Beginnen wir mit der Zahl, die alles auf den Punkt bringt. Nach Daten des Statistikamts INE wuchs der spanische Wohnungsbestand 2025 um knapp 95.000 Einheiten — gleichzeitig kamen aber fast 239.000 neue Haushalte hinzu. Bundesweit deckte das neue Angebot also nur rund 40 Prozent des Bedarfs; auf den Kanaren fiel die Bilanz sogar noch etwas schlechter aus. Anders gesagt: Für drei neue Haushalte entstand nur etwa eine neue Wohnung. Das ist kein einmaliger Ausrutscher, sondern ein anhaltendes Missverhältnis.

Warum so wenig gebaut wird

Der kanarische Wirtschaftsverband CEOE hat das Missverhältnis in konkrete Jahreszahlen übersetzt: Rund 10.000 neuen Haushalten pro Jahr stehen nur etwa 2.500 gebaute Wohnungen gegenüber. Daraus ergibt sich ein geschätztes Defizit von rund 37.600 Wohnungen — das laut Verband etwa 40 Prozent des jüngsten Preisanstiegs auf den Inseln erklärt. Die Ursachen sind strukturell und für eine Inselregion typisch: knappes und teures Bauland (rund die Hälfte des Archipels steht unter Naturschutz), die Insellage selbst, und über Jahre kaum öffentlich geförderter Wohnungsbau. Hinzu kommt, dass nur etwa 60 Prozent der Nachfrage auf Dauerwohnraum entfällt — der Rest auf ausländische Käufer und Zweitwohnsitze.

Das Paradox: 30.000 leere Neubauten — und trotzdem Mangel

Hier kommt die Zahl, die viele überrascht: Trotz des akuten Mangels steht auf den Kanaren ein Bestand von rund 30.000 neuen, unverkauften Wohnungen leer. Wie passt das zusammen? Die Antwort liegt im Detail — und sie ist der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Krise. Diese leeren Wohnungen lösen das Problem nicht, weil sie nicht dort stehen, wo die Nachfrage ist, und nicht zu Preisen angeboten werden, die zu den Löhnen auf den Inseln passen. Der Banco de España bringt es in seinem Jahresbericht auf den Punkt: Es geht nicht nur um die schiere Zahl der Wohnungen, sondern darum, dass bezahlbarer Wohnraum am richtigen Ort entsteht.

Der Druck lässt nicht nach Die Projektionen deuten nicht auf Entspannung. Nach INE-Schätzung wächst die Zahl der Haushalte auf den Kanaren von rund 871.000 (2026) auf knapp 971.000 im Jahr 2041 — über 100.000 mehr in fünfzehn Jahren. Zugleich werden die Haushalte kleiner: Die durchschnittliche Grösse sinkt, der Anteil der Single-Haushalte steigt. Das heisst: Selbst bei stabiler Bevölkerung steigt die Zahl der nachgefragten Wohnungen weiter. Ohne deutlich höheres Bautempo dürfte sich die Lücke also eher vergrössern als schliessen.
Was das für Mieter und Käufer bedeutet Für Wohnungssuchende erklärt diese Lücke, warum gute Angebote oft binnen Tagen weg sind und die Preise weiter steigen. Wer kauft oder mietet, sollte einkalkulieren, dass das Angebot regional sehr unterschiedlich ist — und dass der grosse Leerstand an Neubauten nicht heisst, dass bezahlbarer Wohnraum am gewünschten Ort verfügbar ist. Die Regionalregierung hat einen neuen Wohnungsplan 2026–2030 in die öffentliche Konsultation gegeben, der mehr Angebot, Sanierung leerstehender Wohnungen und gezielten Zugang für vorrangige Gruppen vorsieht. Ob er das Bautempo spürbar erhöht, wird sich zeigen.

Häufige Fragen

Wie gross ist die Lücke genau?
2025 entstand auf den Kanaren rund eine neue Wohnung pro drei neue Haushalte; das Angebot deckte etwa 40 Prozent des Bedarfs. Pro Jahr stehen rund 10.000 neuen Haushalten nur etwa 2.500 Wohnungen gegenüber.
Wie hoch ist das Defizit insgesamt?
Der Wirtschaftsverband CEOE schätzt es auf rund 37.600 fehlende Wohnungen und führt darauf etwa 40 Prozent des jüngsten Preisanstiegs zurück.
Warum gibt es trotzdem leere Neubauten?
Rund 30.000 neue Wohnungen stehen unverkauft, lösen das Problem aber nicht, weil sie nicht dort sind, wo die Nachfrage ist, und nicht zu bezahlbaren Preisen angeboten werden.
Warum wird so wenig gebaut?
Knappes und teures Bauland, etwa die Hälfte des Archipels steht unter Naturschutz, die Insellage und über Jahre kaum öffentlich geförderter Wohnungsbau.
Wird es besser?
Die Prognosen deuten eher auf wachsenden Druck: über 100.000 zusätzliche Haushalte bis 2041. Ein neuer Wohnungsplan 2026–2030 ist in Vorbereitung.

Stand 24.06.2026. Quellen u. a. Atlántico Hoy, Instituto Nacional de Estadística (INE), CEOE Canarias, Banco de España (Jahresbericht 2025) und BBVA Research. Angaben sind Schätz- und Näherungswerte und können je nach Quelle und Methodik variieren; massgeblich sind die jeweils aktuellen offiziellen Daten. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung, keine Anlage- oder Rechtsberatung. Symbolbild.