dort fördert die Inselregierung den Kauf emissionsfreier Fahrzeuge gestaffelt: bis zu 10.000 Euro für Pkw mit höchstens acht Plätzen — und bis zu 30.000 Euro für Fahrzeuge mit mehr als acht Sitzplätzen, die im Gelegenheitsverkehr («transporte discrecional») eingesetzt werden. Auch die Insel La Palma hat ein eigenes Förderprogramm für E- und Hybrid-Taxis aufgelegt. Wer also die Zahl 30.000 Euro liest, sollte wissen: Sie gilt für grosse Fahrzeuge auf Inselebene, nicht pauschal für jeden E-Auto-Kauf.

Und was ist mit Privatpersonen?

Wer als Privatperson auf den Kanaren ein Elektroauto kaufen möchte, geht nicht leer aus — wird aber über andere Wege und in deutlich geringerem Umfang unterstützt. Massgeblich ist hier der gesamtspanische Plan Auto+: Er sieht bis zu 4.500 Euro Zuschuss vor, plus 1.000 Euro vom Hersteller, der direkt beim Händler abgezogen wird. Begünstigt werden vor allem reine Elektrofahrzeuge mit einem Nettopreis bis rund 45.000 Euro, bevorzugt aus EU-Produktion.

Privatkauf auf den Kanaren: die Spar-Wege Plan Auto+ (staatlich): bis 4.500 € Zuschuss + 1.000 € Hersteller-Rabatt beim Händler
IGIC statt IVA: auf den Kanaren in der Regel 7 % statt der spanischen Mehrwertsteuer — senkt den Endpreis direkt
Heim-Ladepunkt (Wallbox): keine Direktförderung mehr, aber 15 % IRPF-Steuerabzug auf die Installationskosten (Bemessungsgrundlage max. 4.000 €, also bis zu 600 € Ersparnis)

Hinzu kommt ein struktureller Vorteil des Archipels: Statt der Mehrwertsteuer (IVA) gilt auf den Kanaren der niedrigere IGIC von in der Regel 7 Prozent, was den Endpreis eines Fahrzeugs direkt senkt. Für die heimische Wallbox gibt es dagegen keine direkte Förderung mehr, sondern nur noch einen Steuervorteil: 15 Prozent der Installationskosten lassen sich von der Einkommensteuer (IRPF) absetzen, bei einer Bemessungsgrundlage von höchstens 4.000 Euro — macht bis zu 600 Euro Ersparnis.

Was bleibt

Die neue Förderung ist ein gezielter Baustein der kanarischen Verkehrswende — aber einer, der vor allem die Profis adressiert: Taxis, Mietwagen und Verkehrsbetriebe, die ihre Flotten elektrifizieren. Für sie kann sich ein genauer Blick in die Ausschreibungsbedingungen lohnen, gerade wegen der vollständigen Vorauszahlung. Privatpersonen sollten dagegen wissen, dass ihre Förderwege anderswo liegen — beim staatlichen Plan Auto+ und beim Steuervorteil. Wer beides nicht verwechselt, findet sich im Förderdschungel deutlich leichter zurecht.

Hinweis Konkrete Beträge, Fristen und Bedingungen können je nach Convocatoria variieren und sich ändern. Massgeblich sind stets die offiziellen Ausschreibungsunterlagen (bases reguladoras) der jeweiligen Stelle. Vor einer Antragstellung sollten die aktuellen Bedingungen auf der sede electrónica der Kanarenregierung bzw. des zuständigen Cabildo geprüft werden.

Häufige Fragen

Bekomme ich als Privatperson 30.000 Euro für mein E-Auto?
Nein. Die 30.000 Euro beziehen sich auf grosse Fahrzeuge (über acht Sitzplätze) im Förderprogramm des Cabildo La Gomera. Die Förderung der Regionalregierung richtet sich an Verkehrsprofis (Taxis, VTC, Unternehmen), nicht an private Pkw-Käufer.
Wer kann die Förderung der Kanarenregierung beantragen?
Öffentliche und private Unternehmen, Inhaber einer Taxi-Lizenz und VTC-Betreiber (Mietwagen mit Fahrer), die einen öffentlichen Verkehrsdienst erbringen.
Wie hoch ist die Förderung für Ladeinfrastruktur?
Bis zu 110.000 Euro pro Begünstigtem, für Kommunen und öffentliche Unternehmen bis zu 300.000 Euro (Linie B).
Wie wird beantragt?
Elektronisch über die sede electrónica der Kanarenregierung. Die Vergabe erfolgt im Windhundverfahren nach Reihenfolge der vollständigen Anträge, mit 100 % Vorauszahlung.
Welche Hilfen gibt es für private E-Auto-Käufer?
Der staatliche Plan Auto+ (bis 4.500 € plus 1.000 € Hersteller-Rabatt), der niedrigere IGIC (meist 7 %) statt IVA sowie ein 15-%-IRPF-Steuerabzug für die heimische Wallbox (max. 600 €).

Stand 13.06.2026. Quellen u. a. Gobierno de Canarias (gobiernodecanarias.org, sede electrónica), Europa Press, Fedetax, gomeranoticias und RACE. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Serviceinformation und keine Rechts- oder Förderberatung. Beträge, Fristen und Bedingungen können sich ändern; massgeblich sind die offiziellen Ausschreibungsunterlagen der jeweiligen Stelle.